Bio­an­bau könn­te die gan­ze Welt er­näh­ren

Kom­plet­ter Um­stieg im Jahr 2050 wä­re bei we­ni­ger Fleisch­kon­sum mög­lich

Der Standard - - FORSCHUNG SPEZIAL -

Frick/Wi­en – Die In­ten­si­vie­rung der Land­wirt­schaft und ih­re hö­he­ren Ern­te­er­trä­ge ha­ben in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten das An­ge­bot von Nah­rungs­mit­teln er­heb­lich ge­stei­gert. Die Kehr­sei­te wa­ren Um­welt­schä­den: Es kam zu ei­nem An­stieg von Treib­haus­ga­sen, ei­nem Über­maß von Stick­stoff im Bo­den und dem Ver­lust von Bi­o­di­ver­si­tät durch Mo­no­kul­tu­ren, um nur die wich­tigs­ten Bei­spie­le zu nen­nen.

Bio­lo­gi­sche Land­wirt­schaft gilt als Ge­gen­trend, der die­se ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen mi­ni­mie­ren könn­te: Bi­o­bau­ern ver­wen­den we­der künst­li­chen Dün­ger noch Pes­ti­zi­de, wahrt die Ar­ten­viel­falt, för­dert ge­schlos­se­ne Nähr­stoff­kreis­läu­fe und wird so­mit ins­ge­samt als sehr viel we­ni­ger um­welt­schäd­lich ge­se­hen.

Es gibt aber auch kri­ti­sche Stim­men, die da­von aus­ge­hen, dass die­se Art von Land­wirt­schaft un­mög­lich die gan­ze Welt er­näh­ren könn­te. Als Grün­de da­für wer­den die für den Bio­land­bau zu­sätz­lich be­nö­tig­ten, je­doch nicht ver­füg­ba­ren An­bau­flä­chen ge­nannt.

Mehr Bio bei glei­cher Flä­che

For­scher rund um Adri­an Mül­ler (For­schungs­in­sti­tut für bio­lo­gi­schen Land­bau in Frick, Schweiz) be­rich­ten nun aber im Fach­blatt Na­tu­re Com­mu­ni­ca­ti­ons, dass dies sehr wohl funk­tio­nie­ren könn­te. Da­bei si­mu­lier­ten sie für das Jahr 2015 ei­nen rein bio­lo­gi­schen An­bau – und zwar auf Ba­sis künf­ti­ger Kli­ma­wan­delsze­na­ri­en und ei­ner Welt­be­völ­ke­rung von neun Mil­li­ar­den Men­schen.

Um nicht wei­te­re Flä­chen für den An­bau um­wan­deln zu müs­sen, brauch­te es Be­gleich­maß­nah­men: So müss­ten Nah­rungs­mit­tel­ab­fäl­le um die Hälf­te re­du­ziert wer­den und der Pro­te­in­kon­sum aus Fleisch­pro­duk­ten von 38 auf elf Pro­zent sin­ken. Auf die­se Wei­se wür­den we­ni­ger Flä­chen für den An­bau von Nutz­tier­fut­ter ver­schwen­det wer­den und mehr Flä­chen für Bio­an­bau zur Ver­fü­gung ste­hen. Tie­ri­sches Pro­te­in könn­te durch Ei­weiß aus Hül­sen­früch­ten kom­pen­siert wer­den.

Die For­scher be­rech­ne­ten aber auch, dass ei­ne kom­plet­te Um­stel­lung auf bio­lo­gi­sche Land­wirt­schaft oh­ne die­se not­wen­di­gen Maß­nah­men 16 bis 33 Pro­zent mehr Land be­nö­ti­gen wür­de, um die ge­sam­te Welt­be­völ­ke­rung zu er­näh­ren. (krop)

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