Trump will Nafta er­le­di­gen und gleich wie­der­be­le­ben

In Wa­shing­ton er­war­ten Öko­no­men, dass Do­nald Trump das Nord­ame­ri­ka­ni­sche Frei­han­dels­ab­kom­men Nafta schon bald auf­kün­di­gen wird. Den In­halt des Pak­tes könn­te der Prä­si­dent aber trotz­dem ret­ten.

Der Standard - - WIRTSCHAFT - An­drás Szi­get­va­ri aus Wa­shing­ton

Trump will Nafta „in die Luft spren­gen“. Des­halb er­hebt die US-Re­gie­rung stän­dig For­de­run­gen in den Ver­hand­lun­gen über ei­ne Re­form des Pak­tes, bei de­nen sie ganz ge­nau weiß, dass Me­xi­ko und Ka­na­da sie ab­leh­nen wer­den.

Die­se Be­schrei­bung stammt nicht von an­ti­ame­ri­ka­nisch ge­sinn­ten Po­li­ti­kern in Ka­na­da oder Me­xi­ko. Die US-Cham­ber of Com­mer­ce, ein Lob­by­ver­band, dem mehr als drei Mil­lio­nen Un­ter­neh­men an­ge­hö­ren, kri­ti­sier­te die ei­ge­ne Re­gie­rung.

Tat­säch­lich sor­gen Wün­sche der USA bei den Nafta-Ge­sprä­chen für im­mer stär­ke­re Kon­flik­te, die in­zwi­schen öf­fent­lich aus­ge­tra­gen wer­den.

Do­nald Trump hat­te im Wahl­kampf an­ge­kün­digt, Nafta zer­rei­ßen zu wol­len, sich aber spä­ter auf ei­ne Neu­ver­hand­lung des Pak­tes ein­ge­las­sen. Nach dem Start der Ge­sprä­che En­de Au­gust wur­de es dann ru­hig, doch die­se Wo­che be­zwei­fel­te der US-Prä­si­dent wie­der laut­stark, ob Nafta zu ret­ten sei. Er ha­be nie ei­nen Hehl dar­aus ge­macht, dass er den Pakt ab­leh­ne, sag­te Trump am Ran­de ei­nes Tref­fens mit dem ka­na­di­schen Pre­mier Jus­tin Tru­deau. Der Ka­na­di­er gab spä­ter zu Pro­to­koll, dass sich sein Land in punc­to Nafta be­reits „auf al­les vor­be­rei­tet“.

Zu den um­strit­te­nen For­de­run­gen der USA ge­hört die Auf­nah­me ei­ner spe­zi­el­len Klau­sel in den Han­dels­pakt, wo­nach sich Me­xi­ko und Ka­na­da ver­pflich­ten müs­sen, für ei­nen aus­ge­wo­ge­nen Wa­ren­han­del mit den Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu sor­gen. Das Wei­ße Haus will au­ßer­dem ei­ne Aus­lauf­klau­sel ha­ben: Dem­nach wür­de Nafta künf­tig nach fünf Jah­ren au­to­ma­tisch au­ßer Kraft tre­ten, wenn nicht al­le drei Par­tei­en ei­ner Ver­län­ge­rung zu­stim­men.

Me­xi­ko un­ter Druck set­zen

Die bei­den Punk­te zu­sam­men wä­ren ei­ne Mög­lich­keit für die USA, um ins­be­son­de­re Me­xi­ko un­ter Druck zu set­zen. Me­xi­kos In­dus­trie gilt als größ­ter Ge­win­ner Naf­t­as. Das Land ex­por­tiert deut­lich mehr Au­to­mo­bi­le, Ma­schi­nen und an­de­re Gü­ter in die USA als um­ge­kehrt und stün­de künf­tig un­ter Druck, selbst mehr Wa­ren aus dem Nach­bar­land ein­zu­kau­fen. Me­xi­ko lehnt die For­de­rung ab, aber auch in Ka­na­da will man sich nicht er­press­bar ma­chen. Bei all ih­rer Kri­tik an Me­xi­ko er­wähnt die US-Re­gie­rung frei­lich nie, dass man deut­lich mehr Di­enst­leis­tun­gen in dem Land ver­kauft als um­ge­kehrt.

