Er­neut Ruf nach Grup­pen­kla­gen

Neue Ak­ti­on we­gen Hol­land-Im­mo­bi­li­en-Fonds ge­star­tet

Der Standard - - WIRTSCHAFT -

Wi­en – Fäl­le wie Die­sel­ga­te zei­gen, wie schwer es in Ös­ter­reich ist, ein Mas­sen­ver­fah­ren durch­zu­füh­ren. Sitzt der Be­schul­dig­te – wie im Fall VW – nicht in Ös­ter­reich, kön­nen Ge­schä­dig­te ih­re An­sprü­che hier­zu­lan­de gar nicht gel­tend ma­chen. Je­der Ge­schä­dig­te muss der­zeit ei­ne Kla­ge in Deutsch­land ein­brin­gen. Ein Weg, den sich vie­le zu ge­hen nicht trau­en. Grund für die müh­sa­me Her­an­ge­hens­wei­se ist, dass es in Ös­ter­reich kei­ne Grup­pen­kla­ge gibt. Ein Um­stand, der Kon­su­men­ten­schüt­zern sau­er auf­stößt. Der Ver­ein für Kon­su­men­ten­in­for­ma­ti­on (VKI) und die Ar­bei­ter­kam­mer (AK) Wi­en ha­ben ih­re For­de­rung nach die­sem In­stru­ment da­her am Di­ens­tag wie­der­holt.

Denn die zu­letzt oft durch­ge­führ­te „Sam­mel­kla­ge ös­ter­rei­chi­scher Prä­gung“hat vie­le Nach­tei­le. So muss ein Sam­mel­klä­ger ge­fun­den wer­den, der ne­ben der Or­ga­ni­sa­ti­on auch das Pro­zess­kos­ten­ri­si­ko trägt. Zu­dem pro­fi­tie­ren nur je­ne, die sich an der Kla­ge be­tei­li­gen. Weil es oft lan­ge dau­ert, bis ein Ur­teil rechts­kräf­tig ist, ver­jäh­ren An­sprü­che auch.

Ei­ne Grup­pen­kla­ge wür­de laut AK und VKI Er­leich­te­rung brin­gen, weil die Ent­schei­dung über vie­le ge­bün­del­te Fäl­le dann nur durch ei­nen Rich­ter er­folgt. Man bräuch­te auch nur noch ei­nen Sach­ver­stän­di­gen. Da­mit wür­den die Ver­fah­rens­kos­ten ge­senkt, weil mit ei­nem Ur­teil Rechts­si- cher­heit er­langt wer­den kann. Auch der Ver­brau­cher­ge­richts­stand wür­de mit ei­ner Grup­pen­kla­ge nicht ver­lo­ren ge­hen. Ge­schä­dig­te VW-An­le­ger könn­ten das Un­ter­neh­men dann in Ös­ter­reich ver­kla­gen. Die Re­gie­rung hat sich dem The­ma Grup­pen­kla­ge schon mehr­mals an­ge­nom­men. Um­ge­setzt wur­de es bis­her nicht.

Sam­mel­ak­ti­on we­gen MPC

Un­ter­des­sen star­tet die Platt­form Co­bin Claims ei­ne On­li­ne­sam­mel­ak­ti­on we­gen Hol­land-Im­mo­bi­li­en-Fonds des deut­schen Emis­si­ons­hau­ses MPC. Mut­maß­lich ge­schä­dig­ten An­le­gern stellt Oli­ver Ja­indl, Ob­mann des nicht ge­winn­ori­en­tier­ten Ver­eins, ei­ne Rück­ab­wick­lung in Aus­sicht. An­spruch dar­auf lei­tet er dar­aus ab, dass ent­ge­gen dem Ka­pi­tal­markt­ge­setz An­le­ger nicht oder nicht aus­rei­chend über die sich aus dem In­vest­ment er­ge­ben­den Rech­te und Pflich­ten auf­ge­klärt wor­den sei­en. „Das hat die Durch­schlags­kraft ei­nes Zie­gels durch die Glas­schei­be“, sag­te Ja­indl am Di­ens­tag bei ei­nem Pres­se­ge­spräch.

An­ders stuft Chris­ti­an Kux, der sich vor Ort als An­walt von MPC be­zie­hungs­wei­se CPM, dem Ös­ter­reich-Ab­le­ger des Emis­si­ons­hau­ses, zu er­ken­nen gab, die La­ge ein: Sei­ner Rechts­an­sicht nach ist aus der Sum­me der MPC-Schrift­stü­cke sehr wohl ei­ne dem Ge­setz ent­spre­chen­de An­le­ger­infor­ma­ti­on er­folgt. (bpf, aha)

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