Olym­pi­scher Wett­lauf der Emo­tio­nen

Ti­rol stimmt am Sonn­tag dar­über ab, ob sich das Land und die Stadt Inns­bruck für die Olym­pi­schen Win­ter­spie­le 2026 be­wer­ben sol­len. Das Er­geb­nis ist völ­lig of­fen. Ob­jek­ti­ve In­for­ma­tio­nen blie­ben rar.

Der Standard - - SPORT - Stef­fen Aro­ra

Inns­bruck – Es wird ein knap­pes Ren­nen. Ob Geg­ner oder Be­für­wor­ter am Sonn­tag bei der Volks­be­fra­gung über ei­ne Be­wer­bung Ti­rols für die Olym­pi­schen Win­ter­spie­le 2026 die Na­se vorn ha­ben wer­den, wag­te zwei Ta­ge da­vor nie­mand zu pro­phe­zei­en.

Das Land Ti­rol als Aus­tra­gungs­re­gi­on, die Stadt Inns­bruck als Host­ci­ty so­wie das Ös­ter­rei­chi­sche Olym­pi­sche Co­mité ( ÖOC) ha­ben al­les ver­sucht, um die Stim­mung zu ih­ren Guns­ten zu dre­hen. Mehr als 70 In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen wur­den in den ver­gan­ge­nen Wo­chen in ganz Ti­rol ab­ge­hal­ten, un­zäh­li­ge In­se­ra­te in sämt­li­chen Me­di­en ge­schal­ten. Die Geg­ner des Vor­ha­bens kri­ti­sie­ren, dass die da­bei ver­mit­tel­te In­for­ma­ti­on sehr ein­sei­tig ge­we­sen sei. Wer­bung statt ob­jek­ti­ver In­for­ma­ti­on lau­tet ihr Vor­wurf.

Der Stim­mungs­ma­che ha­ben sich bei­de La­ger schul­dig ge­macht. Wäh­rend die Be­für­wor­ter ge­bets­müh­len­ar­tig nicht nä­her er- klär­te „gro­ße Chan­cen“für das Land und die Ju­gend be­schwö­ren, zeich­nen die Geg­ner mit Ver­wei­sen auf ver­gan­ge­ne Olym­pia-De­sas­ter wie Sot­schi düs­te­re Sze­na­ri­en von Mil­li­ar­den­ver­lus­ten, auf de­nen die Steu­er­zah­ler sit­zen­blei­ben wür­den.

Da­bei wä­re die Grund­idee der Be­wer­bung Ti­rols mit der Host­ci­ty Inns­bruck durch­aus span­nend. Man setzt auf „re­di­men­sio­nier­te Spie­le“, die ganz im Zei­chen von Nach­hal­tig­keit ste­hen. Kei­ne neu­en Sport­stät­ten sol­len da­für ge­baut wer­den. Man will be­ste­hen­de An­la­gen in Ti­rol so­wie im an­gren­zen­den Aus­land nut­zen. Eis­schnell­lauf soll ins deut­sche Inn­zell und Eis­ho­ckey teils ins ita­lie­ni­sche Bo­zen aus­ge­la­gert wer­den. Da­mit wür­de man dem Gi­gan­tis­mus ver­gan­ge­ner Spie­le ei­ne Ab­sa­ge er­tei­len. Ein Zu­gang, der auch dem von Skan­da­len ge­beu­tel­ten In­ter­na­tio­na­len Olym­pi­schen Ko­mi­tee (IOC) in die Kar­ten spie­len wür­de, das sein Image drin­gend auf­po­lie­ren muss.

