„An­ton Bruck­ner hat es def­tig ge­liebt“

Im Lin­zer Bruck­ner­haus ge­denkt man wie­der­um des gro­ßen Na­mens­pa­trons: Di­rek­tor Hans-Joa­chim Frey und Ge­schäfts­füh­rer Tho­mas Zieg­ler über ele­men­ta­re Kunst und Ver­wal­tungs­ef­fi­zi­enz.

Der Standard - - KULTUR - IN­TER­VIEW: Da­ni­el En­der

Stan­dard: Herr Frey, das heu­ri­ge Bruck­ner­fest, das sechs­te und letz­te un­ter Ih­rer Lei­tung, steht un­ter dem Mot­to „Bruck­ner ele­men­tar“. Was ist denn das Ele­men­ta­re, das Sie an Bruck­ner zum Vor­schein brin­gen möch­ten? Frey: Das Bruck­ner­fest gibt es seit 43 Jah­ren, und Bruck­ner ist der wich­tigs­te Kom­po­nist aus Ober­ös­ter­reich. Na­tür­lich muss man se­hen, wie man das The­ma im­mer wie­der neu auf­be­rei­tet. Zu­letzt hat­ten wir gro­ße Län­der­schwer­punk­te mit Russ­land, Chi­na und Süd­ko­rea. Für mich war es ganz wich­tig, zum Schluss zu­sam­men­zu­füh­ren, was Bruck­ner aus­macht, auch im Zu­sam­men­hang mit sei­nen Zeit­ge­nos­sen: wo er Gren­zen ge­sprengt hat, wo er Vor­bild war – als gro­ßer sym­pho­ni­scher Kom­po­nist, der die Mög­lich­kei­ten der Gat­tung aus­ge­lo­tet hat.

Stan­dard: Hat sich Ihr Bruck­nerBild im Lau­fe der Jah­re ge­än­dert? Frey: Ja, sehr. Ich se­he ihn heu­te als je­man­den an, der na­tür­lich die größ­ten Sym­pho­ni­en sei­ner Zeit ge­schrie­ben hat, der auf der an­de­ren Sei­te ein nicht so span­nen­des Ein­sied­ler­le­ben ge­führt hat. Viel­leicht hat­te er, psy­cho­lo­gisch be­trach­tet, erst da­durch das Be­dürf­nis, Gren­zen zu spren­gen. Ei­ne Art Kom­pen­sa­ti­on. An­de­rer­seits ha­ben die ka­tho­li­schen Mön­che im­mer schon ger­ne gut ge­ges­sen und gu­tes Bier ge­trun­ken ... (Tho­mas Zieg­ler be­tritt den Raum.) Zieg­ler: Sprichst du ge­ra­de von dir? Frey: (lacht) ... nein, von Bruck­ner: Er hat es def­tig ge­liebt und lieb­te auch def­ti­ge Mu­sik. Das macht ihn auch lie­bens­wert.

Stan­dard: Wie stel­len Sie sich der Her­aus­for­de­rung, ihn aus heu­ti­ger Per­spek­ti­ve zu be­trach­ten? Frey: Wir woll­ten in den letz­ten Jah­ren im­mer auch zei­gen, dass Bruck­ner ei­ne Per­son ist, die noch im­mer mo­dern ist. Des­we­gen ist er nicht nur durch ei­ne Ge­samt­auf­füh­rung sei­ner Sym­pho­ni­en durch Wa­le­ri Ger­gi­jew in­ner­halb von drei Jah­ren prä­sent, son­dern ha­ben wir auch zeit­ge­nös­si­sche Wer­ke im Pro­gramm, mit de­nen et­wa Franz Wel­ser-Möst an­reist.

