Neu­es vom Sex­le­ben der Ös­ter­rei­cher

Pe­nis­rin­ge aus Zie­gen­haut, Dil­dos aus feins­tem Glas, ganz nor­ma­le Vi­bra­to­ren oder ein­fach Fal­ten­rock, Zöpf­chen und Rohr­sta­berl: Ero­tik­shop-Ver­käu­fe­rin Mag­da­le­na plau­dert über die Vor­lie­ben ih­rer Kun­den. Ei­ne Ge­schich­te über ero­tisch gut in­for­mier­te Sing­le

Der Standard - - LEBEN -

Der La­den ist wirk­lich top, nichts, wo­für man sich schä­men müss­te. Trotz­dem möch­te Mag­da­le­na, die na­tür­lich nicht so heißt wie die bi­bli­sche Sün­de­rin, ih­ren Na­men lie­ber nicht ge­nannt wis­sen. Zwar ist Je­sus Chris­tus vor bald ge­nau 2000 Jah­ren nicht zu­letzt we­gen un­se­rer Sün­den ge­gen das sechs­te Ge­bot ge­stor­ben, aber Sex: heik­le Sa­che.

Da­bei hat die Kir­che mit ih­rem Ver­bot des vor­ehe­li­chen Ge­schlechts­ver­kehrs dem gan­zen viel­leicht so­gar ei­nen ge­schäft­li­chen Schub ver­lie­hen. Die Sün­de ist noch im­mer reiz­voll, und das Ver­bo­te­ne erst recht. Aber was ist heu­te noch ver­bo­ten? Eben. Mag­da­le­na ar­bei­tet in ei­nem Ero­tik­shop. Sie ver­kauft dort Wa­ren al­ler Art, die uns Lust und Be­frie­di­gung ver­schaf­fen sol­len. Nicht we­ni­ge ih­rer Kun­den kom­men re­gel­mä­ßig ei­ne Vier­tel­stun­de vor La­den­schluss. „Das ist ei­ne Ei­gen­heit“, die sie selbst nicht ganz ver­steht. Viel­leicht brau­chen man­che den Druck, um ih­re To-buyLis­te ab­zu­ar­bei­ten. An­de­re wie­der­um ste­hen den gan­zen Tag her­um und „schau­en nur“. Das al­te Pro­blem im Ein­zel­han­del: „Dan­ke, ich schaue nur.“

Schau­kel zu La­den­schluss

Manch­mal muss Mag­da­le­na fünf Mi­nu­ten vor La­den­schluss ei­ne Lie­bes­schau­kel als Ge­schenk ein­pa­cken. Oder sie muss sich das Ge­la­be­re des Kon­dom­ver­wei­ge­rers an der Kas­sa an­hö­ren, der al­len im De­tail er­zählt, wel­che Aus­schlä­ge La­tex an sei­nem bes­ten Stück ver­ur­sacht. Ja, es kom­men im­mer noch ein paar ar­me Hun­de her­ein, die zu Hau­se kei­ne An­spra­che ha­ben. Aber ins­ge­samt, muss sie sa­gen, sei das Pu­bli­kum „völ­lig nor­mal“.

Sex und die Ös­ter­rei­cher, wir schrei­ben das Jahr 2017. Vor 20 Jah­ren und mehr gab es die Bi­schö­fe Gro­er und Krenn. Mit je­dem Dil­do kauf­te man sich ei­ne Fahr­kar­te in die Höl­le. Was aber er­war­tet ei­nen, wenn man sich ei­nen Goat-Eye-Pe­nis­ring kauft? Der sei ge­ra­de der Ver­kaufs­schla­ger, sagt Mag­da­le­na. Er wird aus der Haut um das Zie­genau­ge ge­won­nen, das Le­der ist dehn­bar, aber nicht zu sehr. Über die ein­äu­gi­ge Schlan­ge ge­stülpt, soll er das Blut dort hal­ten, wo es hin­ge­hört. Ganz schön vie­le Au­gen al­so in hei­mi­schen Schlaf­zim­mern und Sex und Zie­gen – so­wie­so ein ewi­ges The­ma!

Sind wir al­so nun end­lich to­tal lo­cker und be­freit? „Kann man so nicht sa­gen“, sagt Mag­da­le­na. Ein Spe­zi­al­pro­blem sei der männ­li­che Pe­nis, er sorgt für ei­ni­ge Un­lo­cker­heit. Klar gibt es auch den Zwei­me­ter­mann, der in der wei­ten Jog­ging­ho­se mit der gro­ßen Sport­ta­sche da­vor lo­cker im Shop her­um­steht. Und der es dann ge­nießt, wenn man sich sein Ge­hän­ge, das bis halb zum Knie hin­un­ter­reicht, an­schaut, soll­te er die Sport­ta­sche mal „zu­fäl­lig“zur Sei­te schie­ben. Aber er ist in der Min­der­heit, was Ent­spannt­heit an­geht – und erst recht, was die Grö­ße des Schnie­dels an­geht. Die feh­len­de Grö­ße aber, sagt Mag­da­le­na, die treibt so man­chen Mann hier­her mit der fle­hent­li­chen Fra­ge: „Kann man ihn nicht grö­ßer ma­chen?“

