Hou­el­l­e­becq woll­te nicht

Die Frank­fur­ter Buch­mes­se gibt sich im Pro­gramm auch po­li­tisch: As­lı Er­do­gan u. a.

Der Standard - - KULTUR - Micha­el Wurmit­zer aus Frank­furt

Nicht nur Bü­cher er­öff­nen Ge­schich­ten. Auch die Ta­schen­kon­trol­le am Ein­gang ver­mag das zu­wei­len. Not­wen­dig? So­zia­le und po­li­ti­sche Rea­li­tät zieht sich eben auch durch das Auf­tritts­pro­gramm. The­ma Mei­nungs­frei­heit et­wa: Ein Star­gast heu­er ist As­lı Er­do­gan. Mehr­fach gibt die tür­ki­sche Au­to­rin über die La­ge in ih­rer Hei­mat Aus­kunft. Bei ei­ner Dis­kus­si­on schil­der­te auch Can Dündar, Ex­chef­re­dak­teur von Cumhu­riy­et, die zer­mür­ben­den Ver­hält­nis­se in dor­ti­gen Ge­fäng­nis­sen. Über- Ta­ge­buch haupt dür­fe der Wes­ten die Auf­lö­sung de­mo­kra­ti­scher Struk­tu­ren nicht hin­neh­men. Sie kön­ne ge­ra­de nur „flüs­tern“, sag­te Er­do­gan. Denn noch im­mer läuft ge­gen sie in der Tür­kei ein Ver­fah­ren.

Mehr Po­li­tik er­war­tet hat­te man sich von Mi­chel Hou­el­l­e­bec­qs Auf­tritt im Frank­fur­ter Schau­spiel. Statt vom Ro­man Un­ter­wer­fung aus­ge­hend Is­la­mi­sie­rung zu be­han­deln, woll­te der fran­zö­si­sche Au­tor nur über an­de­res re­den, et­wa dar­über, der deut­schen Li­te­ra­tur mit­tels des ero­ti­schen Ro­mans neue Im­pul­se zu ver­lei­hen. Der Gat­tung Ro­man hul­dig­te er, schlecht be­stellt sei es 4. Teil aber um Über­set­zun­gen und Eu­ro­pa. Wie soll ein po­li­ti­sches oh­ne kul­tu­rel­les Eu­ro­pa exis­tie­ren?

Ganz beim The­ma blieb ein Ge­spräch über Flucht und Mi­gra­ti­on. Ös­ter­reich ha­be sehr vie­le Flücht­lin­ge aus Ju­go­sla­wi­en be­hal­ten und sei da­mit nicht schlecht ge­fah­ren, blick­te der Zeit­his­to­ri­ker Phil­ipp Ther (Uni Wi­en) auf die jün­ge­re Ge­schich­te. Flücht­lings­auf­nah­me ha­be his­to­risch im­mer auf So­li­da­ri­tät be­ruht – re­li­giö­ser, ra­tio­na­ler oder po­li­ti­scher. Die sieht er ak­tu­ell nicht.

High­light der letz­ten bei­den Mes­se­ta­ge ist am Sonn­tag die Ver­lei­hung des Frie­dens­prei­ses des Deut­schen Buch­han­dels an Mar­ga­ret At­wood. Die Lau­da­tio hält Eva Me­n­as­se.

Re­né Go­scin­ny, der Er­fin­der von As­te­rix, Der klei­ne Nick oder Lu­cky Lu­ke oder Um­pah-Pah starb 1977 bei ei­nem EKG-Be­las­tungs­test auf dem Fahr­rad. Der letz­te, ge­mein­sam mit dem heu­te 90-jäh­ri­gen Zeich­ner Al­bert Uder­zo ver­fass­te Band As­te­rix bei den Bel­gi­ern ist 1979 er­schie­nen.

Die von Uder­zo schließ­lich bis 2011 im Al­lein­gang ver­fass­ten, strikt auf 44 Sei­ten li­mi­tier­ten Ge­schich­ten ver­mei­den weit­ge­hend das Gel­be vom Ei. Und auch vom jun­gen, neu­en und von Uder­zo freund­lich in ih­rem Tun ab­ge­seg­ne­ten Au­to­ren-Zeich­ner-Ge­spann Di­dier Con­rad und Je­anY­ves Fer­ri lässt sich nun im Vor­feld des Er­schei­nens von As­te­rix in Ita­li­en als ih­rem drit­ten ge­mein­sa­men As­te­rix-Band nur ei­nes mit Be­stimmt­heit sa­gen.

An­ge­r­anz­te Fi­sche

Der mit der Akri­bie asia­ti­scher Raub­ko­pi­en ad­ap­tier­te Zei­chen­stil Uder­zos ist mitt­ler­wei­le nicht mehr vom Ori­gi­nal un­ter­scheid­bar. Trotz oft­ma­li­ger Rei­sen in fer­ne Län­der ver­hält es sich mit der zu­letzt vor fast 40 Jah­ren ih­re letz­ten Hö­he­punk­te fei­ern­den As­te­ri­x­Rei­he aber so, dass sich die eng ge­steck­ten und nach ei­nem Sche­ma ab­lau­fen­den Ge­schich­ten schlicht und ein­fach über­lebt ha­ben.

Ei­nes ist ver­spro­chen: Die üb­li­chen Dorf- und Rö­mer­prü­ge­lei­en, die Pi­ra­ten­de­mü­ti­gung, an­ge­r­anz- te Fi­sche, der jo­han­nis­trie­bi­ge Greis und der im­mer gut ein­ge­raucht wir­ken­de Drui­de kom­men auch die­ses Mal wie­der vor. Da­zu setzt es gotts­er­bärm­li­chen Ge­sang, Wild­schwein­bra­ten, ei­nen lus­ti­gen klei­nen Hund na­mens Ide­fix, Zau­ber­trank, ei­nen Häupt­ling, der sich manch­mal sehr, sehr mü­de fühlt – und na­tür­lich aus lau­ter Blöd­heit und Über­heb­lich­keit hef­tig am Wat­schen­baum rüt­teln­de Bö­se­wich­te.

Der Bö­se­wicht ver­steckt sich die­ses Mal, sehr leicht er­kenn­bar, un­ter ei­ner gol­de­nen Mas­ke. Er nimmt an ei­nem von Cä­sar in Auf­trag ge­ge­be­nen in­ter­na­tio­nal be­setz­ten Wa­gen­ren­nen durch Ita­li­en teil, des­sen Sie­ger na­tür­lich von vorn­her­ein fest­steht. In der Theo­rie, und ei­ni­ge Fest­me­ter ver­beul­ter Rö­mer­hel­me vor dem ob­li­ga­to­ri­schen Fi­na­le mit dem Mas­sen­be­säuf­nis im gal­li­schen Dorf. Da­zu gibt es ita­lie­ni­sches Lo­kal­ko­lo­rit und Tou­ris­ten­kli­schees und ein we­nig Latein­kun­de.

Re­né Go­scin­ny fehlt doch sehr.

Je­an-Yves Fer­ri (Text), Di­dier Con­rad (Zeich­nun­gen), „As­te­rix in Ita­li­en“(Band 37). Aus dem Fran­zö­si­schen von Klaus Jö­ken. € 7,00 / 48 Sei­ten. Eg­mont Eha­pa, Ber­lin 2017. Er­scheint am 19. Ok­to­ber.

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