Ei­ne Zu­kunft für sie­ben Schwes­tern

Noo­mi Ra­pace im Sci­ence-Fic­tion-Thril­ler „What Hap­pe­n­ed to Mon­day?“

Der Standard - - KULTUR - Micha­el Pe­k­ler

Wi­en – Wer je­den Tag ei­ne an­de­re Iden­ti­tät an­neh­men muss, kann nie er selbst sein. Oder doch? Die Sci­ence-Fic­tion ver­han­delt die­ses Mo­tiv des wan­del­ba­ren Ichs ger­ne und des­halb oft in li­te­ra­ri­scher Form, wie zu­letzt Da­vid Le­vit­han in sei­nem fan­tas­ti­schen Ro­man Ever­y­day, in dem der ju­gend­li­che Held je­den Tag in ei­nem an­de­ren Kör­per auf­wacht – mit ent­spre­chen­den Kon­se­quen­zen.

Das Ki­no stellt in­des lie­ber die Aus­wir­kun­gen die­ses Tausch­han­dels der Iden­ti­tä­ten aus, wenn es et­wa wie in Face/Off da­zu ein­lädt, sich auch als Zu­schau­er im Kör­per des Fein­des wie­der­zu­fin­den oder in Being John Mal­ko­vich gar im Kopf des Schau­spie­lers.

In die­ser Hin­sicht ver­han­delt What Hap­pe­n­ed to Mon­day? ei­ne in­ter­es­san­te, weil un­ge­wöhn­lich ge­gen­läu­fi­ge Idee: Sie­ben Frau­en müs­sen sich als die­sel­be aus­ge­ben. Als Sie­ben­lin­ge ge­bo­ren, müs­sen sie sich in die­sem dys­to­pi­schen Zu­kunfts­sze­na­rio seit­her vor der Welt ver­ste­cken, weil die­ser die Über­be­völ­ke­rung be­reits ei­ne re­strik­ti­ve Ein-Kind-Po­li­tik be­schert hat. Als Na­men tra­gen sie die sie­ben Wo­chen­ta­ge, von Mon­tag bis Sonn­tag darf je­de das Haus nur an ih­rem Na­mens­tag ver­las­sen. Denn es darf nur ei­ne Ka­ren Sett­man ge­ben.

Ein­fach un­ver­wech­sel­bar

„She knew the risk“, meint Wil­lem Da­foe als kühl und kühn agie­ren­der Groß­va­ter zum Tod sei­ner Toch­ter, die ihm in ei­nem pro­vi­so­ri­schen Kran­ken­haus sechs En­kel­kin­der zu viel hin­ter­lässt. Auch sonst ist Ter­rence Sett­man ein ge­fass­ter Mann, der die klei­nen Mäd­chen für das Über­le­ben in ei­ner Zu­kunft drillt, in der sie ei­gent­lich kei­nen Platz ha­ben.

What Hap­pe­n­ed to Mon­day? be­zieht sei­ne Span­nung im ers­ten Teil über­wie­gend aus die­sem Hi­de-and-seek-Sze­na­rio, in dem Noo­mi Ra­pace je­der der sie­ben er­wach­se­nen Schwes­tern – un­ter Ein­satz von Pe­rü­cken-, Schmin­kund Schau­spiel­kunst – ein an­de­res Ge­sicht ver­leiht. Na­tür­lich geht die Un­ver­wech­sel­bar­keit mit ein­di­men­sio­na­ler Cha­rak­ter­zeich­nung ein­her, doch ge­fragt sind hier oh­ne­hin nur Ty­pen. Denn der Läs­si­gen, der In­tel­lek­tu­el­len, der Sport­li­chen usw. wird je­weils ei­ne spe­zi­el­le Auf­ga­be und Funk­ti­on zu­fal­len, als Mon­day ei­nes Mon­tags nicht mehr auf­taucht.

Ab die­sem Zeit­punkt macht sich die Schwes­tern­ban­de un­ter der Re­gie von Ac­tion­hand­wer­ker Tom­my Wir­ko­la (Han­sel und Gre­tel: He­xen­jä­ger) auf den Weg, um dem po­li­ti­schen Sys­tem, dem Glenn Clo­se ei­ne eis­kal­te Mas­ke ver­leiht, den Kampf an­zu­sa­gen. Wo­bei sich bald her­aus­stellt, dass zwar nicht die Sum­me der Tei­le für den Er­folg nö­tig ist, aber im­mer­hin die wirk­sa­me Ko­ope­ra­ti­on von Kör­per (lau­fen, sprin­gen, über Dä­cher hech­ten) und Geist (Mo­ni­to­re be­ob­ach­ten, Co­des kna­cken, Flucht­rou­ten fin­den).

Die glo­ba­le Angst vor der Zu­kunft, die das Main­stream­ki­no zur­zeit über die Ma­ßen be­schäf­tigt, be­ant­wor­tet What Hap­pen­ded to Mon­day? der­art mit dem in­di­vi­du­el­len Kampf­geist sei­ner Hel­din. Der Mensch als frak­ta­les Sub­jekt ver­lässt sich am En­de eben ger­ne auf die Ein­zel­ne. Jetzt im Ki­no

Da wa­ren es noch sie­ben: Noo­mi Ra­pace hat in „What Hap­pe­n­ed to Mon­day?“so vie­le Rol­len wie die Wo­che Ta­ge.

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