Dämp­fer für Schrems

Face­book- Sam­mel­kla­ge un­wahr­schein­lich

Der Standard - - FORSIDE - (red)

Lu­xem­burg – Die vor drei Jah­ren von Da­ten­schüt­zer Max Schrems in­iti­ier­te Sam­mel­kla­ge ge­gen Face­book dürf­te wohl für un­zu­läs­sig er­klärt wer­den. Der Ge­ne­ral­an­walt des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hofs (EuGH) sprach sich am Di­ens­tag da­ge­gen aus, dass Nut­zer aus un­ter­schied­li­chen Län­dern ih­re Rech­te an Schrems ab­tre­ten kön­nen. Die Rich­ter fol­gen meist der Mei­nung des Ge­ne­ral­an­walts, ein Ur­teil wird für An­fang 2018 er­war­tet.

Al­ler­dings soll Schrems wei­ter­hin als Ver­brau­cher kla­gen dür­fen. Face­book hat­te ar­gu­men­tiert, er ver­die­ne Geld mit sei­nem En­ga­ge­ment, Schrems be­zeich­ne­te dies als „Schmutz­kü­bel­kam­pa­gne“. Der Ge­ne­ral­an­walt stellt sich hier auf die Sei­te des Wie­ner Ju­ris­ten. Die­ser plant of­fen­bar ei­ne eu­ro­päi­sche Da­ten­schutz-NGO.

Face­book ge­riet recht­lich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ins Schwim­men: Welt­weit nah­men Be­hör­den, Po­li­tik und un­ab­hän­gi­ge Ge­rich­te die Ak­ti­vi­tä­ten des So­ci­al-Me­di­aHe­ge­mons un­ter die Lu­pe. Et­wa der US-Kon­gress, der mo­men­tan in zwei Un­ter­su­chungs­aus­schüs­sen rus­si­sche Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gnen auf Face­book un­ter­sucht.

In Eu­ro­pa ist vor al­lem der Na­me Max Schrems mit dem Kampf ge­gen Da­ten­schutz­ver­let­zun­gen der so­zia­len Me­di­en­platt­form ver­bun­den. Seit mehr als drei Jah­ren plant der Wie­ner Ju­rist ein spek­ta­ku­lä­res Ver­fah­ren ge­gen den IT-Kon­zern: 25.000 Face­book-Nut­zer soll­ten ih­re Rech­te an Schrems ab­tre­ten, der dann in ih­rem Na­men in Wi­en ge­gen Face­book pro- zes­sie­ren und 500 Eu­ro Scha­den­er­satz ein­kla­gen woll­te. In­halt­lich geht es um Da­ten­schutz­ver­let­zun­gen, al­so et­wa um die Wei­ter­ga­be von per­sön­li­chen In­for­ma­tio­nen an US-Ge­heim­diens­te. Be­trof­fen da­von sind al­le Nut­zer, die ei­nen Ver­trag mit Face­book Ir­land ab­ge­schlos­sen ha­ben – al­so al­le User, die nicht in den USA oder in Ka­na­da wohn­haft sind. Sie soll­ten ge­mein­sa­me Sa­che ma­chen und mit Schrems pro­zes­sie­ren. Doch der Ge­ne­ral­an­walt des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hofs (EuGH) ver­pass­te dem Plan nun ei­nen deut­li­chen Dämp­fer.

Er sei nicht der An­sicht, dass die­se Form der grenz­über­schrei­ten­den Sam­mel­kla­ge zu­läs­sig sei, sag­te Ge­ne­ral­an­walt Michal Bo­bek am Di­ens­tag. Bo­bek er­kann­te den „ef­fek­ti­ven ge­richt­li­chen Schutz der Ver­brau­cher“an, den Sam­mel­kla­gen auf­wie­sen. Bo­bek plä­dier­te je­doch da­für, dass ak­tu­el­len po­li­ti­schen Über­le­gun­gen zur Ein­füh­rung EU-wei­ter Sam­mel­kla­gen „nicht von Ge­rich­ten vor­ge­grif­fen“wer­den sol­le.

Das ist mehr als nur ein Vor­ge­schmack auf das Ur­teil der Rich­ter: Die­se fol­gen den An­sich­ten der Ge­ne­ral­an­wäl­te zwar nicht im­mer, aber meis­tens. Schrems sei zwar nicht „be­son­ders er­freut“, setzt aber noch Hoff­nun­gen in den Rich­ter­spruch, der An­fang 2018 zu er­war­ten ist. Ei­ne Zu­las­sung der ge­plan­ten Sam­mel­kla­ge hät­te gra­vie­ren­de Aus­wir­kun­gen auf den eu­ro­päi­schen Kon­su­men­ten­schutz. Dann könn­ten Ver­bän­de die Kla­gen von Nut­zern aus ganz Eu­ro­pa sam­meln und ge­gen die EU-Nie­der­las­sun­gen gro­ßer Kon­zer­ne ein­rei­chen.

