Er­mitt­lun­gen ge­gen Ham­mer­schmid ein­ge­stellt

Staats­an­walt­schaft: Kein „hin­rei­chen­der Tat­ver­dacht“bei um­strit­te­ner För­de­rung

Der Standard - - WIRTSCHAFT -

Wi­en – Die Staats­an­walt­schaft hat Er­mitt­lun­gen ge­gen Bil­dungs­mi­nis­te­rin Son­ja Ham­mer­schmid (SPÖ) im Zu­sam­men­hang mit ih­rer frü­he­ren Tä­tig­keit bei der För­der­bank AWS ein­ge­stellt, wie die Pres­se am Frei­tag be­rich­te­te. Beim Ver­dacht der Un­treue sä­hen die Staats­an­wäl­te „kei­nen hin­rei­chen­den Tat­ver­dacht“.

Ham­mer­schmid lei­te­te bei der AWS von 2003 bis 2010 den Be­reich Tech­no­lo­gie und In­no­va­ti­on. Au­ßer­dem war sie Ge­samt­pro­ku­ris­tin. Wäh­rend die­ser Zeit kam es wie­der­holt zu Aus­fäl­len der von der Bank ge­währ­ten Mit­tel, weil die ge­för­der­ten Un­ter­neh­men in Kon­kurs gin­gen. Per se ist das bei der Ver­ga­be von Ri­si­ko­ka­pi­tal nicht un­ge­wöhn­lich.

Al­ler­dings ka­men Vor­wür­fe über ei­ne pro­ble­ma­ti­sche För­der­ver­ga­be auf. Das Phar­ma­un­ter­neh­men Or­pha­ne­tics hät­te kei­nen wei­te­ren AWS-Mit­tel er­hal­ten sol­len, wie aus ei­nem Be­richt der in­ter­nen Re­vi­si­on aus dem Jahr 2007 her­vor­geht. Au­ßer­dem wirft ein an­geb­li­ches Na­he­ver­hält­nis Ham­mer­schmids zu ei­ner Mit­ar­bei­te­rin der Ge­sell­schaft ein schie­fes Licht auf die An­ge­le­gen­heit.

We­gen ei­nes Li­qui­di­täts­eng­pas­ses such­te Or­pha­ne­tics bei der AWS er­folg­reich um ei­ne Bürg­schaft von über 190.000 Eu­ro an. Zu­vor war man bei der staat­li­chen For­schungs­för­de­rungs­ge­sell­schaft ab­ge­blitzt.

Was das Bild trübt: Der da­mals zu­stän­di­ge Sach­ar­bei­ter hat­te die För­de­rung we­gen Kos­ten­über­schrei­tun­gen und Ver­zö­ge­run­gen bei Zu­las­sun­gen ab­ge­lehnt. Dar­auf­hin zog ihn Ham­mer­schmid vom Fall ab. Or­pha­ne­tics er­hielt die an­ge­such­ten Mit­tel. Kurz dar­auf war die Fir­ma plei­te, das Geld weg. Laut Prüf­be­richt sei­en kri­ti­sche Pas­sa­gen des ur­sprüng­lich zu­stän­di­gen Sach­ar­bei­ters spä­ter ent­fernt wor­den.

Ham­mer­schmid be­grün­de­te die Strei­chung mit ei­ner „ge­wis­sen Red­un­danz“der Darstel­lung. Die Prü­fer wie­sen dies je­doch zu­rück. Denn die Kos­ten­über­schrei­tung um drei auf zehn Mil­lio­nen Eu­ro sei nicht mehr vor­ge­kom­men.

In ih­rer Ge­samt­be­wer­tung teil­te die Re­vi­si­on das Ur­teil des Sach­ar­bei­ters: „Die Aus­fi­nan­zie­rung des Pro­jek­tes bis zum Bre­ak­E­ven-Po­int ist nicht nach­voll­zieh­bar.“Ei­ne zu­sätz­li­che AWS-Ga­ran­tie sei so­mit nicht be­gründ­bar.

Auch bri­sant: Ei­ne beim AWS in­vol­vier­te Mit­ar­bei­te­rin Ham­mer­schmids soll ei­ne in­di­rek­te Ver­bin­dung zu dem För­der­fall ha­ben. Ihr Ehe­mann war dem­nach Füh­rungs­kraft in ei­ner Ge­sell­schaft, die den glei­chen Ei­gen­tü­mer hat­te wie Or­pha­nics. Ins­ge­samt soll das Phar­ma­un­ter­neh­men 10,5 Mio. Eu­ro an Steu­er­geld er­hal­ten ha­ben. (red)

Fo­to: APA / H. Fohrin­ger

Bil­dungs­mi­nis­te­rin Son­ja Ham­mer­schmid (49).

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