FPÖ for­dert 1,3 Mil­li­ar­den mehr für das Bun­des­heer

Ver­hand­lungs­ziel: Er­hö­hung um die Hälf­te Auch EU-Mi­li­tär­uni­on ver­langt Stei­ge­rung

Der Standard - - FORSIDE - (red)

Wi­en – Ob­wohl die Ko­ali­ti­ons­ver­hand­ler von ÖVP und FPÖ Still­schwei­gen zu ih­ren Ge­sprä­chen ver­ein­bart ha­ben, be­stä­tigt man bei den Frei­heit­li­chen zu­min­dest ein Ver­hand­lungs­ziel – näm­lich dass aus ih­rer Sicht das Ver­tei­di­gungs­bud­get auf ein Pro­zent des hei­mi­schen Brut­to­in­lands­pro­dukts an­wach­sen soll. Rein­hard Bösch von der Un­ter­grup­pe „Lan­des­ver­tei­di­gung“sagt un­ter Ver­weis auf das blaue Wahl­pro­gramm zum STAN­DARD: „Wir be­mü­hen uns, das zu er­rei­chen.“

Der­zeit lie­gen die Aus­ga­ben für das Heer mit 2,18 Mil­li­ar­den Eu­ro bei 0,65 Pro­zent des BIP. Geht es nach der FPÖ, sol­len das 3,5 Mil­li­ar­den wer­den, al­so 1,3 Mil­li­ar- den Eu­ro mehr – ein An­stieg um mehr als die Hälf­te des bis­he­ri­gen Bud­gets. Das ent­spricht auch den Wün­schen des Ge­ne­ral­stabs.

Zum Ver­gleich: In Eu­ro­pa ge­ben nur Lu­xem­burg, Mal­ta und Ir­land we­ni­ger als Ös­ter­reich für ih­re Ver­tei­di­gung aus. Das neu­tra­le Schwe­den steckt ein Pro­zent des BIP in sein Mi­li­tär. Zum Zu­stand des Bun­des­hee­res hält Bösch fest: „Was Aus­stat­tung, Per­so­nal, Zu­stand der Ka­ser­nen, Ge­rät be­trifft“, lie­ge man „am Bo­den“. Ob ei­ne Bes­se­rung der Fi­nanz­la­ge schritt­wei­se bis En­de der Le­gis­la­tur­pe­ri­ode oder ad hoc bei Re­gie­rungs­an­tritt er­fol­gen soll, will und kann der Oberst we­gen der ver­ein­bar­ten Dis­kre­ti­on mit der ÖVP nicht be­ant­wor­ten.

ÖVP: „Kei­ne Ver­pflich­tung“

Erst am Mon­tag hat sich ÖVPChef Se­bas­ti­an Kurz aber mit den Au­ßen- und Ver­tei­di­gungs­mi­nis­tern von 22 an­de­ren EU-Staa­ten auf ei­ne „per­ma­nen­te struk­tu­rier­te Zu­sam­men­ar­beit“in Mi­li­tär­fra­gen ge­ei­nigt, kurz Pes­co ge­nannt, die in ei­ner Ver­tei­di­gungs­uni­on mün­den könn­te. In der Grün­dungs­ur­kun­de le­gen sich die Län­der auch auf „re­gel­mä­ßig re­al stei­gen­de Ver­tei­di­gungs­bud­gets“fest. Im Au­ßen­amt von Kurz heißt es da­zu, das sei „kei­ne Ver­pflich­tung“, Brüs­sel kön­ne hier kei­nen Bud­get­pfad vor­ge­ben.

Bösch ist skep­tisch, ob Pes­co um­ge­setzt wird, „da es schon vie­le An­läu­fe“für ei­ne mi­li­tä­ri­sche Uni­on ge­ge­ben ha­be.

Wi­en – Auch wenn aus den Ko­ali­ti­ons­ge­sprä­chen der­zeit kei­ne De­tails durch­si­ckern, zu ei­nem er­klär­ten Ziel der FPÖ steht ihr Wehr­spre­cher Rein­hard Bösch, ei­ner von zwei blau­en Ver­hand­lern in der Un­ter­grup­pe „Lan­des­ver­tei­di­gung“, trotz des mit der ÖVP ver­ein­bar­ten Schwei­ge­ge­lüb­des: dass das Ver­tei­di­gungs­bud­get auf ein Pro­zent des hei­mi­schen BIP auf­ge­stockt wer­den soll. So ha­be er es als Ob­mann des Lan­des­ver­tei­di­gungs­aus­schus­ses im Par­la­ment stets ge­for­dert, so ste­he es auch im blau­en Wahl­pro­gramm – und des­we­gen „be­mü­hen wir uns, das zu er­rei­chen“, er­klärt Bösch im STAN­DARD- Ge­spräch.

Der blaue Plan ist durch­aus ehr­gei­zig, denn: Der­zeit liegt der Etat für das Bun­des­heer ge­ra­de ein­mal bei 2,18 Mil­li­ar­den Eu­ro – was bloß 0,65 Pro­zent des BIP ent­spricht. Das frei­heit­li­che Vor­ha­ben wür­de et­wa bei ei­nem schritt­wei­sen An­he­ben, wie es auch Ge­ne­ral­stabs­chef Othmar Com­men­da un­längst ge­for­dert hat, im End­ef­fekt zu jähr­li­chen Aus­ga­ben von 3,5 Mil­li­ar­den Eu­ro füh­ren.