Kann man na­tür­lich, aber um wel­chen Preis? Mag­da­le­na kennt wel­che, die ih­re Va­ku­um­pum­pe so in­ten­siv ein­ge­setzt ha­ben, dass das Ge­we­be riss und sich Beu­len am Pe­nis bil­de­ten. Al­so vor­her Ge­brauchs­an­wei­sung le­sen, Re­kla­ma­tio­nen wer­den nur an­ge­nom­men, wenn das Ge­rät de­fekt war, nicht der Pe­nis. Und am En­de gilt so­wie­so: Durch­schnitt­lich 13,12 Zen­ti­me­ter (Qu­el­le: The Guar­di­an) misst das männ­li­che Pracht­stück in­ner­halb der Gren­zen der EU, wenn es er­regt ist. Viel­leicht sind des­we­gen so vie­le Män­ner so wü­tend auf die EU? Wenn es dar­um geht, wä­ren plötz­lich vie­le sehr gern Afri­ka­ner, über die man sich wah­re Wun­der­din­ge er­zählt. Das vor­herr­schen­de Ge­fühl aber wä­re Neid. Vie­le Män­ner ver­lan­gen da­her, dass der Dil­do, den sie sich zu­le­gen, eu­ro­pä­isch hell­häu­tig sein müs­se.

Da­bei, weiß Mag­da­le­na, geht das Be­gehr der al­ler­meis­ten Frau­en in Rich­tung „nor­ma­le mit­tel­eu­ro­päi­sche Grö­ße“, wenn sie sich nach Dil­dos oder Vi­bra­to­ren er­kun­di­gen. Wohl auch, um die Er­war­tun­gen an das wirk­li­che Le­ben da drau­ßen an den Bars und in den Gast­häu­sern oder auch auf Tin­der nicht zu hoch zu schrau­ben. Man­che Frau sorgt sich beim Kauf um den Ge­wöh­nungs­ef­fekt, der bei Ver­wen­dung des Lust­spen­ders schon ein­tre­ten kann „Gu­te Sa­chen“für Single­frau­en, die ken­nen sich gut aus. (Vor­sicht! Sucht­ge­fahr!). Denn vie­le Män­ner ha­ben zwar Angst vor Frau­en, aber sie zit­tern dann halt doch nicht so schön wie ein Vi­bra­tor.

Single­frau­en wer­den von Mag­da­le­na eher zu den „gu­ten Sa­chen“ge­führt, die sind im­mer su­per in­for­miert und kau­fen un­be­fan­gen ein. Im­mer häu­fi­ger kä­men aber auch mus­li­mi­sche Frau­en mit ih­ren et­was äl­te­ren Ehe­män­nern, Ara­bi­scher-RaumK­li­en­tel. Die Män­ner ver­ste­hen dann oft die Welt nicht mehr, wäh­rend die Frau­en ziel­stre­big nach al­lem grei­fen, was sie zu Hau­se nicht be­kom­men. Vie­le Ara­ber, aber nicht nur sie, hät­ten auch ein an­de­res Pro­blem, Fach­be­griff: vor­zei­ti­ger Sa­men­er­guss. Für die­se Sor­te Pro­blem­bä­ren hat Mag­da­le­na „De­lay“-Pro­duk­te im An­ge­bot. Cre­men, die ei­ne Art Taub­heits­ge­fühl auf der Ei­chel er­zeu­gen. Man muss sich halt ir­gend­wann ent­schei­den, ob man selbst auch Spaß ha­ben will beim Sex oder ob man nur als Aus­dau­er­akro­bat punk­ten möch­te.

„De­lay“oder „Ener­gi­zer“

Na­tür­lich hat sie auch „ar­ge Peit­schen aus Kunst­stoff, die un­ten scharf ab­ge­schnit­ten sind. Wenn du die falsch ein­setzt, dann hast du ech­te Wun­den“, er­klärt Mag­da­le­na. Es ge­be so­gar wel­che aus Me­tall oder an­de­re, die drei Me­ter lang sind, das müs­se man schon be­herr­schen. „Ich mer­ke re­la­tiv schnell, ob sich wer aus­kennt“, sagt sie. Das wä­re über­haupt das Schö­ne an ih­rem Job, dass es hier al­les gibt: Paa­re, Les­ben, Schwu­le, Tran­sen.

Und dann na­tür­lich die Psy­cho­lo­gie: Die Kun­den beim Her­ein­kom­men auf ih­re mög­li­chen Wün­sche ta­xie­ren, das macht ihr Spaß.

Zum Bei­spiel Via­gra. Das wer­de stän­dig nach­ge­fragt, sei aber re­zept­pflich­tig und bei ihr nicht er­hält­lich. Sie kann „Ener­gi­zer“Pro­duk­te an­bie­ten. Oder Pe­nis­pro­the­sen, die sich der Mann über den ei­ge­nen stülpt, um der Frau das ver­spro­che­ne Glück auf Er­den zu ver­schaf­fen. Wer sol­ches tut, der muss sei­ne Frau wirk­lich sehr lie­ben. Und sie ih­ren Mann na­tür­lich auch.

Paa­re, die ih­ren 20. Jah­res­tag fei­ern wol­len, und zwar sie als Schü­le­rin und er als Leh­rer, schickt Mag­da­le­na auch mal zum Floh­markt, wo „sie sich ei­nen Fal­ten­rock kau­fen soll und ein wei­ßes Hemd da­zu“. Und dann soll sie sich halt Zöp­fe ma­chen! Man­che wä­ren eben noch im­mer er­schre­ckend ein­falls­los, wenn es um die Lie­be geht, auch 2000 und 17 Jah­re nach Chris­ti Ge­burt.

Sex und Zie­gen – ein ewi­ges The­ma: Bei Mag­da­le­nas Kun­den sind Goat-Eye-Rings je­den­falls ge­ra­de der Ren­ner.

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