Schieds­klau­sel kei­ne Kos­ten­fra­ge

Um­fra­ge zeigt Un­ter­neh­mens­mo­ti­ve für Schieds­ver­fah­ren

Der Standard - - WIRTSCHAFT & RECHT - Eric Frey

Wi­en – Dass Schieds­klau­seln und -ver­fah­ren an Be­deu­tung für die Wirt­schaft zu­neh­men, ist be­kannt. Aber wie vie­le ös­ter­rei­chi­sche Un­ter­neh­men tat­säch­lich über sol­che Pri­vat­tri­bu­na­le ih­re Strei­tig­kei­ten bei­le­gen statt über or­dent­li­che Ge­rich­te, woll­ten die auf Schieds­recht spe­zia­li­sier­te Kanz­lei Kon­rad & Part­ner und die In­dus­tri­el­len­ver­ei­ni­gung er­fah­ren. Ei­ne Um­fra­ge der Do­nau-Uni Krems un­ter IV-Mit­glie­dern er­gab, dass 53 Pro­zent für in­ter­na­tio­na­le Streit­fäl­le Schieds­ge­rich­te be­vor­zu­gen, aber nur 13 Pro­zent für na­tio­na­le Fäl­le. Bei den Mo­ti­ven spie­len Kos­ten nur ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le: Nur 13 Pro­zent nann­ten dies als Grund. Auch bei der Aus­wahl des Schieds­or­tes sind die Kos­ten nur für ein Drit­tel der Be­frag­ten aus­schlag­ge­bend. Wich­ti­ger sind die Rechts­ord­nung des je­wei­li­gen Lan­des so­wie die „Be­nut­zer­freund­lich­keit“– et­wa die La­ge, Spra­che oder Kul­tur – ei­nes Stand­or­tes (sie­he Gra­fik).

Wie er­war­tet ent­schei­den sich die meis­ten Un­ter­neh­men für Schieds­klau­seln, weil sie Pro­zes­se vor na­tio­na­len Ge­rich­ten ver­mei­den wol­len. Be­vor sie aber ein Schieds­ge­richt an­ruft, sucht die Mehr­heit ei­ne Streit­bei­le­gung über Me­dia­ti­on, „Dis­pu­te Ad­ju­di­ca­ti­on Bo­ards“oder in­for­mel­le Ver­hand­lun­gen.

Com­mon-Law-Fall­stri­cke

Für An­walt Christian Kon­rad ist ein an­de­res Er­geb­nis der Um­fra­ge wich­ti­ger. Er warnt da­vor, dass Un­ter­neh­men durch Schieds­klau­seln mit dem Com­mon Law, dem an­glo­ame­ri­ka­ni­schen Recht, in Be­rüh­rung kom­men, oh­ne es zu wol­len. Da­zu ge­hört et­wa die Mög­lich­keit, sich mit Zeu­gen vor der Ein­ver­nah­me ab­zu­spre­chen. Das gilt in Kon­ti­nen­tal­eu­ro­pa meist als un­er­laub­te Zeu­gen­be­ein­flus­sung, ist im an­glo­ame­ri­ka­ni­schen Raum aber üb­lich.

Vor al­lem aber die Dis­co­ver­yVer­fah­ren im Com­mon Law, die zur Her­ga­be al­ler in­ter­nen Do­ku­men­ten zwin­gen, kön­nen für bö­se Über­ra­schun­gen sor­gen, sagt Kon­rad. Er ver­weist auf ein Er­geb­nis der Um­fra­ge, wo­nach ein Drit­tel der be­frag­ten Un­ter­neh­men schon ein­mal ge­zwun­gen wor­den ist, in Schieds­ver­fah­ren Be­weis­mit­tel ge­gen sei­nen Wil­len her­aus­zu­ge­ben. „Vie­le Un­ter­neh­men wis­sen nicht, wor­auf sie sich ein­las­sen, und ge­hen un­vor­be­rei­tet in ein Ver­fah­ren“, sagt er. Beim For­mu­lie­ren der Schieds­klau­sel lie­ßen sich die­se Fall­stri­cke ver­mei­den, da­für müs­se man mehr Be­wusst­sein schaf­fen, sagt Kon­rad.

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