Böschs Be­grün­dung da­für, war­um die­se deut­li­che An­he­bung nö­tig sei: „Das Bun­des­heer liegt am Bo­den, was Aus­stat­tung, Per­so­nal, Zu­stand der Ka­ser­nen, Ge­rät be­trifft. Wenn man ei­ne bes­se­re Fi­nan­zie­rung ver­hin­dert, be­deu­tet das sei­nen frei­en Fall – und sein Wie­der­auf­bau wür­de da­mit ver­un­mög­licht.“

Da­mit spielt der Oberst auf die Ein­schnit­te beim Mi­li­tär in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren an, ehe im Vor­jahr un­ter Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Hans Pe­ter Do­sko­zil (SPÖ) – vor al­lem un­ter Ver­weis auf Flücht­lings­kri­se und Ter­ror­ge­fahr – erst­mals wie­der In­ves­ti­tio­nen ge­tä­tigt wur­den. Aus dem Bü­ro von In­nen­mi­nis­ter Wolf­gang So­bot­ka, un­ter an­de­ren Böschs tür­ki­ses Ge­gen­über bei den Re­gie­rungs­ge­sprä­chen, heißt zu ei­ner et­wai­gen Er­hö­hung des Ver­tei­di­gungs­bud­gets der­zeit aber nur: Es ge­be „kei­nen Kom­men­tar“zu lau­fen­den Ver­hand­lun­gen.

Zum An­stieg ver­pflich­tet

Da­bei for­miert sich seit der US-Prä­si­dent­schaft von Do­nald Trump in vie­len EU-Staa­ten, mehr­heit­lich auch Mit­glie­der der Na­to, der Wil­le, wie­der mehr für die ei­ge­nen Ar­me­en aus­zu­ge­ben. Da­zu ei­nig­ten sich erst zu Wo­chen­be­ginn 23 EU-Au­ßen- und Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter in Brüs­sel auf ei­ne „per­ma­nen­te struk­tu­ri­er- ten Zu­sam­men­ar­beit“ih­rer Staa­ten in Mi­li­tär­fra­gen, kurz „Pes­co“ge­nannt, dar­un­ter auch Au­ßen­mi­nis­ter und wohl Dem­nächst-Kanz­ler Se­bas­ti­an Kurz (ÖVP). Der ers­te Schritt auf dem Weg zu ei­ner Ver­tei­di­gungs­uni­on, der Mit­te De­zem­ber bei ei­nem EU-Gip­fel pak­tiert wird, soll die Uni­on un­ab­hän­gi­ger von den USA ma­chen. Als Neu­tra­ler wird sich Ös­ter­reich kei­nes­falls an et­wai­gen Kampf­trup­pen be­tei­li­gen, bis En­de No­vem­ber prüft aber das Ver­tei­di­gungs­res­sort, ob man mit an­de­ren EU-Staa­ten et­wa Sy­ner­gi­en bei der Ge­birgs­jä­ge­r­aus­bil­dung, bei der Of­fi­ziers­aus­bil­dung oder bei der Cy­ber­tech­nik an­strebt.

Da­zu ver­pflich­ten sich die teil­neh­men­den Län­der laut Grün­dungs­ur­kun­de zu zwan­zig bin­den­den Ver­pflich­tun­gen – dar­un­ter „re­gel­mä­ßig re­al stei­gen­de Ver­tei­di­gungs­bud­gets“. Wört­lich heißt es zu den „com­mit­ments“in dem Do­ku­ment un­ter „Annex II Punkt 1“, das dem STAN­DARD vor­liegt: „Re­gu­lar­ly in­cre­a­sing de­fence bud­gets in re­al terms, in or­der to reach agreed ob­jec­tives.“

Im Au­ßen­amt von Kurz heißt es da­zu, da­bei hand­le es sich um „kei­ne Ver­pflich­tung“, son­dern „ei­ne Wil­lens­be­kun­dung“. Brüs­sel kön­ne die EU-Staa­ten zu kei- nem Bud­get­pfad bei der Ver­tei­di­gung ver­pflich­ten – und über­haupt hand­le es sich da­bei um „ei­ne rechts­un­ver­bind­li­che Emp­feh­lung“.

FPÖ-Mann Bösch wie­der­um ist skep­tisch, ob Pes­co tat­säch­lich um­ge­setzt wird, „da es schon vie­le An­läu­fe“in der EU für ei­ne mi­li­tä­ri­sche Uni­on ge­ge­ben ha­be. Bis­her oh­ne Er­folg. Sein Fa­zit: „Es ist un­ge­wiss, ob es je ge­lin­gen wird, ne­ben der Na­to ei­ne an­de­re Struk­tur auf­zu­set­zen und zu fi­nan­zie­ren.“

Fo­to: Bun­des­heer / Pusch

Der­zeit wird EU-Ko­ope­ra­ti­on bei Ge­birgs­jä­ge­r­aus­bil­dung ge­prüft.

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