Pro­blem Glaub­wür­dig­keit

Die Be­für­wor­ter ge­hen noch wei­ter und ver­spre­chen, man wer­de für Olym­pi­sche Spie­le in Ti­rol kei­nen Cent Steu­er­geld auf­wen­den. Dort be­ginnt das Pro­blem der Glaub­wür­dig­keit die­ser Be­wer­bung. Denn bei der Kos­ten­be­rech­nung wird zwi­schen dem Durch­füh­rungs­bud­get in der Hö­he von 1,175 Mil­li­ar­den Eu­ro so­wie den Kos­ten, die nicht di­rekt mit der Durch­füh­rung in Zu­sam­men­hang stün­den, un­ter­schie­den. Zu letz­te­ren zäh­len die Auf­wen­dun­gen für Si­cher­heit und In­fra­struk­tur. Al­so je­ne Pos­ten, die bei ver­gan­ge­nen Spie­len da­für ge­sorgt ha­ben, dass die Bud­gets der Aus­tra­gungs­or­te ex­plo­diert sind.

Das Durch­füh­rungs­bud­get sei ge­deckt, rech­net ÖOC-Ge­ne­ral­se­kre­tär Pe­ter Men­nel vor. Doch in wel­cher Hö­he Zu­satz­kos­ten au­ßer­halb die­ses Bud­gets an­fal­len, kann bis da­to nie­mand sa­gen. Al­lein der Bau des olym­pi­schen Dor­fes mit rund 400 Wohn­ein­hei­ten ist noch völ­lig of­fen. In der Mach­bar­keits­stu­die zur Be­wer­bung wird da­für am Are­al des Inns­bru­cker Frach­ten­bahn­ho­fes ge­plant. Doch die ÖBB wer­den frü­hes­tens bis En­de des Jah­res ent­schei­den, ob sie das Grund­stück über­haupt ab­tre­ten wol­len.

Mit der in­ten­si­ven Wer­be­kam­pa­gne pro Olym­pia ha­ben sich Land, Stadt und ÖOC zu­letzt kei­nen Ge­fal­len mehr ge­tan. So wur­de die Ti­ro­ler Kul­tur­sze­ne un­ge­fragt vor den Olym­pia­kar­ren ge­spannt. Als Te­sti­mo­ni­als da­zu dien­ten der Lan­des­re­gie­rung Ger­ry Fried­le, ali­as DJ Öt­zi, und Lan­des­thea­ter­in­ten­dant Jo­han­nes Reit­mei­er. Um­ge­hend pro­tes­tier­ten in ei­nem of­fe­nen Brief 30 Ti­ro­ler Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen, dar­un­ter das Ar­chi­tek­tur­fo­rum und die Ga­le­rie St. Bar­ba­ra, ge­gen die­se Ver­ein­nah­mung: „Wir kön­nen im vor­lie­gen­den Be­wer­bungs­kon­zept für die Olym­pi­schen Win­ter­spie­le – in dem Kul­tur nicht vor­kommt – kei­nen Zu­sam­men­hang mit ei­ner nach­hal­ti­gen und po­si­ti­ven Kul­tur­ent­wick­lung in Ti­rol er­ken­nen.“

Egal wie die Ab­stim­mung am Sonn­tag aus­geht, es wird ein ge­richt­li­ches Nach­spiel ge­ben. Die Platt­form „Mehr De­mo­kra­tie“hat be­reits an­ge­kün­digt, ei­ne Be­schwer­de beim Ver­fas­sungs­ge­richts­hof ein­zu­rei­chen. Es geht um die Fra­ge­stel­lung am Stimm­zet­tel, die da lau­tet: „Soll das Land Ti­rol ein selbst­be­wuss­tes An­ge­bot für nach­hal­ti­ge, re­gio­nal an­ge­pass­te so­wie wirt­schaft­lich und öko­lo­gisch ver­tret­ba­re Olym­pi­sche und Pa­ralym­pi­sche Win­ter­spie­le Inns­bruck-Ti­rol 2026 le­gen?“Das sei ma­ni­pu­la­tiv und wer­tend, be­stä­tig­te auch Ver­fas­sungs­ju­rist Heinz May­er.

Soll­te Ti­rol am Sonn­tag da­für stim­men, star­tet der Be­wer­bungs­pro­zess. Das IOC wird 2019 in Mai­land den Zu­schlag er­tei­len. pderStan­dard. at/Im­mo­bi­li­en

Zum drit­ten Mal olym­pi­sche Rin­ge in Inns­bruck? Am Sonn­tag wer­den die Ti­ro­ler da­zu be­fragt.

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