Feil­schen um Blau­helm­trup­pe im Don­bass

Wla­di­mir Pu­tin macht punk­tu­el­le Zu­ge­ständ­nis­se zur Sta­tio­nie­rung von UN- Sol­da­ten

Der Standard - - INTERNATIONAL - An­dré Bal­lin aus Mos­kau

Der Ein­satz ei­nes UN-Blau­helm­kon­tin­gents im ukrai­ni­schen Don­bass-Ge­biet rückt nä­her. Seit Mo­na­ten for­dert Kiew die Ent­sen­dung ei­nes Kon­tin­gents in die Kri­sen­re­gi­on. Seit An­fang Sep­tem­ber wird solch ein Plan über­ra­schend auch von Mos­kau un­ter­stützt. Das ers­te Mal sprach Russ­lands Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin am Ran­de des Brics-Gip­fels im süd­chi­ne­si­schen Xia­men von der Mög­lich­keit ei­ner be­waff­ne­ten Blau­helm­trup­pe zur Un­ter­stüt­zung der OSZE-Be­ob­ach­ter.

Die von Russ­land in den UNSi­cher­heits­rat ein­ge­brach­te Initia­ti­ve un­ter­schei­det sich al­ler­dings im Kern von der ukrai­ni­schen Ver­si­on. Kiew will ein um­fas­sen­des Man­dat für die Schutz­trup­pe. Die UN-Sol­da­ten sol­len in der ge­sam­ten von den Se­pa­ra­tis­ten kon­trol­lier­ten Re­gi­on sta­tio­niert wer­den, sol­len die OSZE nicht nur bei der Über­prü­fung des Waf­fen­still­stands un­ter­stüt­zen, son­dern auch Po­li­zei­ge­walt be­kom­men. Dem­ent­spre­chend läuft die Initia­ti­ve auf ei­ne Ent­waff­nung der Re­bel­len und ei­ne Kon­trol­le der Gren­zen zu Russ­land hin­aus.

Der rus­si­sche Vor­schlag hin­ge­gen be­schränk­te sich ur­sprüng­lich nur auf den Schutz der OSZEBe­ob­ach­ter, die selbst un­be­waff­net sind. Da­bei soll­ten sich die Blau­hel­me al­lein auf die Kon­trol­le der Front­li­nie zwi­schen Se­pa­ra­tis­ten und ukrai­ni­schem Mi­li­tär fo­kus­sie­ren und kei­nes­wegs in an­de­ren Ge­bie­ten ein­ge­setzt wer- den. Be­gin­nen könn­ten die UNSol­da­ten erst nach Ab­zug der schwe­ren Waf­fen und mit Ein­rich­tung ei­nes sta­bi­len Waf­fen­still­stands. Ei­ne wei­te­re For­de­rung aus Mos­kau: Der Ein­satz kön­ne nur nach ei­ner Zu­stim­mung der Se­pa­ra­tis­ten­füh­rer in Do­nezk und Lu­hansk ge­trof­fen wer­den.

Kurs­kor­rek­tur im Te­le­fo­nat

Nun hat Pu­tin, der rus­si­schen Me­dien­be­rich­ten zu­fol­ge im No­vem­ber sei­ne er­neu­te Kan­di­da­tur für ei­ne Prä­si­dent­schaft be­kannt ge­ben wird, punk­tu­el­le Zu­ge­ständ­nis­se ge­macht: In ei­nem Te­le­fo­nat mit der deut­schen Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel räum­te er den Blau­hel­men mehr Be­we­gungs­frei­heit im Don­bass ein: „Der Schutz der OSZE-Be­ob­ach­ter durch UN-Ein­hei­ten kann nach dem Ab­zug der Kon­flikt­par­tei­en nicht nur ent­lang der Front­li­nie, son­dern auch an­der­orts ge­währt wer­den, wo die OSZE-Mis­si­on in Über­ein­stim­mung mit dem Mins­ker Ab­kom­men ih­re In­spek­ti­ons­rei­sen durch­führt“, heißt es zur Er­klä­rung auf der Web­site des Kremls.

Hard­li­ner in Mos­kau war­fen Pu­tin be­reits ein „Ein­kni­cken“vor dem Wes­ten vor, um Sank­ti­ons­er­leich­te­run­gen – wie vom deut­schen Au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el an­ge­deu­tet – zu er­hal­ten. Der eins­ti­ge Mi­li­zen­füh­rer Igor Gir­kin (St­rel­kow) höhn­te, sol­che In­spek­ti­ons­rei­sen könn­ten gar bis nach Russ­land füh­ren, „über­all ist man froh über die teu­ren west­li­chen Part­ner“.

Der kreml­na­he Ko­lum­nist Ge­worg Mir­sa­jan stell­te aber rasch klar, dass das ver­meint­li­che Ein­len­ken kei­ne fun­da­men­ta­le Po­si­ti­ons­auf­ga­be be­deu­tet. „Kein Punkt (des Mins­ker Ab­kom­mens, Anm.) er­laubt es der OSZE, mit­hil­fe der Frie­dens­trup­pen die Gren­zen der nicht an­er­kann­ten Re­pu­bli­ken zu kon­trol­lie­ren oder Po­li­zei­ge­walt aus­zu­üben“, be­ton­te er. Eben die­se Grenz­kon­trol­le ist für bei­de Sei­ten ent­schei­dend, kön­nen doch über die­se Li­nie dann nach wie vor un­ge­hin­dert Waf­fen und Kämp­fer aus Russ­land in den Don­bass ein­si­ckern.

Fo­to: AP / Ser­gei Bo­bylev

Wla­di­mir Pu­tin macht ein klei­nes Zu­ge­ständ­nis im Don­bass-Po­ker.

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