Ei­ne Exil­re­gie­rung oh­ne An­hän­ger­schaft in Ka­tar

Die Bil­dung ei­ner Exil­re­gie­rung wird im Emi­rat die So­li­da­ri­sie­rung mit dem Herr­scher höchs­tens ver­stär­ken, sagt Ka­tar-Ex­per­te Da­vid B. Ro­berts.

Der Standard - - INTERNATIONAL - Gu­drun Har­rer

IN­TER­VIEW:

STAN­DARD: Ka­tar steht nun seit mehr als vier Mo­na­ten un­ter dem wirt­schaft­li­chen und di­plo­ma­ti­schen Boy­kott Sau­di-Ara­bi­ens, der Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te, Bah­rains und Ägyp­tens. Wie schla­gen sich die Ka­ta­rer? Ro­berts: Nach dem an­fäng­li­chen Schock ganz gut. Der Staat hat schnell re­agiert. Man­che sa­gen ja, dass Ka­tar wuss­te, dass et­was im Busch war, und ei­ni­ge Vor­be­rei­tun­gen ge­trof­fen hat. Das kann ich nicht be­stä­ti­gen. Aber die Ver­sor­gung funk­tio­niert – aus dem Iran und aus der Tür­kei. Das Pro­blem sind die Kos­ten, vor al­lem weil für Ka­tar der güns­ti­ge Ha­fen in Du­bai weg­fällt. Wo­bei die ein­zel­nen Ka­ta­rer, die Be­völ­ke­rung, die­se Kos­ten aber nicht spü­ren, die über­nimmt der Staat.

STAN­DARD: Was tut sich an der po­li­ti­schen Front? Ro­berts: Die letz­te Nach­richt ist, dass op­po­si­tio­nel­le Ka­ta­rer ei­ne Exil­re­gie­rung bil­den wer­den. Das klingt sehr groß­ar­tig – aber es gibt kei­nen Grund an­zu­neh­men, dass sie ei­ne wirk­li­che An­hän­ger­schaft hat. Im Ge­gen­teil: Die­se Ak­tio­nen ha­ben wohl eher den Ef­fekt, in Ka­tar ei­nen na­tio­na­len Schul­ter­schluss her­vor­zu­brin­gen. Der ka­ta­ri­sche Na­tio­na­lis­mus ist im Auf­wind – und die­ses Ge­fühl scheint wirk­lich echt und auch weit­ver­brei­tet zu sein.

STAN­DARD:

Wie „echt“sind die­se Op­po­si­ti­ons­fi­gu­ren? Ist das ei­ne der gi­gan­ti­schen PR-Ope­ra­tio­nen, mit de­nen in der Ka­tar-Kri­se von al­len Sei­ten ope­riert wird? Ro­berts: Na­tür­lich sind es wirk­li­che Per­so­nen aus Ka­tar, aber sie ar­bei­ten mit PR-Fir­men zu­sam­men, viel­leicht – aber das wis­sen wir na­tür­lich nicht – ist auch Geld im Spiel. Aber es sind nicht vie­le, und, wie ge­sagt, sie se­hen bis­her ziem­lich er­folg­los aus, was ih­re Wir­kung in Ka­tar an­be­langt.

STAN­DARD: Ka­tar be­müht sich, die­sen ne­ga­ti­ven Ein­fluss zu kon­tern und sein po­si­ti­ves Image zu för­dern, et­wa in­dem es sich in der Unesco den Chef­pos­ten zu ho­len ver­sucht. Ro­berts: Ka­tar hat sich schon im­mer um Ein­fluss in der Unesco be­müht, auch we­gen der Glaub­wür­dig­keit, die ei­nem die Nä­he zu ei­ner sol­chen Or­ga­ni­sa­ti­on ver­schafft. Sheik­ha Mo­zah (die Mut­ter von Emir Ta­mim bin Ha­mad Al Tha­ni, Anm.) ist es so­gar ge­lun­gen, mit Al-Zu­ba­rah ei­nen ka­ta­ri­schen Ort auf die Unesco-Wel­ter­be­lis­te set­zen zu las­sen. Aber be­son­ders im Mo­ment ist je­der Top­job in ei­ner in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­ti­on wich­tig.

STAN­DARD: Was hal­ten Sie von den For­de­run­gen, Ka­tar die Fuß­bal­lwelt­meis­ter­schaft 2022 wie­der weg­zu­neh­men? Ro­berts: Das geht ja schon lan­ge hin und her, es hat im­mer Leu­te ge­ge­ben, die ge­sagt ha­ben: Das wird nicht in Ka­tar statt­fin­den. Aber die Ka­ta­rer ha­ben stets stur wei­ter­ge­macht. Aus mei­ner Sicht der Din­ge – aber da bin ich kein Ex­per­te – wür­de Ka­tar die Spie­le wohl nur ver­lie­ren, wenn sich an der Spit­ze der Fi­fa et­was si­gni­fi­kant än­der­te. Für Ka­tar geht es da­bei um „coun­try bran­ding“: Ka­tar soll mit po­si­ti­ven The­men as­so­zi­iert wer­den.

STAN­DARD: We­gen des Wirt­schafts­boy­kotts hat sich Ka­tar nun an die Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on (WTO) ge­wandt. Bringt das et­was? Ro­berts: Kurz­fris­tig wird das be­stimmt nichts be­wir­ken. Ka­tar er­kun­det der­zeit vie­le We­ge – und ei­ner da­von ist in­ter­na­tio­na­ler Druck. Ein an­de­rer ist, die Ver­mitt­lung von Ku­wait und den USA zu su­chen.

STAN­DARD: US-Prä­si­dent Do­nald Trump hat­te schon ein­mal ei­ne „schnel­le Lö­sung“ver­spro­chen, tut sich da et­was? Wo­bei das Au­ßen­und das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um in Wa­shing­ton ja nicht so be­geis­tert wa­ren, dass sich Trump klar auf die sau­di­sche/emi­ra­ti­sche Sei­te ge­stellt hat ... Ro­berts: Ich se­he nicht, dass wir im Mo­ment nä­her an ei­ner Lö­sung sind. Die Rol­len­ver­tei­lung in Wa­shing­ton könn­te ei­gent­lich ein groß­ar­ti­ger ope­ra­ti­ver Weg sein, wenn er be­wusst stra­te­gisch an­ge­legt wä­re. Aber das ist er nicht.

DA­VID B. ROBERTSist As­sis­tant Pro­fes­sor am De­fen­se Stu­dies De­part­ment am King’s Col­le­ge in Lon­don. Er ist der Au­tor von „Qa­tar: Se­cu­ring the Glo­bal Am­bi­ti­ons of a Ci­ty-Sta­te“. Am Di­ens­tag, 17. Ok­to­ber, spricht er im Bru­no-Kreis­ky-Fo­rum in Wi­en (Arm­brus­t­er­gas­se 15, 1190, 19 Uhr) über die Ka­tar-Kri­se. Mo­de­ra­ti­on: Gu­drun Har­rer.

In Ka­tar führt die Iso­lie­rung eher zum Schul­ter­schluss: ei­ne Grup­pe Män­ner mit ka­ta­ri­scher Fah­ne.

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