„Emo­tio­na­le Hor­ror­ge­schich­ten“

Doch der Ge­ne­ral­an­walt des EuGH warn­te vor so­ge­nann­tem Fo­rumShop­ping, bei dem sich Klä­ger den für sie am bes­ten ge­eig­ne­ten Ge­richts­stand aus­wäh­len kön­nen. Für Schrems sind die­se Ar­gu­men­te „lei­der nicht nach­voll­zieh­bar“.

Der Da­ten­schüt­zer weist dar­auf hin, dass „EU-Bür­ger und Un­ter­neh­men je- der­zeit ih­ren Sitz und da­mit auch das zu­stän­di­ge Ge­richt än­dern kön­nen.“Er denkt, dass Face­book „mit sei­nen emo­tio­na­len Hor­ror­ge­schich­ten ge­punk­tet hat, wo­nach ei­ne kol­lek­ti­ve Durch­set­zung von Ver­brau­cher­rech­ten höchst be­denk­lich wä­re“. Ein Face­book-Spre­cher be­grüß­te die Aus­sa­gen des Ge­ne­ral­an­walts.

Wenn ei­ne Sam­mel­kla­ge nicht mög­lich sei, müss­te laut Schrems „in tau­sen­den Ge­rich­ten in der EU ei­ne wort­glei­che Kla­ge ge­gen Face­book“ein­ge­bracht wer­den. Der Da­ten­schüt­zer wird aber zu­min­dest in sei­nem Na­men wei­ter­pro­zes­sie­ren kön­nen. Denn der Ge­ne­ral­an­walt stell­te sich ein­deu­tig ge­gen das Ar­gu­ment von Face­book, dass Schrems kein „Ver­brau­cher“sei, weil er mit sei­nem En­ga­ge­ment ge­gen Face­book Geld ver­die­nen wol­le. Schrems be­zeich­ne­te dies als „Schmutz­kü­bel­kam­pa­gne“.

Der Ge­ne­ral­an­walt stell­te klar, dass je­der, der sich un­be­zahlt ge­sell­schaft­lich en­ga­giert, wei­ter­hin „Ver­brau­cher“bleibt. Max Schrems kämpft mo­men­tan an meh­re­ren Fron­ten ge­gen Da­ten­schutz­ver­let­zun­gen von Face- book. Ne­ben der „Sam­mel­kla­ge“, de­ren Zu­kunft nun bis zum Rich­ter­spruch An­fang 2018 un­klar ist; pro­zes­siert Schrems in Ir­land wei­ter­hin ge­gen Face­book. Die­ser Fall war be­reits vor dem EuGH ge­lan­det, der dar­auf­hin das trans­at­lan­ti­sche Da­ten­ab­kom­men „Sa­fe Har­bor“ge­kippt hat.

Nun ver­wies der iri­sche High Court den­sel­ben Fall noch ein­mal an den EuGH. Da­bei geht es um den Wi­der­spruch, dass EU-Recht Bür­ger vor Über­wa­chung schüt­zen soll, wäh­rend US-Recht US-ame­ri­ka­ni­sche Un­ter­neh­men zur Wei­ter­ga­be von Da­ten an Po­li­zei und Ge­heim­diens­te ver­pflich­tet. Face­book kann sich je­den­falls nicht zu­rück­leh­nen. Ne­ben den zwei Schrems-Fäl­len plant die EU-Kom­mis­si­on et­wa ei­ne Un­ter­su­chung der Da­ten­wei­ter­ga­be von Face­book-Toch­ter Whatsapp an den IT-Kon­zern.

Ne­ben Da­ten­schutz­ver­let­zun­gen ge­rät der Kon­zern po­li­tisch auch we­gen sei­ner Rol­le bei der Ver­brei­tung von Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gnen und sei­nem oft als zu lasch kri­ti­sier­ten Vor­ge­hen ge­gen Hass­pos­tings un­ter Druck.

Fo­to: Reu­ters/Kil­coy­ne

Die Plä­ne von Da­ten­schüt­zer Max Schrems er­lit­ten vor dem EuGH ei­nen leich­ten Dämp­fer.

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