Stan­dard: Herr Zieg­ler, die Li­va (Lin­zer Ver­an­stal­tungs­ge­sell­schaft) wur­de ge­ra­de neu auf­ge­stellt – in­wie­fern? Zieg­ler: Je­des Un­ter­neh­men muss sich wei­ter­ent­wi­ckeln. Die Li­va war als lan­ge Zeit ge­wach­se­nes Un­ter­neh­men wie ein gro­ßer Fracht­kahn und nicht mehr ganz so be­weg­lich. Wir ha­ben da­her ei­ne zen­tra­le Un­ter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on ge­bil­det. Frü­her ha­ben sich man­che Tech­ni­ker der ver­schie­de­nen Ein­rich­tun­gen in Linz nicht ein­mal ge­kannt, das ist jetzt an­ders. Da ist ei­ne wun­der­ba­re Sym­bio­se zwi­schen Li­va und De­sign Cen­ter ent­stan­den – auch im Rah­men der Klang­wol­ke. Stan­dard: Sy­ner­gi­en nut­zen und Ab­läu­fe be­schleu­ni­gen ist häu­fig ein Syn­onym für Ein­spa­run­gen. Zieg­ler: Bil­li­ger wer­den kön­nen wir nicht. Kul­tur ist welt­weit ein Pro­dukt, das von Zu­wen­dun­gen aus öf­fent­li­cher und pri­va­ter Hand lebt. Wir konn­ten die Aus­las­tung er­hö­hen und die Er­lö­se stei­gern. Den heu­ri­gen Wirt­schafts­plan wer­den wir si­cher er­rei­chen und viel­leicht so­gar über­tref­fen kön­nen.

Stan­dard: Sind sich wirt­schaft­li­che und künst­le­ri­sche Er­wä­gun­gen bei Ih­nen bei­den mit­un­ter in die Que­re ge­kom­men? Zieg­ler: Es ist na­tür­lich im­mer so, dass ein Kauf­mann und ein Künst­ler un­ter­schied­li­che Sicht­wei­sen ha­ben. Wir ha­ben nie ver­sucht, Pro­gram­me und Bud­gets nur zu ver­wal­ten, son­dern ha­ben haut­nah zu­sam­men­ge­ar­bei­tet. Frey: Ich muss be­to­nen, dass wir uns aus­ge­zeich­net zu­sam­men­ge­rauft ha­ben – es gibt ein so gu­tes Kli­ma zwi­schen kauf­män­ni­scher und künst­le­ri­scher Ge­schäfts­füh­rung wie noch nie. Wir pla­nen auch ganz be­wusst beim Bruck­ner­fest ei­ne Rei­he von Pro­gram­men, bei de­nen uns die künst­le­ri­sche In­no­va­ti­on wich­tig ist und wir gar nicht mit gro­ßen Ein­nah- men rech­nen. Und na­tür­lich pla­nen wir auch Kon­zer­te ein, die aus­ver­kauft sein wer­den. Ent­spre­chend kön­nen wir das Ri­si­ko sehr gut mi­ni­mie­ren.

HANS-JOA­CHIM FREY, ge­bo­ren 1965 in Nie­der­sach­sen, ist aus­ge­bil­de­ter Opern­sän­ge­run­dKul­tur­ma­na­ge­rund­warOpern­di­rek­tor in Dres­den und In­ten­dant in Bre­men. Seit 2013 ist er künst­le­ri­scher Di­rek­tor im Bruck­ner­haus Linz.

THO­MAS ZIEG­LER, ge­bo­ren 1965 in Linz, wur­de 2003 Ge­schäfts­füh­rer des Ver­an­stal­tungs­zen­trums und ist seit 2015 zu­dem kauf­män­ni­scher Vor­stands­di­rek­tor der Li­va.

Tho­mas Zieg­ler (li.) und Hans-Joa­chim Frey ha­ben sich zum Woh­le des Lin­zer Bruck­ner­hau­ses wie­der­holt zu­sam­men­ge­rauft. Das be­schert Kunst von Wa­le­ri Ger­gi­jew oder Franz Wel­ser-Möst.

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