Sas­kia Jung­nikl

Be­zie­hungs­wei­se

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Schau­spie­ler Phil­ipp Hoch­mair über Wahn und Scha­ber­nack.

Wie schwie­rig ist die Be­zie­hung zwi­schen Schau­spie­ler und Pu­bli­kum?

Ich wür­de sa­gen, das ist typ- und stück­ab­hän­gig. Ich ver­su­che im­mer so­fort, ei­ne Ver­bin­dung zum Pu­bli­kum auf­zu­bau­en. Das Pu­bli­kum ist mein wich­tigs­ter Part­ner. Ich spie­le ver­hält­nis­mä­ßig vie­le So­lo­stü­cke und da muss ich mich ja im­mer zwangs­läu­fig di­rekt ans Pu­bli­kum wen­den.

Sie spie­len ja so­wohl in Film und Fern­se­hen als auch auf der Büh­ne: ein­mal al­so di­rekt vor Pu­bli­kum, ein­mal mit zeit­ver­zö­ger­ter Öf­fent­lich­keit. Wie un­ter­schied­lich ge­hen Sie da­mit um?

Thea­ter und Film ist et­was An­de­res, fast Ge­gen­sätz­li­ches. Film ist Fo­to, Thea­ter ist Oper. Der ›Je­der­mann‹ et­wa ist ge­setz­te, kom­po­nier­te Spra­che, die ze­le­briert wird. Thea­ter will mit der Künst­lich­keit of­fen, ja of­fen­siv um­ge­hen, wäh­rend beim Film ver­sucht wird, mög­lichst viel Na­tür­lich­keit her­zu­stel­len. Beim Film gibt es kein di­rek­tes Pu­bli­kum und man darf am Set nicht in die Fal­le ge­hen, die Mit­ar­bei­ter, die hin­ter der Ka­me­ra ste­hen, mit ei­nem Pu­bli­kum zu ver­wech­seln. Sie dür­fen als Zu­se­her kei­ne Rol­le spie­len.

Was spie­len Sie lie­ber?

Ich mag die Kom­bi­na­ti­on. Mir macht es Freu­de, gleich­zei­tig Fil­me zu dre­hen und auf der Büh­ne zu ste­hen, da gibt es oft ei­ne un­er­war­te­te In­spi­ra­ti­on, das ei­ne kann das an­de­re po­si­tiv be­ein­flus­sen.

Be­merkt man im Spiel auf der Büh­ne das Pu­bli­kum? Spürt man die Stim­mung?

Nur! Der Au­ßen­ste­hen­de könn­te glau­ben, der Schau­spie­ler ist in ei­nem Rausch und Wahn, aber die Rea­li­tät sieht ganz an­ders aus. Ich bin wach und klar und mit dem Pu­bli­kum in Ver­bin­dung. Wie ein

Pi­lot in ei­nem Flug­zeug, man muss auf­pas­sen, wo Ge­fah­ren sind, wie man sich den Wind­strö­mun­gen an­passt, wie man die Um­stän­de am bes­ten für sich nutzt. Man muss ganz klar und um­sich­tig sein, al­so das Ge­gen­teil von Wahn. Als An­fän­ger denkt man, man muss auf der Büh­ne mög­lichst wahn­sin­nig sein, statt­des­sen muss man sehr auf sich auf­pas­sen. Man be­ob­ach­tet, an wel­chen Stel­len man Auf­merk­sam­keit kriegt, ob funk­tio­niert, was man da macht.

Al­so eher kon­trol­liert?

Man hat ei­ne Form der Kon­trol­le. Man ver­sucht, sich ei­nen si­che­ren Rah­men zu bau­en. Ei­nen Bo­den, auf dem man steht. Der Bo­den ist Text, der Bo­den ist Pu­bli­kum, Si­cher­heit – und dann be­ginnt man auf die­sem Bo­den zu tan­zen.

Ging das schon ein­mal schief ?

Hät­te ich so noch nicht ge­se­hen. Klar, manch­mal klappt es gut, manch­mal we­ni­ger. Aber wie bei ei­nem Fern­seh­koch wird das Es­sen ge­mein­sam ge­kocht, und es ist und bleibt im­mer ein Fest.

Ma­chen es ei­nem man­che Zu­sam­men­set­zun­gen von Pu­bli­kum schwe­rer?

Es gibt Pu­bli­kum, das nicht so har­mo­nisch ist. Ich ha­be ein­mal vor Leu­ten ge­spielt, da be­stand ein Drit­tel aus Schü­lern, ein Drit­tel aus Abon­ne­ment-Pu­bli­kum und ein Drit­tel aus kri­ti­schem Fach­pu­bli­kum.

Als An­fän­ger konn­te ich mich nicht rich­tig fal­len las­sen. In der Kon­stel­la­ti­on wa­ren das drei so un­ter­schied­li­che Tem­pe­ra­tu­ren, für mich schwer zu le­sen und völ­lig an­ders, als zum Bei­spiel nur vor Schü­lern zu spie­len. An ei­ner Schu­le kann man aus­pro­bie­ren und Scha­ber­nack trei­ben. Völ­lig ge­gen­sätz­lich da­zu et­wa der Dom­platz in Salz­burg, der in sei­ner Aus­for­mung ein­zig­ar­tig ist. •

PHIL­IPP HOCH­MAIRar­bei­tet seit mehr als 20 Jah­ren als Schau­spie­ler für Film, Fern­se­hen und Thea­ter. Jüngst sprang er über­ra­schend an­statt des er­krank­ten To­bi­as Mo­ret­ti als Salz­bur­ger ›Je­der­mann‹ ein.

Sas­kia Jung­nikl Jour­na­lis­tin und Au­to­rin

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