Atom­de­al mit Ha­ken

Der US-Prä­si­dent stell­te noch vor sei­ner Re­de klar, das Atom­ab­kom­men mit dem Iran nicht auf­kün­di­gen, aber auch nicht be­stä­ti­gen zu wol­len. Da­mit er­mög­licht er ei­ne Wie­der­ein­füh­rung von Sank­tio­nen durch den Kon­gress.

Der Standard - - FORSIDE - Frank Herr­mann aus Wa­shing­ton

US-Prä­si­dent Do­nald Trump will das Iran-Ab­kom­men zwar nicht auf­kün­di­gen, aber auch nicht be­stä­ti­gen.

Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten wer­den das Atom­ab­kom­men mit dem Iran nach den Wor­ten ih­res Au­ßen­mi­nis­ters Rex Til­ler­son zwar nicht auf­kün­di­gen, wohl aber auf här­te­re Be­din­gun­gen für Te­he­ran drän­gen. „Wir den­ken, die Ver­ein­ba­rung ist schwach, und wir wür­den das gern än­dern. Wir wür­den sie gern mit schär­fe­ren Zäh­nen ver­se­hen“, sag­te Til­ler­son vor Me­di­en­ver­tre­tern, ehe Do­nald Trump am Frei­tag­mit­tag (Orts­zeit) ei­ne Re­de zu dem The­ma hal­ten woll­te.

Der Prä­si­dent, stell­te des­sen Chef­di­plo­mat klar, lehnt es zum ers­ten Mal ab, dem Iran die Ein­hal­tung des 2015 ge­schlos­se­nen Ver­trags zu be­stä­ti­gen, wie es der USKon­gress al­le 90 Ta­ge von ihm ver­langt. Zwar be­strei­te man nicht, dass das Land rein tech­nisch die Auf­la­gen er­fül­le, räum­te Til­ler­son ein. Gleich­wohl müss­ten auch an­de­re Kon­flikt­punk­te ge­re­gelt wer­den, ira­ni­sche Ra­ke­ten­tests eben­so wie die Un­ter­stüt­zung der li­ba­ne­si­schen His­bol­lah oder schii­ti­scher Re­bel­len im Je­men. Die Schwä­chen des De­als müss­ten aus­ge­bü­gelt wer­den, fass­te es Til­ler­son zu­sam­men. Dies kön­ne ent­we­der durch ei­ne Neu­ver­hand­lung sei­ner Be­stim­mun­gen oder durch ei­ne zu­sätz­li­che Über­ein­kunft ge­sche­hen. Sank­tio­nen ge­gen den Iran emp­feh­le die Re­gie­rung al­ler­dings nicht.

Ver­ba­ler Spa­gat

Es ist ein ver­ba­ler Spa­gat, und im Kern be­deu­tet er, dass Trump den Ball in die Spiel­hälf­te des Par­la­ments spielt. In­dem er sich wei­gert, die Ein­hal­tung des „Jo­int Com­pre­hen­si­ve Plan of Ac­tion“zu zer­ti­fi­zie­ren, wie es bü­ro­kra­tisch sper­rig heißt, lässt er der Le­gis­la­ti­ve gro­ßen Spiel­raum. Der Kon­gress soll nun ent­schei­den, ob er zu­rück­kehrt zu Wirt­schafts­sank­tio­nen, dies­mal wohl in ei­nem Al­lein­gang, oh­ne dass die eu­ro­päi­schen Ver­bün­de­ten mit­zie­hen.

Da­für hat er nach jet­zi­gem Stand zwei Mo­na­te Zeit. Wie es aus­ge­he, ora­kelt Til­ler­son, sei völ­lig of­fen. „Denk­bar ist, dass der Kon­gress gar nichts tut. Denk­bar ist, dass er Sank­tio­nen be­schließt, wir wer­den se­hen.“Schließ­lich kön­ne man sich vor­stel­len, den Kurs ge­gen­über den Ira­nern mit­hil­fe zu­sätz­li­cher Ge­set­ze zu ver­schär­fen, ei­ne Va­ri­an­te, die das Oval Of­fice be­vor­zu­ge.

