Ri­se

Gi­on hin­aus zu spü­ren.

Die Presse am Sonntag - - Ausland - Von Wie­land Schnei­der

Auch ei­ne wei­te­re wich­ti­ge Wei­chen­stel­lung im Jahr 2015 hat die Po­si­ti­on As­sads ge­stärkt: Russ­land greift seit Ok­to­ber mit sei­ner Luft­waf­fe di­rekt auf­sei­ten des sy­ri­schen Re­gimes ein. Der Kampf für den ge­mein­sa­men Ver­bün­de­ten As­sad hat zu ei­ner neu­en Al­li­anz ge­führt: Ira­ni­sche Eli­te­ein­hei­ten zie­hen am Bo­den mit sy­ri­schen Trup­pen in die Schlacht ge­gen die Re­bel­len, Russ­land un­ter­stützt die Ope­ra­tio­nen aus der Luft. Den IS traf bis­her nur ein Teil der rus­si­schen An­grif­fe.

Doch die Ji­ha­dis­ten muss­ten 2015 in Nord­sy­ri­en schmerz­haf­te Nie­der­la­gen ein­ste­cken: Im Jän­ner wur­den sie von der Stadt Ko­ba­ne zu­rück­ge­drängt. Kur­di­sche Volks­ver­tei­di­gungs­ein­hei­ten ver­trie­ben mit US-Luft­un­ter­stüt­zung den IS aus dem Groß­teil des sy­risch-tür­ki­schen Grenz­ge­bie­tes. Da­mit ha­ben sich Sy­ri­ens Kur­den – zum Är­ger der Tür­kei – als wich­ti­ger Fak­tor im Kampf ge­gen die Ji­ha­dis­ten ins Spiel ge­bracht.

Schwe­den, wälz­te Plä­ne zur frei­wil­li­gen Ver­tei­lung von Flücht­lin­gen und droh­te dem un­wil­li­gen Rest mit fi­nan­zi­el­len Kon­se­quen­zen.

Deutsch­land fällt in die­ser Si­tua­ti­on ei­ne zen­tra­le Rol­le zu. Mit ih­rer mehr­mals wie­der­hol­ten An­sa­ge, Hilfs­be­reit­schaft ken­ne kei­ne nu­me­ri­schen Ober­gren­zen, hat An­ge­la Mer­kel die Tür zu ei­ner Ent­schär­fung der La­ge mit­tels Kon­tin­gen­tie­rung der Flücht­lin­ge in Eu­ro­pa ver­sperrt. Nun muss sie da­für sor­gen, dass 2016 nicht so vie­le Men­schen nach Eu­ro­pa kom­men wie 2015. Ein­fach wird das nicht – Ex­per­ten schät­zen, dass al­lein in Af­gha­nis­tan ei­ne Mil­li­on Men­schen die Flucht nach Eu­ro­pa pla­nen. Dass die deut­schen Bür­ger noch so ein Jahr wie 2015 nicht hin­neh­men wer­den, weiß auch Mer­kel – da­her auch ih­re in­ten­si­ven Be­mü­hun­gen, die Tür­kei da­zu zu brin­gen, mit al­len zur Ver­fü­gung ste­hen­den (Ge­walt-)Mit­teln Flücht­lin­ge dar­an zu hin­dern, nach Eu­ro­pa zu kom­men. Heu­che­lei. Den Vor­wurf der Heu­che­lei nimmt sie da­für in Kauf – es wä­re ein ge­rin­ger Preis für das Ver­sie­gen des Flücht­lings­stroms. Doch zu­nächst ein­mal muss der Strom in der Tat ver­sie­gen. Spä­tes­tens im Früh­jahr, wenn das Mit­tel­meer wie­der ru­hi­ger ist, wer­den die li­by­schen Men­schen­schmugg­ler ihr Ge­schäft wie­der auf­neh­men. Und im Ge­gen­satz zur Tür­kei gibt es in Li­by­en kei­nen star­ken Mann, mit dem man ei­nen De­al ma­chen könn­te.

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