My­thos statt Ka­ta­lo­gi­sie­rung: An­ja Ro­nach­er

Der Standard - - SPEZIAL -

Wi­en – Wie aus ozea­ni­schen Un­tie­fen tau­chen die Ob­jek­te aus dem schwar­zen Bild­grund em­por. An­ja Ro­nach­er (geb. 1979 in Ab­ten­au) fo­to­gra­fiert aus ar­chäo­lo­gi­schen Samm­lun­gen stam­men­de Ge­gen­stän­de ana­log, das um­hül­len­de Schwarz ent­steht da­bei durch die Tech­nik des Mas­kie­rens, die auch Sur­rea­lis­ten wie Man Ray nutz­ten. Nur die Titel ver­ra­ten Spe­zi­fi­ka der Ob­jek­te und ver­wei­sen auf die Kon­ven­tio­nen mu­sea­ler Pra­xis. Die Fo­to­gra­fi­en selbst ent­frem­den die Ar­te­fak­te ih­rem Kon­text und wol­len de­ren Ur­sprün­ge im Ri­tu­al und im Nicht­wis­sen vor dem Zeit­al­ter des mo­der­nen Mu­se­ums her­vor­he­ben.

Im 21er Haus zeigt Ro­nach­er die Se­rie Die Na­men­lo­sen, in der sie den Ob­jek­ten nä­her auf den Leib rückt und auch den Bild­aus­schnitt ver­klei­nert. Die Hoch­glan­z­op­tik frü­he­rer Ar­bei­ten ist ei­ner brü­chi­gen, eher hap­ti­schen Ma­te­ria­li­tät ge­wi­chen. Spu­ren des ana­lo­gen Me­di­ums, klei­ne Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten, ver­knüp­fen die „Hand­ge­macht­heit“der Fo­to­gra­fi­en mit je­ner der Ob­jek­te.

Ein aus Ma­li stam­men­des Schutz­hemd bei­spiels­wei­se wird auf die­se Wei­se „ver­rät­selt“, um die küh­le, ka­ta­lo­gi­sie­ren­de Wis­sen­schaft ge­gen ei­nen au­ra­tisch auf­ge­la­de­nen, vor­wis­sen­schaft­li­chen My­thos aus­zu­tau­schen. (he­ka)

An­ja Ro­nach­er (geb. 1979) ar­bei­tet mit ana­lo­gen Fo­tos.

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