So lus­tig wie das Su­s­pen­se-Ki­no sind sie schon lan­ge

„Die 39 Stu­fen“nach Al­f­red Hitch­cock in den Kam­mer­spie­len des Wie­ner Jo­sef­stadt-Thea­ters

Der Standard - - KULTUR - Ro­nald Pohl

Wi­en – Die Ant­wort auf die Fra­ge nach der Be­deu­tung von Al­f­red Hitch­cocks Die 39 Stu­fen scheint recht ein­deu­tig: Es gibt sie nicht, trotz An­deu­tung ei­nes gleich­na­mi­gen Spio­na­ge­rings. Was vor­liegt, ist ein wah­res Schmuck­stück von Film aus dem Jahr 1935. Ein Mann na­mens Han­nay wird von ei­ner Mi­gran­tin heim­ge­sucht. Der Da­me wird nach­ge­stellt. Prompt kommt sie ge­walt­sam ums Le­ben. Ihr Gast­ge­ber wähnt sich dar­auf­hin ver­folgt und reist von Lon­don nach Schott­land, um ei­ne Ver­schwö­rung auf­zu­de­cken, die nie glaub­haft in Er­schei­nung tritt.

Ein­zig das sich über­stür­zen­de Tem­po des Films hält den ver­wor­re­nen Plot am Lau­fen. Hier, an die­sem heik­len tech­ni­schen Punkt, fühlt das bür­ger­li­che Lach- und Krach­thea­ter sich in sei­ner Eh­re un­sitt­lich be­rührt. So ra­sant, schlüpf­rig und da­bei so si­tua­ti­ons­elas­tisch ko­misch wie Hitch­cock er­zählt man in den Kam­mer­spie­len des Wie­ner Jo­sef­stadt­Thea­ters schon lan­ge!

Und was soll man sa­gen: Re­gis­seur Wer­ner So­bot­ka und sein un­fass­bar be­weg­li­ches Schau­spie- ler­quar­tett be­hal­ten ei­ni­ger­ma­ßen recht. Alex­an­der Pschill (als Han­nay) und Ruth Brau­er-Kvam (in al­len re­le­van­ten Da­men­rol­len) bil­den den ko­mö­di­an­ti­schen Kern die­ser Ver­fol­gungs­jagd auf un­be­kannt.

Pschill kol­la­bo­riert auf ge­ra­de­zu un­an­stän­di­ge Wei­se mit dem Pu­bli­kum. Sein rol­len­des Au­gen­spiel er­in­nert nach­drück­lich an die Kin­der- und Ju­gend­zeit des Ton­films. Pschill gibt sehr sym­pa­thisch den Aben­teu­rer aus dem Geist des Klas­sen­dün­kels. Er muss die Kunst der Ver­stel­lung prak­ti­zie­ren und, ganz ent­schei­dend im Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich: Er darf un­ter kei­nen Um­stän­den die Fas­sung ver­lie­ren.

Brau­er-Kvam bril­liert zu­nächst als exil­rus­si­sche Exo­tin: ein ero­ti­scher Druck­koch­topf. Spä­ter mar­kiert sie laut Thea­ter­dreh­buch (von Patrick Bar­low) das pa­ten­te Mäd­chen, an des­sen Sei­te man lie­bend ger­ne durch Schott­lands un­wirt­li­ches Hoch­land stie­felt und an das man sich mit Hand­schel­len ket­tet. Das Hitch­cockB­lond steu­ert die Pe­rü­cken­ma­cher­innung bei.

Gruß aus der Fa­b­rik

Ge­ra­de­zu die­bisch freut man sich über Bo­ris Pfei­fer und Mar­kus Kof­ler, die als Sta­tis­ten in Se­kun­den­schnel­le den Ton­fall, die Be­völ­ke­rungs­grup­pe oder die se­xu­el­le Ori­en­tie­rung wech­seln. Die Ku­lis­sen und Re­qui­si­ten? Sind ein Gruß aus der Sperr­holz­fa­brik (Aus­stat­tung: Karl Feh­rin­ger, Ju­dith Lei­k­auf). Die­ser Abend? Ist das per­fek­te post­ki­ne­ma­to­gra­fi­sche Lach­an­ge­bot. Man kann es ge­trost nut­zen. pwww. jo­sef­stadt.org

Fo­to: Ri­ta New­man

B. Pfei­fer, A. Pschill, M. Kof­ler, R. Brau­er-Kvam (v. li.).

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