Bu­wog-Pro­zess rückt nä­her

Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof hat den An­trag ei­nes Bu­wog-An­ge­klag­ten zu­rück­ge­wie­sen, mit dem die Zu­stän­dig­keit der Straf­rich­te­rin ge­kippt wer­den soll­te. Nun steht dem Pro­zess­be­ginn (fast) nichts mehr im Weg.

Der Standard - - FORSIDE - Re­na­te Gra­ber

Nach acht Jah­ren Er­mitt­lun­gen steht ei­nem Pro­zess in der Bu­wo­gCau­sa um Ex­mi­nis­ter Grasser (fast) nichts mehr im Weg.

Wi­en – So, wie es der­zeit aus­sieht, kann das Bu­wog-Ver­fah­ren ge­gen den frü­he­ren Fi­nanz­mi­nis­ter Karl-Heinz Grasser und 15 wei­te­re An­ge­klag­te noch im De­zem­ber be­gin­nen. Am Frei­tag wur­de be­kannt, dass der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof (VfGH) in­di­rekt grü­nes Licht für den Start des Pro­zes­ses ge­ge­ben hat. Die Ver­fas­sungs­rich­ter ha­ben am 10. Ok­to­ber ei­nen An­trag des Bu­wog-An­ge­klag­ten Ernst Karl Plech zu­rück­ge­wie­sen, mit dem die Zu­stän­dig­keit von Bu­wog-Straf­rich­te­rin Ma­ri­on Ho­hen­ecker ge­kippt wer­den soll­te. So­mit wird sie den Pro­zess füh­ren und als nächs­tes ein­mal den Ter­min­plan fi­xie­ren.

Plechs An­walt, Micha­el Roh­reg­ger, hat­te im Par­tei­an­trag an den VfGH ar­gu­men­tiert, be­stimm­te Pas­sa­gen der Straf­pro­zess­ord­nung zur Richt­er­zu­stän­dig­keit sei­en ver­fas­sungs­wid­rig. Der VfGH hat über die­se Fra­ge aber gar nicht ent­schie­den. Er blieb auf der For­m­al­ebe­ne, weil er der An­sicht ist, dass die An­ge­klag­ten im der­zei­ti­gen Sta­di­um des Ver­fah­rens gar kein Recht auf Ge­set­zes­prü­fung beim VfGH ha­ben, da noch kei­ne Ent­schei­dung der ers­ten In­stanz vor­liegt. Die Mit­wir­kung ei­nes be­haup­te­ter­ma­ßen be­fan­ge- nen oder aus­ge­schlos­se­nen Rich­ters an ei­nem Pro­zess kön­ne per Nich­tig­keits­be­schwer­de (an den Obers­ten Ge­richts­hof, Anm.) gel­tend ge­macht wer­den.

Zu­stän­dig­keits­fra­ge bleibt

Da­mit hängt in den Au­gen in­vol­vier­ter Ju­ris­ten aber ein „Da­mokles­schwert“über dem Bu­wo­gPro­zess, der im Gro­ßen Schwur­ge­richts­saal am Straf­lan­des­ge­richt Wi­en über die Büh­ne ge­hen wird. Je­der An­walt wer­de zu Pro­zess­be­ginn ei­nen Ab­leh­nungs­an­trag ge­gen die Zu­sam­men­set­zung des Rich­ter­se­nats stel­len (Un­zu­stän­dig­keit ist ein Nich­tig­keits­grund), um dann Nich­tig­keits­be­schwer­de beim OGH ein­zu­le­gen. Soll­te er das Ur­teil kip­pen, müss­te das Ver­fah­ren – nach Jah­ren – wie­der­holt wer­den. Un­si­cher­hei­ten, die man auch im Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um kri­tisch sieht.

Er­mit­telt hat die Wirt­schafts­und Kor­rup­ti­ons­staats­an­walt­schaft in den Cau­sen Bu­wog und Lin­zer Ter­mi­nal acht Jah­re lang. Bei der Bu­wog geht es um die Pri­va­ti­sie­rung der staat­li­chen Bun­des­woh­nungs­ge­nos­sen­schaf­ten in der Ära Grasser, da­bei flos­sen laut An­kla­ge 9,8 Mil­lio­nen Eu­ro Pro­vi­si­on. Für die Ein­mie­tung der Fi­nanz im Lin­zer Bahn­hof­sturm sol­len 200.000 Eu­ro ge­flos­sen sein. Grasser und die an­de­ren Be­schul­dig­ten be­strei­ten das, es gilt die Un­schulds­ver­mu­tung. Den An­kla­ge­vor­wurf, Grasser ha­be bei der Pri­va­ti­sie­rung das In­vest­ment­haus Leh­man be­vor­zugt und der Er­lös wä­re bei ei­nem Ein­zel­ver­kauf der Ge­nos­sen­schaf­ten hö­her aus­ge­fal­len, ist der Ex-Mi­nis­ter los. Ers­te­ren An­kla­ge­punkt hat das Ober­lan­des­ge­richt Wi­en ge­gen Grasser und zwei Mit­an­ge­klag­te ein­ge­stellt, in der zwei­ten Sa­che wird er­neut er­mit­telt.

Hun­dert­pro­zen­tig ge­ges­sen ist die Sa­che üb­ri­gens noch nicht. In zwei an­de­ren Pro­zes­sen ge­gen den Bu­wog-An­ge­klag­ten Karl Pe­tri­ko­vics (Rich­te­rin: Ho­hen­ecker) und den Ten­nis­ma­na­ger Ro­nald Leit­geb ist noch ein An­trag des Staats­an­walts of­fen, der die Ver­fah­ren bei Leit­gebs Rich­te­rin bün­deln will. Soll­te das ge­neh­migt wer­den, wür­de auch die Cau­sa Bu­wog zu ihr mit­über­sie­deln. Die Ent­schei­dung dar­über steht noch aus.

Nach acht Jah­ren der Er­mitt­lun­gen und ei­ner An­kla­ge könn­te die Cau­sa Bu­wog rund um Ex-Mi­nis­ter Karl-Heinz Grasser nun im Gerichtssaal lan­den.

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