Flug ge­stri­chen – was jetzt?

Mit­te Au­gust be­an­trag­te Air Ber­lin In­sol­venz. Ein Kre­dit der deut­schen Re­gie­rung soll­te den Flug­be­trieb für et­wa drei Mo­na­te si­cher­stel­len. Das funk­tio­niert aber nicht.

Der Standard - - WIRTSCHAFT - Fe­lix Die­wald

FRA­GE & ANT­WORT: Fra­ge: Wie­so kommt es der­zeit bei Air Ber­lin zu so vie­len ge­stri­che­nen Flü­gen? Ant­wort: Die Air­line muss spa­ren, bis ein Käu­fer ge­fun­den wird. Sie kün­dig­te da­her an, Langstre­cken­ver­bin­dun­gen zu strei­chen. Hin­zu kom­men vie­le Flü­ge, die kurz­fris­tig aus­fal­len. Der Grund: ungewöhnlich vie­le Krank­mel­dun­gen. Am Di­ens­tag wa­ren es 200 Pi­lo­ten, die ih­ren Di­enst aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den nicht an­tra­ten. Über 100 Flü­ge fie­len aus. Auch am Mitt­woch muss­ten rund 70 Flü­ge ge­stri­chen wer­den. Of­fi­zi­ell ist das kein Streik, in der Bran­che nennt man es „Sick-out“.

Fra­ge: Was sol­len Pas­sa­gie­re ma­chen, die am Flug­ha­fen ge­stran­det sind, weil ihr Rück­flug an­nul­liert wur­de? Ant­wort: Wich­tigs­te Ver­hal­tens­re­gel ist für Bar­ba­ra Fors­ter vom eu­ro­päi­schen Ver­brau­cher­zen­trum, sich auf die Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung der EU zu be­ru­fen. Dem­nach hat man An­spruch auf al­ter­na­ti­ve Be­för­de­rung. Das be­deu­tet, Air Ber­lin muss den Kun­den kos­ten­los auf ei­nen Er­satz­flug ei­ner be­lie­bi­gen Air­line um­bu- chen. Auf die­sem An­spruch sol­le man be­har­ren, be­tont Fors­ter.

Fra­ge: Sol­len sich Be­trof­fe­ne die Heim­rei­se selbst or­ga­ni­sie­ren und dann die Rück­er­stat­tung des Ti­cket­prei­ses von Air Ber­lin for­dern? Ant­wort: Da­von rät Fors­ter grund­sätz­lich ab. Zwar be­haup­tet Air Ber­lin, dass al­le Ti­ckets, die nach dem In­sol­venz­an­trag am 15. Au­gust ge­kauft wur­den, kos­ten­frei rück­erstat­tet wer­den. Al­ler­dings be­steht bei ei­ner In­sol­venz laut Ver­brau­cher­zen­trum die Ge­fahr, als ein­zel­ner Pas­sa­gier „sehr, sehr we­nig bis gar nichts“rück­erstat­tet zu be­kom­men. Fra­ge: Kom­men Rei­se­ver­si­che­run­gen für sol­che Fäl­le auf? Ant­wort: Die In­sol­venz ei­ner Flug­li­nie ist in der Re­gel nicht von ei­ner Rei­se­ver­si­che­rung er­fasst. Hier soll­te man sich die Ver­si­che­rungs­be­stim­mun­gen im Ver­trag ge­nau an­se­hen – die­se un­ter­schei­den sich stark un­ter­ein­an­der.

Fra­ge: Wie sieht es bei Pau­schal­rei­sen mit Flug und Auf­ent­halt aus? Ant­wort: Als Kun­de hat man im Fall ei­nes ge­stri­che­nen Flugs ge­gen­über dem Ver­an­stal­ter An­sprü­che. Rei­se­ver­an­stal­ter ver­fü­gen zu­dem in der Re­gel über ei­ne In­sol­venz­ver­si­che­rung, er­läu­tert An­ja May­er von der Ar­bei­ter­kam­mer.

Fra­ge: Was pas­siert, wenn ein Ar­beit­neh­mer auf­grund ei­nes Flug­aus­falls nicht zeit­ge­recht zum Di­enst er­schei­nen kann? Ant­wort: Die­ser Fall ist laut Ju­ris­ten noch nicht ein­deu­tig aus­ju­di­ziert. Sie ge­hen al­ler­dings da­von aus, dass – ähn­lich wie bei ei­ner be­hörd­lich ver­häng­ten Luf­t­raum­sper­re – der Ar­beit­neh­mer für ei­ne ver­hält­nis­mä­ßig kur­ze Zeit An­spruch auf ei­ne Ent­gelt­fort­zah­lung hat, so­fern kei­ne an­de­re zu­mut­ba­re Rück­rei­se­al­ter­na­ti­ve be­steht.

Der­zeit fal­len bei Air Ber­lin vie­le Flü­ge kurz­fris­tig aus. Ein Grund: ungewöhnlich vie­le Krank­mel­dun­gen der Pi­lo­ten. In der Bran­che nennt man die­se wil­de Form des Streiks „Sick-out“.

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