Die Angst vor der frem­den Spra­che neh­men

Die FH Vor­arl­berg will Fä­hig­kei­ten ver­mit­teln, sich er­folg­reich in mehr­spra­chi­gen Rea­li­tä­ten zu be­we­gen

Der Standard - - FORSCHUNG SPEZIAL -

Dorn­birn – Eng­lisch ist Wis­sen­schafts- und Ge­schäfts­spra­che, das „Ar­beits­pferd“im in­ter­na­tio­na­len Busi­ness. Sierk A. Horn, Öko­nom, Psy­cho­lo­ge und Ja­pa­no­lo­ge, macht sich Ge­dan­ken über Sprach- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit im in­ter­na­tio­na­len Kon­text. Nach Lehr­tä­tig­kei­ten an Uni­ver­si­tä­ten in Leeds und München ist er nun Ver­tie­fungs­ko­or­di­na­tor für den Mas­ter-Stu­di­en­gang „In­ter­na­tio­nal Ma­nage­ment and Le­a­dership“, der im Herbst an der Fach­hoch­schu­le Vor­arl­berg star­tet. Sein Ziel: den Stu­die­ren­den Fä­hig­kei­ten zu ver­mit­teln, sich er­folg­reich in mul­ti­lin­gua­len Rea­li­tä­ten zu be­we­gen.

Als Psy­cho­lo­ge weiß Horn, dass sich Men­schen am liebs­ten in der Spra­che un­ter­hal­ten, die sie am ef­fek­tivs­ten be­herr­schen – ih­rer Mut­ter­spra­che. Als Öko­nom sieht er aber die Not­wen­dig­keit der Sprach­kom­pe­tenz in Eng­lisch, der Ge­schäfts­spra­che schlecht­hin. Im­mer mehr Kon­zer­ne und Fir­men, auch im deutsch­spra­chi­gen Raum, füh­ren Eng­lisch als Fir­men­spra­che ein, sagt Horn. Oft oh­ne Fol­gen für die ein­zel­nen Mit­ar­bei­ter und Mit­ar­bei­te­rin­nen zu be­rück­sich­ti­gen.

Angst vor der frem­den Spra­che, aber auch Über­schät­zung der ei­ge­nen Sprach­fä­hig­keit kann in­di­vi­du­el­len und be­trieb­li­chen Er­folg be­ein­träch­ti­gen. Für vie­le – oft tech­nisch aus­ge­bil­de­te – Fach­kräf­te ist die Über­nah­me ei­ner Füh­rungs­funk­ti­on im Aus­land ein we­sent­li­cher Kar­rie­re­schritt: Sie sind dann so­wohl in be­trieb­li­cher Un­ter­neh­mens­füh­rung wie auch in ih­rer Sprach­kom­pe­tenz stark ge­for­dert. Die­se ist ent­schei­den­der Er­folgs­fak­tor und ge­hört zu den In­si­gni­en der Ex­per­ten­macht.

Horn zeigt in Stu­di­en auf, wel­che Aus­wir­kun­gen Er­war­tungs­hal­tun­gen an die ei­ge­ne Sprach­kom­pe­tenz ha­ben, wie sich An­nah­men und Kli­schees an­de­rer aus­wir­ken. Ei­ne sei­ner ak­tu­el­len Be­ob­ach­tun­gen: Star­ker Leis­tungs­druck und Angst vor dem Schei­tern in der Fremd­spra­che min­dern nicht nur die Sprach­fä­hig­keit, son­dern die in­tel­lek­tu­el­len Fä­hig­kei­ten ins­ge­samt.

Horn: „Ein Mensch, der sich nur mit sei­nen Schwä­chen und der even­tu­ell schlech­ten Au­ßen­wir­kung be­schäf­tigt, kann sich nicht mehr auf sei­ne we­sent­li­che Auf­ga­be kon­zen­trie­ren.“Bei­spiels­wei­se dar­auf, ei­ne ma­the­ma­ti­sche Fra­ge­stel­lung zu lö­sen, ei­ne tech- ni­sche In­no­va­ti­on zu er­klä­ren. Um die Angst vor der frem­den Spra­che zu neh­men oder auch ei­ne all­zu po­si­ti­ve Selbst­ein­schät­zung auf ein rea­lis­ti­sches Maß zu brin­gen, be­darf es ei­nes wert­schät­zend-kri­ti­schen Um­felds, sagt Horn. Nicht Druck und Per­fek­ti­ons­zwang, son­dern ei­ne Feed­back­kul­tur, in der man Feh­ler zu­lässt und Kri­tik aus­hält.

Sierk Horn, „aus­ge­bil­det in Deutsch­land, aber so­zia­li­siert im an­gel­säch­si­schen Wis­sen­schafts­be­trieb“, wünscht sich in der deut­schen Wis­sen­schafts­welt mehr eng­li­sches Den­ken: „Sim­ple in lan­gua­ge, not sim­ple in thought“, das Cre­do, kom­pli­zier­te Sach­ver­hal­te ein­fach dar­zu­stel­len. Die Ver­ant­wor­tung in der Kom­mu­ni­ka­ti­on sei ei­ne ganz an­de­re, er­klärt Horn: „Der Spre­cher ist da­für ver­ant­wort­lich, dass man ihn ver­steht.“Ganz an­ders die Kul­tur im deutsch­spra­chi­gen Raum: „Da gilt im­mer noch, dass man be­son­ders in­tel­li­gent wirkt, wenn man sich sehr kom­pli­ziert aus­drückt. Der Zu­hö­rer ist sel­ber schuld, wenn er nicht ver­steht.“

Für eng­li­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on, ob münd­lich oder schrift­lich, gel­te: „Das bes­te Eng­lisch ist das ein­fa­che Eng­lisch. Je ein­fa­cher wir uns aus­drü­cken, um­so ef­fek­ti­ver kom­mu­ni­zie­ren wir mit­ein­an­der.“(jub) pwww. fhv.at/stu­di­um/wirt­schaft/

Sierk A. Horn ist Psy­cho­lo­ge, Öko­nom und Ja­pa­no­lo­ge: Je ein­fa­cher man sich aus­drückt, des­to ef­fek­ti­ver ist es.

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