Und kei­ner re­det übers Wet­ter

Der Kli­ma­wan­del, die größ­te glo­ba­le Ge­fahr, wird im Wahl­kampf zu­meist igno­riert

Der Standard - - KOMMENTAR - Eric Frey

Es sei „un­sen­si­bel“, über Kli­ma­wan­del zu spre­chen, wäh­rend der Hur­ri­kan Ir­ma noch über Flo­ri­da tobt, wies der Di­rek­tor der USUm­welt­be­hör­de EPA, Scott Pruitt, ein aus­ge­wie­se­ner Kli­maskep­ti­ker, al­le Kri­ti­ker zu­recht. Nun kann man vom Um­welt­be­auf­trag­ten ei­nes Prä­si­den­ten, der das Ge­re­de von Treib­haus­ga­sen und Er­der­wär­mung für Fa­ke-News hält, nichts an­de­res er­war­ten. Aber auch im ös­ter­rei­chi­schen Wahl­kampf ist es nur we­ni­gen ein An­lie­gen, die wohl größ­te Ge­fahr für un­se­re Zi­vi­li­sa­ti­on über­haupt an­zu­spre­chen.

In der Puls-4-De­bat­te mit Hein­zChris­ti­an Stra­che ver­such­te es die grü­ne Spit­zen­kan­di­da­tin Ulrike Lu­n­acek, in­dem sie Stra­che mit Do­nald Trump ver­glich. Zu Recht: Der FPÖ-Chef be­zwei­felt zwar nicht, dass es hei­ßer wird, be­haup­tet aber ent­ge­gen je­der wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis, dass dies von Son­nen­erup­tio­nen und an­de­ren na­tür­li­chen Phä­no­me­nen ver­ur­sacht wird. Und eben­so wie die meis­ten US-Re­pu­bli­ka­ner oder der ÖVPKan­di­dat Ru­dolf Ta­sch­ner sieht Stra­che hin­ter dem Kli­ma­wan­del ei­ne Ver­schwö­rung von Wis­sen­schaf­tern, die mit fal­schen Pro­gno­sen Ruhm und Geld D für sich er­wer­ben wol­len. ass sol­che Mei­nun­gen exis­tie­ren, er­staunt nicht. Dass sie in der Mit­te der Ge­sell­schaft an­ge­kom­men sind, wäh­rend die Fol­gen der Er­der­wär­mung – Hit­ze­wel­len, Schnee­man­gel in den Ber­gen, Dür­re im Flach­land, hef­ti­ge­re Un­wet­ter – auch in un­se­ren pri­vi­le­gier­ten Brei­ten­gra­den im­mer stär­ker zu spü­ren sind, aber schon. Ei­ne Par­tei, die Wis­sen­schaft per se in Zwei­fel zieht, könn­te bald in der Bun­des­re­gie­rung sit­zen, und kaum je­mand regt sich über die­sen Obsku­ran­tis­mus auf.

Bis auf die Grü­nen fo­kus­siert kei­ne Par­tei den Kli­ma­schutz. Und dass die Um­welt­par­tei dies­mal Angst ha­ben muss, aus dem Na­tio­nal­rat zu flie­gen, hängt nicht nur mit der Par­tei­spal­tung durch Pe­ter Pilz und ih­rer nicht im­mer tritt­si­che­ren Dop­pel­füh­rung zu­sam­men, son­dern auch da­mit, dass ihr Leibthe­ma bei den Wäh­lern so we­nig Wi­der­hall fin­det. Selbst die Grü­nen re­den da­her lie­ber über Miet­haie, Frau­en­rech­te, Um­ver­tei­lung und das Schick­sal von Flücht­lin­gen.

Als po­li­ti­sches The­ma taugt Kli­ma­schutz aus meh­re­ren Grün­den nicht: Der An­stieg von CO2 in der At­mo­sphä­re wird glo­bal ver­ur­sacht und kann we­der vom ein­zel­nen Bür­ger noch von klei­nen Län­dern ge­stoppt wer­den. Ob Ös­ter­reich sei­ne Kli­ma­zie­le er­reicht oder – wie bis­her – ver­fehlt, än­dert nichts an den Erd­tem­pe­ra­tu­ren. Und die schlimms­ten Fol­gen des Kli­ma­wan­dels lie­gen in der Zu­kunft und tref­fen vor al­lem die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on. Der Preis des ef­fek­ti­ven Han­delns wä­re hin­ge­gen gleich zu be­zah­len.

Aber selbst dort, wo ei­ne Vo­gelS­trauß-Hal­tung den ei­ge­nen Wohl­stand be­droht, wird die Rea­li­tät ver­drängt. Das En­de des kli­ma­schäd­li­chen Ver­bren­nungs­mo­tors ist nur ei­ne Fra­ge der Zeit. Für die deut­sche Au­to- mo­bil­in­dus­trie, die statt auf E-Mo­bi­li­tät auf Die­sel ge­setzt hat, ist das ei­ne exis­ten­zi­el­le Ge­fahr – und da­mit auch für Ös­ter­reichs Wirt­schaft, die so eng mit ihr ver­floch­ten ist. Aber die Po­li­tik in bei­den Län­dern tut so, als ob ein paar Um­welt­prä­mi­en und Soft­ware­Up­dates die Pro­ble­me lö­sen könn­ten.

Wenn dann ei­nes Ta­ges nur noch in Asi­en pro­du­zier­te Elek­tro­fahr­zeu­ge mit US-ame­ri­ka­ni­scher Soft­ware auf den Stra­ßen fah­ren, wird man auch bei uns auf die spä­ten 2010er-Jah­re zu­rück­schau­en und fra­gen, war­um in ei­nem Wahl­kampf da­mals kaum über den Kli­ma­wan­del ge­spro­chen wur­de.

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