Sieg mit Schat­ten­sei­ten

Der Standard - - KOMMENTAR - Gi­an­lu­ca Wal­lisch

Er­na Sol­berg kann auf­at­men: Ihr Bünd­nis be­kam bei der Par­la­ments­wahl in Nor­we­gen die re­la­ti­ve Mehr­heit, und die kon­ser­va­ti­ve Mi­nis­ter­prä­si­den­tin wird wohl noch ei­ne zwei­te Amts­zeit an­hän­gen kön­nen. Doch aus­ge­las­se­ner Ju­bel ist nicht an­ge­bracht – schließ­lich muss Sol­bergs Par­tei im Stor­ting, dem nor­we­gi­schen Par­la­ment, leich­te Man­dats­ver­lus­te hin­neh­men.

Sol­bergs Er­folg ist viel­mehr mit dem kla­ren Mi­nus bei den So­zi­al­de­mo­kra­ten zu er­klä­ren, auch wenn die­se knapp stim­men­stärks­te Par­tei blei­ben. Die Trup­pe von Jo­nas Gahr Stø­re galt noch vor ei­nem Jahr als kla­rer Fa­vo­rit, ver­mas­sel­te dann aber ih­re Stra­te­gie – und zwar gründ­lich –, in­dem sie sich fast aus­schließ­lich auf die schwä­cheln­de Wirt­schaft Nor­we­gens kon­zen­trier­te. An­fangs ein gu­ter Schach­zug, im End­ef­fekt al­ler­dings ein fa­ta­ler. Denn die Sol­ber­gRe­gie­rung be­kam die Fol­gen des Preis­ver­falls in dem für Nor­we­gen so exis­ten­zi­ell wich­ti­gen Erd­öl­sek­tor gut in den Griff. Das, und die fort­an po­si­ti­ve Ent­wick­lung, über­zeug­te dann am Mon­tag auch die Wäh­ler an den Ur­nen.

Dass Sol­berg ih­ren Sieg nicht aus­kos­ten kann, liegt auch dar­an, dass sie nun vor be­son­ders schwie­ri­gen Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen steht. So wol­len die Christ­de­mo­kra­ten nicht mehr ei­ne Min­der­heits­re­gie­rung dul­den, in der die rechts­po­pu­lis­ti­sche Fort­schritts­par­tei sitzt. Die­se war al­ler­dings bis­her Sol­bergs ver­läss­li­cher Mehr­heits­be­schaf­fer im Par­la­ment. Gro­ße Wahl­sie­ge se­hen an­ders aus.

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