Wie­ner Über­stun­den

Rund 55 Mil­lio­nen Eu­ro wur­den 2016 in Wi­en für Über­stun­den aus­ge­ge­ben. Die pin­ke Op­po­si­ti­on führt das auf ei­ne ho­he Zahl an Kran­ken­stän­den und Früh­pen­sio­nie­run­gen zu­rück. Die Stadt will hin­ge­gen fle­xi­bel blei­ben.

Der Standard - - FORSIDE - Oo­na Krois­leit­ner

2016 fa­bri­zier­te Wi­en Über­stun­den in der Hö­he von 55 Mil­lio­nen Eu­ro. Die Ne­os kri­ti­sie­ren das als „haus­ge­mach­tes Pro­blem“.

Wi­en – Die Wie­ner Ne­os kla­gen über das Per­so­nal­ma­nage­ment der rot-grü­nen Stadt­re­gie­rung. So geht aus ei­ner An­fra­ge­be­ant­wor­tung an die – da­mals noch für das Per­so­nal der Stadt zu­stän­di­gen – Stadt­rä­tin San­dra Frau­en­ber­ger (SPÖ) her­vor, dass für das Jahr 2016 rund 55 Mil­lio­nen Eu­ro für knapp 2,3 Mil­lio­nen Über­stun­den aus­be­zahlt wur­den.

So wur­den et­wa im Res­sort von Wohn­bau­stadt­rat Micha­el Lud­wig (SPÖ) rund 6,2 Mil­lio­nen Eu­ro für Mehr­leis­tun­gen ver­bucht, im Res­sort von Stadt­pla­nungs­stadt­rä­tin Ma­ria Vas­silak­ou (Grü­ne) schla­gen sich die zu­sätz­li­chen St­un­den mit 5,9 Mil­lio­nen zu Bu­che. Nied­rig steigt da­ge­gen Fi­nanz­stadt­rä­tin Re­na­te Brau­ner (SPÖ) aus: Hier sind es 2,4 Mil­lio­nen an Kos­ten für zu­sätz­li­che St­un­den. „Die Per­so­nal­po­li­tik des Ma­gis­trats ist ein ein­zi­ger Pfusch“, so der pin­ke Ver­wal­tungs­spre­cher Chris­toph Wie­der­kehr zum STAN­DARD. „Die Rech­nung für die teu­ren Über­stun­den be­zah­len al­le Steu­er­zah­ler.“Pro ge­leis­te­te Über­stun­de wer­den im Schnitt rund 24 Eu­ro be­zahlt. Wo­bei die Prei­se zwi­schen 20 und fast 30 Eu­ro brut­to pro St­un­de von Res­sort zu Res­sort schwan­ken.

„Grund­sätz­lich müs­sen Über­stun­den an­ge­ord­net wer­den, ein spar­sa­mer Um­gang ist je­den­falls er­for­der­lich“, heißt es auf An­fra­ge aus dem Bü­ro des mitt­ler­wei­le zu- stän­di­gen Stadt­rats Jür­gen Czer­no­hor­sz­ky (SPÖ). Un­ter die Über­stun­den der Ma­gis­trats­mit­ar­bei­ter wür­den auch je­ne aus den Be­rei­chen mit Ver­sor­gungs­auf­trag fal­len wie et­wa der Feu­er­wehr oder Ret­tung. Hier sei­en Über­stun­den we­gen der Schwan­kun­gen im Be­darf „im­mer wie­der not­wen­dig“.

Wah­len als Mehr­auf­wand

Dass es auch au­ßer­halb die­ser Be­rei­che zu ei­nem ho­hen Mehr­auf­wand kommt, er­klärt man da­durch, dass es auch im „Ver­wal­tungs­be­reich im en­ge­ren Sinn von Zeit zu Zeit zu Spit­zen in der Über­nah­me von Auf­ga­ben“kom­me. Ak­tu­ell et­wa bei der Ma­gis­trats­ab­tei­lung 62, die für die Wah­len in der Stadt zu­stän­dig ist, in der Rei­se­zeit eben bei der Pas­sAus­stel­lung. „Es geht in die­sen Fäl­len vor al­lem dar­um, fle­xi­bel und punk­tu­ell auf er­höh­ten Ar­beits­auf­wand re­agie­ren zu kön­nen“, heißt es zum STAN­DARD.

Dort, wo es mög­lich ist, wür­de ver­sucht, die Über­stun­den in Form von Zeit­aus­gleich ab­zu­bau­en. Das gin­ge aber nur dann, wenn der Re­gel­be­trieb trotz­dem „oh­ne Ein­schrän­kun­gen auf­recht­er­hal­ten wer­den kann“.

Im Sin­ne ei­ner „ef­fi­zi­en­ten Ver­wal­tung“sei der Per­so­nal­stand der Stadt „trotz wach­sen­der Auf­ga­ben“in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren „re­la­tiv kon­stant“. In Fel­dern, wo ein Mehr­be­darf durch das Wach­sen der Stadt ge­ge­ben sei, sei aber sehr wohl zu­sätz­li­ches Per­so­nal auf­ge­nom­men wor­den, heißt es. Ein Be­reich sei et­wa die Bil­dung. Hier sei­en et­wa zu­sätz­li­che Kin­der­gar­ten­päd­ago­gen ein­ge­stellt wor­den.

Die Ne­os se­hen das Pro­blem je­doch wo­an­ders. Für sie sind die Ur­sa­chen der Über­stun­den „haus­ge­macht“: Ei­ne sehr ho­he Zahl an Kran­ken­stän­den, die sie­ben­te Ur­laubs­wo­che und vie­le Früh­pen­sio­nie­run­gen wür­den zu dem ho­hen Maß an Über­stun­den füh­ren, er­klä­ren sie. Wei­ter­hin kön­ne die Stadt ihr Per­so­nal mit 55 Jah­ren aus or­ga­ni­sa­to­ri­schen Grün­den in Pen­si­on schi­cken, kri­ti­siert Wie­der­kehr, dem die Re­for­men der Stadt viel zu kurz grei­fen: „Die längst über­fäl­li­ge Pen­si­ons­re­form wur­de nicht um­ge­setzt und Lu­xus­pen­sio­nen nicht be­schränkt. Die sie­ben­te Ur­laubs­wo­che für die Be­diens­te­ten bleibt eben­so auf­recht wie die Frei­stel­lun­gen für ge­werk­schaft­li­che Tä­tig­keit.“

Dem für Per­so­nal zu­stän­di­gen Stadt­rats­bü­ro von Jür­gen Czer­no­hor­sz­ky ist ein spar­sa­mer Um­gang mit Über­stun­den wich­tig. Trotz­dem kam es im Jahr 2016 zu rund 2,3 Mil­lio­nen Aus­zah­lun­gen. Dies lä­ge dar­an, dass es ab und an zu „Spit­zen bei der Über­nah­me von Auf­ga­ben“kom­me.

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