Ser­vus, Herr Dr. Ot­to!

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Ken­nen Sie den Herrn Dr. Ot­to? Ich auch nicht, aber er hat mir ge­schrie­ben: Mit ei­nem „Ser­vus Frau Har­rer“hat er mir sei­ne Di­ens­te ver­spro­chen, je­den­falls ver­ste­he ich es so, wenn mich je­mand, der nicht mein Ha­be­rer ist, so an­re­det. Und tat­säch­lich, jetzt kann er sich wie­der „voll und ganz auf Ih­re“– al­so meine – „Wün­sche kon­zen­trie­ren“, schreibt mir der Herr Dr. Ot­to.

Ja, ich hät­te tat­säch­lich ei­nen Wunsch an den Herrn Dr. Ot­to. Wie ge­sagt, ich ken­ne ihn zwar nicht, aber ich ha­be ihm Geld ge­lie­hen. Auf der Home­page sei­ner Fir­ma, der Aus­tri­an Air­lines, ist den klein­ge­druck­ten „Flug­gast­rech­ten“zu ent­neh­men, dass er mir das Geld für meine zwei ge­stri­che­nen Flü­ge längst zu­rück­zah­len hät­te müs­sen. Aber da wir al­le im sel­ben Co­ro­na-Boot sa­ßen und der Staat – al­so un­ter an­de­rem ich – die AUA zu­erst ret­ten muss­te, da­mit der Herr Dr. Ot­to mir so ei­nen „Ser­vus“-Brief schrei­ben kann, dach­te ich mir: Bist du nett und leihst dem Herrn Dr. Ot­to dein Geld, das er dir längst hät­te zu­rück­ge­ben müs­sen, noch ein biss­chen län­ger. Als Chief Com­mer­ci­al Of­fi­cer hat er es ja auch nicht im­mer ganz leicht.

Aber nun­mehr, da mein Geld Num­mer zwei (450 Mil­lio­nen) bei Herrn Dr. Ot­to im An­marsch ist, könn­te er mir mein Geld Num­mer eins (et­wa 1000 Eu­ro) doch lang­sam wie­der zu­rück­ge­ben. Oder eher bit­te schnel­ler als lang­sam. Die Sa­che mit der Sam­mel­kla­ge ist ir­gend­wie un­ele­gant, un­ter Per­so­nen, die ein­an­der mit Ser­vus an­re­den!

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