Von der Ar­beits­wei­se der Künst­ler­werk­stät­ten im 17. Jahr­hun­dert kün­den zahl­rei­che Wer­ke, die kom­men­de Wo­che im Do­ro­the­um zur Ver­stei­ge­rung kom­men. Im Fo­kus ste­hen Ge­mäl­de von Pe­ter Paul Ru­bens.

Der Standard - - SPEZIAL -

Kath­rin Hein­rich

Wi­en – Bei der Herbst­auk­ti­on der Al­ten Meis­ter im Do­ro­the­um (17. 10.) strah­len heu­er Wer­ke des 17. Jahr­hun­derts am hells­ten: der prä­zi­se He­ra­klith des Ca­ra­vag­gis­ten Ju­se­pe de Ri­be­ra et­wa oder die prä­sur­rea­lis­ti­schen Jah­res­zei­ten­bil­der Lo Spa­di­nos. Aber be­son­ders der Blick auf die Nie­der­län­der lohnt.

Ei­ne Se­bas­ti­an Vran­cx zu­ge­schrie­be­ne Win­ter­land­schaft zeigt ein Spek­ta­kel, das in Ant­wer­pen Ge­sell­schafts­schich­ten ver­band. Beim Kar­ne­val traf sich Arm und Reich im Pu­bli­kum ei­ner Com­me­dia-dell-Ar­te-Trup­pe auf dem zu­ge­fro­re­nen Stadt­gra­ben – Fes­te, die so­zia­le Span­nun­gen mil­der­ten.

In Ant­wer­pen wirk­te ab 1609 auch Pe­ter Paul Ru­bens, nach­dem er von Erz­her­zog Al­brecht und Erz­her­zo­gin Isa­bel­la Cla­ra Eu­ge­nia von Ös­ter­reich zum Hof­ma­ler er­nannt wur­de – acht Wer­ke mit dem Na­men des Meis­ters kom­men im Do­ro­the­um zur Ver­stei­ge­rung.

Ob­wohl das erz­her­zog­li­che Paar die spa­ni­schen Nie­der­lan­de von Brüs­sel aus re­gier­te, er­hielt Ru­bens die Er­laub­nis, sich in Ant­wer­pen nie­der­zu­las­sen. Dort er­rich­te­te er sich 1610, in­spi­riert von sei­nen Stu­di­en der ita­lie­ni­schen Re­nais­sance­ar­chi­tek­tur, ein selbst­ent­wor­fe­nes Haus.

Ein Por­ti­kus ver­band den Wohn­be­reich des Künst­lers mit sei­nem Stu­dio, in dem er schnell ei­nen um­fang­rei­chen Werk­stattbe­trieb auf­nahm – mit zahl­rei­chen Mit­ar­bei­tern und Schü­lern wie Ant­ho­nis van Dyck oder Ja­cob Jor­da­ens. Die Wer­ke im Do­ro­the­um zeu­gen von der Ar­beits­wei­se die­ser Werk­statt, die kon­trär zum heu­ti­gen Ver­ständ­nis von Au­tor­schaft und Au­then­ti­zi­tät ei­nes Ge­mäl­des steht. Vie­le Hän­de, die heu­te oft nicht mehr zu schei­den sind, wa­ren da be­tei­ligt – auch, weil Ru­bens selbst sei­nen Na­men (wie auch Dü­rer oder die Brueg­hels) als Mar­ke ver­stand: Im Brief an Sir Dud­ley Car­le­ton er­läu­ter­te er, dass von Mit­ar­bei­tern aus­ge­führ­te Wer­ke als Ori­gi­nal be­trach­tet wer­den müss­ten, wenn er sie selbst ge­plant und auch über­ar­bei­tet hat­te.

Por­träts mit Macht­an­spruch

Die Por­träts des erz­her­zog­li­chen Paars zäh­len zu die­sen Werk­statt­ar­bei­ten. Sie wur­den zu Ru­bens Leb­zei­ten in sei­nem Stu­dio aus­ge­führt, um die of­fi­zi­el­le Iko­no­gra­fie des Hofs zu ver­brei­ten. Ei­ne klei­ne­re Va­ria­ti­on des Ge­mäl­des von Me­le­ager und Atalan­te in der Al­ten Pi­na­ko­thek in Mün­chen weist zahl­rei­che Über­ar­bei­tun­gen auf, wie sie der Meis­ter selbst vor­nahm, um Vor­la­gen zur druck­gra­fi­schen Re­pro­duk­ti­on zu schaf­fen.

Die er­freu­ten sich gro­ßer Po­pu­la­ri­tät und be­scher­ten Ru­bens ein ein­träg­li­ches Ge­schäft. Auch Gra­fi­ken des zu ver­stei­gern­den Öl­ge­mäl­des Das Je­sus­kind und der Jo­han­nes­kna­be wa­ren be­liebt, es ist ei­ne von meh­re­ren Werk­statt­ver­sio­nen, die Hin­wei­se auf die Bild­idee des ver­lo­re­nen Pro­to­typs ge­ben. Zwei Öl­bil­der – Bild­nis des Adria­en Ba­ecx van Ba­er­land und Die Wun­der des hei­li­gen Igna­ti­us von Lo­yo­la – kön­nen nicht zwei­fels­frei Ru­bens’ Werk­statt zu­ge­schrie­ben wer­den, ob­wohl sie in ih­rem Stil zeit­gleich ent­stan­den. Man spricht da­her vom Um­kreis des Künst­lers.

Wer sich mit der Ar­beits­wei­se Ru­bens’ ver­trau­ter ma­chen möch­te, dem sei der Be­such des Kunst­his­to­ri­schen Mu­se­ums emp­foh­len. Dort wer­den in der Herbst­aus­stel­lung ab 17. Ok­to­ber den Ge­mäl­den des flä­mi­schen Meis­ters Qu­el­len, Vor­bil­der und Zeit­ge­nos­sen ge­gen­über­ge­stellt.

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