Hef­ti­ge Kri­tik an Über­wa­chungs­pa­ket

Mehr als 1400 Bür­ger ha­ben bis­her ge­gen die mas­si­ve Aus­wei­tung der Über­wa­chungs­be­fug­nis­se von Er­mitt­lern pro­tes­tiert. Be­män­gelt wird et­wa, dass das Ge­setz mit „Nach­rich­ten“nicht nur Nach­rich­ten meint.

Der Standard - - CHRONIK - Fa­bi­an Schmid Mar­kus Sulz­ba­cher

Das so­ge­nann­te Si­cher­heits­pa­ket der Bun­des­re­gie­rung sorgt für hef­ti­ge Pro­tes­te. Laut An­ga­ben der Da­ten­schüt­zer von Epi­cen­ter Works (frü­her AK Vor­rat) ha­ben bin­nen we­ni­ger Ta­ge mehr als 1400 Per­so­nen ei­ne Stel­lung­nah­me zu den Ge­set­zes­ent­wür­fen ab­ge­ge­ben. Die Or­ga­ni­sa­ti­on hat auf über­wa­chungs­pa­ket.at ein For­mu­lar zur au­to­ma­ti­sier­ten Über­mitt­lung ei­ner Stel­lung­nah­me be­reit­ge­stellt, mehr als 250 Pro­tes­te sind be­reits auf der Par­la­ments­home­page er­schie­nen.

Kri­tik wird et­wa an den Be­fug­nis­sen des so­ge­nann­ten Bun­de­stro­ja­ners laut. Wie der STAN­DARD be­rich­te­te, wird in den Er­läu­te­run­gen des Ge­set­zes­tex­tes er­klärt, dass mit der Über­wa­chung von Nach­rich­ten nicht nur Nach­rich­ten im ei­gent­li­chen Sinn des Wor­tes ge­meint sind. Viel­mehr sei­en nicht nur Chats ei­ne „Nach­richt“, son­dern auch Be­stell­vor­gän­ge, Auf­ru­fe von Web­sei­ten oder Uploads in die Da­ten­cloud. „Klar­stel­lend ist aus­zu­füh­ren, dass Nach­rich­ten we­der ei­nen mensch­li­chen Denk­vor­gang vor­aus­set­zen noch durch ei­ne mensch­li­che Tä­tig­keit über­tra­gen wer­den müs­sen“, heißt es im Er­läu­te­rungs­text.

Netz­sper­ren

Mit Ver­wun­de­rung nah­men die Da­ten­schüt­zer wahr, dass auch Netz­sper­ren ge­gen Ur­he­ber­rechts­ver­let­zun­gen in das Si­cher­heits­pa­ket ge­schlüpft sind. Die­se fin­den sich in der ge­plan­ten Än­de­rung des Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­set­zes. Ein rich­ter­li­cher Be­schluss für die­se Netz­sper­ren ist laut Ge­setz nicht nö­tig. Epi­cen­ter Works spricht da­von, dass „un­ter dem Vor­wand ei­ner Si­cher­heits­ge­setz­ge­bung“ei­ne Re­ge­lung zu Netz­sper­ren in das Pa­ket „ge­schmug­gelt“wer­de.

Die ver­pflich­ten­de Re­gis­trie­rungs­pflicht für Han­dy-Wert­kar­ten stand seit Mo­na­ten auf dem Wunsch­zet­tel von In­nen­mi­nis­ter Wolf­gang So­bot­ka (ÖVP), da die­se „ins­be­son­de­re von Kri­mi­nel­len ver­wen­det wer­den“, wie er sag­te. Das En­de an­ony­mer SIM-Kar­ten soll ab Jah­res­be­ginn 2018 in Kraft tre­ten. Da­bei fällt auf, dass der Ge­set­zes­vor­schlag nicht vom zu­stän­di­gen ro­ten In­fra­struk­tur­mi­nis­te­ri­um stammt, son­dern vom In­nen­mi­nis­te­ri­um. In Ös­ter­reich sind der­zeit über 5,1 Mil­lio­nen Wert­kar­ten-SIMs im Um­lauf – Ten­denz stei­gend, da hei­mi­sche Mo­bil­funk­dis­kon­ter im­mer mehr Pre­paid-Kun­den ge­win­nen.

Da­von dürf­ten über 3,5 Mil­lio­nen nicht bei den An­bie­tern re­gis­triert wor­den sein, schätzt Micha­el Kram­mer, Chef des An­bie­ters Hot. Die­se Kun­den kön­nen ih­re SIM-Kar­ten wei­ter­hin an­onym ver­wen­den, da die ge­plan­te Re­gis­trie­rungs­pflicht nur für Neu­kun­den gilt.

Skep­sis bei SIM-Kar­ten

Kram­mer ist auch be­züg­lich der Sinn­haf­tig­keit ei­ner der­ar­ti­gen Re­ge­lung skep­tisch. So könn­ten SIM-Kar­ten et­wa wei­ter­ge­ge­ben oder mit ge­fälsch­ten Do­ku­men­ten er­wor­ben wer­den. Auch wür­de die Re­gis­trie­rungs­pflicht ei­nen enor­men Mehr­auf­wand für die Bran­che be­deu­ten. Ei­ne Stu­die der In­ter­es­sen­ver­tre­tung der Te­le­kom­in­dus­trie fand kei­ne Be­le­ge da­für, dass die Re­gis­trie­rung von SIM-Kar­ten zu ei­ner bes­se­ren Ver­bre­chens­auf­klä­rung führt oder ge­gen Ter­ro­ris­mus hilft.

Tsche­chi­en, Neu­see­land, Ka­na­da, Ru­mä­ni­en, Groß­bri­tan­ni­en und die EU-Kom­mis­si­on ha­ben die Maß­nah­men ana­ly­siert und sich auf­grund feh­len­der Be­le­ge schon ein­mal ge­gen ei­ne Re­gis­trie­rungs­pflicht ent­schie­den. Nach den Ter­ror­an­schlä­gen in Lon­don 2005 hat­te so­gar ei­ne ei­ge­ne Kom­mis­si­on von Si­cher­heits­be­hör­den die­se Maß­nah­me ge­prüft und man­gels zu er­war­ten­der Wirk­sam­keit letzt­end­lich von ei­ner Ein­füh­rung ab­ge­ra­ten.

Geht es nach den Plä­nen der Re­gie­rung, soll der Bun­de­stro­ja­ner bald durch Ös­ter­reich ga­lop­pie­ren. Hier rollt ein Tro­ja­ni­sches Pferd aus Com­pu­ter­tei­len durch Tel Aviv, um für ei­ne IT-Mes­se zu wer­ben.

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