Als nicht ak­zep­ta­bel aus Sicht Me­xi­kos gilt zu­dem ei­ne For­de­rung aus Wa­shing­ton, wo­nach Pkws nur noch­zoll­frei in die USA im­por­tiert wer­den sol­len, wenn min­des­tens 50 Pro­zent des Fahr­zeugs in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten her­ge­stellt wer­den. Zwi­schen USA und Me­xi­ko gibt es ei­nen re­gen Han­del mit Au­to­mo­bil­tei­len: In den USA her­ge­stell­tes Ma­te­ri­al wird in Me­xi­ko wei­ter­ver­ar­bei­tet und dann re­impor­tiert. Die er­wähn­te Schutz­klau­sel könn­te ein Nach­teil für die me­xi­ka­ni­sche In­dus­trie sein.

US-Un­ter­neh­men drän­gen das Wei­ße Haus, an Nafta fest­zu­hal­ten. Auch die Au­to­mo­bil­in­dus­trie will den Pakt be­hal­ten, weil man auf die bil­li­gen Tei­le aus Me­xi­ko an­ge­wie­sen ist.

Ga­ry Huf­bau­er, ein füh­ren­der Han­dels­ex­per­te in Wa­shing­ton, glaubt so wie die Cham­ber of Com­mer­ce dar­an, dass Trump pro­vo­zie­ren will, da­mit die Ver­hand­lun­gen bis Jah­res­en­de kei­ne Fort­schrit­te brin­gen. „Dann kann er im De­zem­ber sa­gen: Ich ha­be es ver­sucht, Nafta auf­zu­kün­di­gen“, sagt Huf­bau­er im Stan­dard- Ge­spräch.

Ver­trag be­en­den

Wer den Ver­trag be­en­den will, muss die an­de­ren Part­ner in­for­mie­ren. So ist es in Nafta fest­ge­schrie­ben. Da­nach kann der Pakt frü­hes­tens nach sechs Mo­na­ten au­ßer Kraft tre­ten. Huf­bau­er glaubt nicht, dass Trump den In­halt nicht mehr will. „Er möch­te sei­nen Wäh­lern in Ohio und Penn­syl­va­nia sa­gen, dass er Nafta er­le­digt hat.“

Da­her hält es der Öko­nom für mög­lich, dass Trump se­pa­ra­te Ab­kom­men mit Ka­na­da und Me­xi­ko aus­han­deln will, die im We­sent­li­chen den glei­chen In­halt wie Nafta ha­ben – aber an­ders hei­ßen. Das könn­te wäh­rend der kom­men­den Jah­re statt­fin­den, so­lan­ge der Pakt noch wei­ter gilt.

Die Stra­te­gie wä­re mit vie­len Un­si­cher­hei­ten be­haf­tet. Im Ju­li 2018 sind in Me­xi­ko Prä­si­dent­schafts­wah­len, ob es an­ge­sichts des­sen ge­lin­gen könn­te, sinn­voll zu ver­han­deln, ist zwei­fel­haft.

Ein En­de von Nafta wä­re laut Huf­bau­er vor al­lem für Me­xi­ko schmerz­haft. Me­xi­ko ver­fügt in­zwi­schen über ei­ne der welt­weit größ­ten Au­to­mo­bil­in­dus­tri­en. Ame­ri­ka­ner, Ja­pa­ner und Eu­ro­pä­er ha­ben in­ves­tiert, um die bil­li­ge Werk­bank für den US-Markt zu nut­zen. Soll­te Nafta au­ßer Kraft tre­ten, keh­ren die drei Staa­ten zu je­nen Zöl­len zu­rück, die sie von an­de­ren Mit­glieds­län­dern der Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on WTO er­he­ben. Bei SUV-Fahr­zeu­gen ver­lan­gen die USA ei­nen Zoll von 25 Pro­zent. Me­xi­kos Un­ter­neh­men müss­ten mit star­ken Ein­bu­ßen rech­nen, so Huf­bau­er.

In den USA wä­re die Agrar­in­dus­trie ne­ga­tiv be­trof­fen. US-Far­mer ex­por­tie­ren Mais, Fleisch und Milch­pro­duk­te nach Me­xi­ko und Ka­na­da. Für land­wirt­schaft­li­che Gü­ter wür­den oh­ne Nafta ho­he Zöl­le gel­ten. Aus Angst vor dem En­de des Ab­kom­mens regt sich im Kon­gress auf re­pu­bli­ka­ni­scher Sei­te Wi­der­stand: In Te­xas, Ari­zo­na, New Me­xi­co, Okla­ho­ma gibt es ei­ne kla­re Pro-Nafta-Mehr­heit. Trump braucht die Ab­ge­ord­ne­ten die­ser Staa­ten, um sei­ne Steu­er­re­form durch­zu­set­zen. Nafta könn­te al­so für wei­ter zu­neh­men­de in­ner­re­pu­bli­ka­ni­sche Span­nun­gen sor­gen, so Huf­bau­er.

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