In dem Fall wür­den so­ge­nann­te Trig­ger­punk­te au­to­ma­tisch Straf­maß­nah­men aus­lö­sen. Falls Te­he­ran et­wa er­neut ei­ne bal­lis­ti­sche Ra­ke­te tes­te, wür­de dies un­wei­ger­lich ge­ahn­det, be­schreibt Til­ler­son das Wunschsze­na­rio des Wei­ßen Hau­ses.

Der Ball in der Spiel­hälf­te des Kon­gres­ses: Es hat zur Fol­ge, dass sich Fal­ken und Tau­ben min­des­tens für den Rest des Jah­res er­bit­ter­te Re­de­du­el­le lie­fern wer­den. Grob skiz­ziert, sind die Re­pu­bli­ka­ner für Nach­bes­se­run­gen, wäh­rend die De­mo­kra­ten das Pa­ket nicht noch ein­mal auf­schnü­ren wol­len. An­ge­führt von Tom Cot­ton, ei­nem erz­kon­ser­va­ti­ven Se­na­tor aus Ar­k­an­sas, sieht die Frak­ti­on der Hard­li­ner ei­nen Iran, den der Atom­de­al nur er­mun­tert, im Na­hen Os­ten noch ag­gres­si­ver auf­zu­tre­ten als zu­vor. Der Op­po­si­ti­on wie­der­um geht es nicht zu­letzt dar­um, ein Mo­dell für Kon­flikt­ver­mei­dung zu ret­ten, das aus­zu­han­deln nach ih­rem Ver­ständ­nis zu den her­aus­ra­gen­den Leis­tun­gen Ba­rack Oba­mas ge­hört, des Alt­prä­si­den­ten, an dem Trump im Wahl­kampf kein gu­tes Haar ließ. De­mo­kra­ten wie Chuck Schu­mer und Ben Car­din, ei­ner der pro­fi­lier­tes­ten Au­ßen­po­li­ti­ker des Se­nats, hat­ten einst ge­gen die Ab­ma­chung ge­stimmt.

In­zwi­schen warnt Car­din vor dem Gang in die Iso­la­ti­on. Die USA dürf­ten nicht das Land sein, das sich von ei­nem Ab­kom­men ver­ab­schie­de, das die nu­klea­re Be­waff­nung des Irans ver­hin­de­re: „Wir stün­den al­lein da, wir wür­den nur Russ­land und Chi­na stär­ken, es macht kei­ner­lei Sinn.“Und im re­pu­bli­ka­ni­schen La­ger ver­lau­fen die Front­li­ni­en nicht so ein­deu­tig, wie es auf den ers­ten Blick schei­nen mag. Con­do­leez­za Rice, die Au­ßen­mi­nis­te­rin Ge­or­ge W. Bushs, stellt sich ge­gen ein Sze­na­rio, bei dem das Pa­pier nach und nach zer­schred­dert wür­de.

Neue Büch­se der Pan­do­ra

In Trumps Ka­bi­nett wie­der­um – das dürf­te den rhe­to­ri­schen Sla­lom­lauf Til­ler­sons er­klä­ren– fehlt es nicht an Stim­men, die da­zu ra­ten, fest­zu­hal­ten an der Iran-For­mel, auf die man sich mit den Part­nern in Mos­kau und Pe­king, Berlin, London, Pa­ris und Brüs­sel in zwölf­jäh­ri­gen Ge­sprä­chen ver­stän­digt hat. Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ja­mes Mat­tis ge­hört of­fen­bar zu je­nen, die Trump ins Ge­wis­sen ge­re­det ha­ben, ei­nem Pol­te­rer, der noch vor kur­zem vor der Uno von ei­nem der schlech­tes­ten und ein­sei­tigs­ten Ge­schäf­te sprach, die Ame­ri­ka je ab­ge­schlos­sen ha­be.

Mat­tis, er­zäh­len In­si­der, ha­be das Wei­ße Haus da­vor ge­warnt, ne­ben der Kon­tro­ver­se mit Nord­ko­rea auch noch ei­ne nah­öst­li­che Büch­se der Pan­do­ra zu öff­nen. Er wol­le sich, par­al­lel zum Po­ker mit Pjöng­jang, nicht auch noch über ei­nen nu­kle­ar be­waff­ne­ten Iran den Kopf zer­bre­chen müs­sen.

Be­reits am Don­ners­tag­abend hat US-Au­ßen­mi­nis­ter Rex Til­ler­son die Pres­se per Kon­fe­renz­schal­tung über das We­sent­li­che in­for­miert.

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