FAK­TEN

Die Presse am Sonntag - - Ausland -

Di­plo­ma­tie.

Am 14. Ju­li prä­sen­tier­ten die Au­ßen­mi­nis­ter der USA, Groß­bri­tan­ni­ens, Frank­reichs, Deutsch­lands, Russ­lands, Chi­nas und die EU-Au­ßen­be­auf­trag­te ge­mein­sam mit dem ira­ni­schen Chef­di­plo­ma­ten nach mehr als zwölf­jäh­ri­gen Ver­hand­lun­gen ein Ab­kom­men im Atom­kon­flikt mit Teheran. Vier Mo­na­te spä­ter, ei­nen Tag nach der Ter­ror­se­rie in Pa­ris, ei­nig­ten sich 20 Au­ßen­mi­nis­ter in Wi­en auf ei­nen Fahr­plan für ei­ne Lö­sung im Sy­ri­en­Krieg.

Krieg.

Seit dem An­schlag im süd­tür­ki­schen Su­ru¸c En­de Ju­li führt die Tür­kei Krieg ge­gen den IS und mehr noch ge­gen die PKK. Zwei Mo­na­te spä­ter griff Russ­land an der Sei­te As­sads im Sy­ri­en­Krieg ein. spielt Er­do­gan˘ sei­ne neue Macht aus. Als Kon­trol­leur des Flücht­lings­stroms aus Nah­ost ist die Tür­kei plötz­lich in Brüssel und Ber­lin wie­der oben­auf und in­ter­na­tio­nal wohl­ge­lit­ten, und auch ge­gen­über dem eins­ti­gen Part­ner Is­ra­el bahnt sich ei­ne Wie­der­an­nä­he­rung an.

Die neu­en Freun­de im Wes­ten kom­pen­sie­ren die neue Feind­schaft An­ka­ras mit Mos­kau und die al­te Ri­va­li­tät mit Teheran. Der Atom­de­al mit dem Iran be­flü­gel­te das Re­form­la­ger im Got­tes­staat, doch der zä­he Macht­kampf mit Aya­tol­lah Ali Kha­men­ei, dem obers­ten Füh­rer, mit der Jus­tiz und den Re­vo­lu­ti­ons­gar­den wogt hin und her. Die west­li­chen Sank­tio­nen hat­ten die Hard­li­ner im Atom­kon­flikt in die Knie ge­zwun­gen. Nächs­ter In­di­ka­tor sind die Wah­len zum Par­la­ment und zum Ex­per­ten­rat in zwei Mo­na­ten.

Der glo­ba­le Kampf ge­gen die Ter­ror­mi­li­zen des Is­la­mi­schen Staats (IS) hat die Re­lik­te der Macht des sy­ri­schen Dik­ta­tors Bas­har al-As­sad, der nicht mü­de wird, in In­ter­views zy­nisch über den Wes­ten her­zu­zie­hen, ze­men­tiert. Die Ein­fluss­sphä­re ist zu­guns­ten der zwei­ten Schutz­macht, des Iran, ver­scho­ben. Der Stell­ver­tre­ter­krieg mit den schii­ti­schen Erz­ri­va­len des Mul­lah-Re­gimes im Je­men rief die neue sau­di­sche Füh­rung auf den Plan, die neu­er­dings ei­ne ag­gres­si­ve­re Au­ßen­po­li­tik ver­folgt. Vi­ze­kron­prinz und Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Mo­ham­med bin Sal­man, der am­bi­tio­nier­te, 30-jäh­ri­ge Kö­nigs­sohn, warf im Hin­ter­hof des Kö­nig­reichs die Ar­mee in die Schlacht. Jüngst hob er so­gar ei­ne ei­ge­ne, po­rö­se An­ti-Ter­ror-Al­li­anz aus der Tau­fe. Ge­ne­rä­le dan­ken ab. An­ders­wo, in Ku­ba, Venezuela und in Bur­ma, dräut in­des­sen die Däm­me­rung der Po­ten­ta­ten. In der Ka­ri­bik steht das letz­te kom­mu­nis­ti­sche „Pa­ra­dies“ne­ben der St­ein­zeit-Dik­ta­tur in Nord­ko­rea vor dem schlei­chen­den Um­bruch. Im Zu­ge der Öff­nung nach mehr als 50 Jah­ren ha­ben die USA und Ku­ba ih­re Bot­schaf­ten in Ha­van­na und Wa­shing­ton wie­der­er­öff­net, und Ba­rack Oba­ma und Raul´ Cas­tro ha­ben sich in Pa­na­ma zu ei­nem wohl­wol­len­den Te­te-ˆa-`te­teˆ ge­trof­fen. Von der Macht wol­len frei­lich we­der Cas­tro noch sein ve­ne­zo­la­ni­scher Schütz­ling Nicolas´ Ma­du­ro nach dem jüngs­ten Wahl­de­ba­kel in Caracas so schnell las­sen. In Bur­ma zeich­net sich nach dem ful­mi­nan­ten Wahl­sieg der Frie­dens­no­bel­preis­trä­ge­rin Aung Sang Suu Kyi da­ge­gen ein En­de der Ära der Ge­ne­rä­le ab.

Nur in Chi­na bleibt al­les beim Al­ten. Un­be­irrt von den Tur­bu­len­zen rings­um ließ sich Staats­chef Xi Jin­ping im Wei­ßen Haus in Wa­shing­ton ein Staats­ban­kett aus­rich­ten und in Lon­don von der Queen wie ein Kai­ser in den Bucking­ham Pa­lace kut­schie­ren.

Chi­nas Prä­si­dent Xi lässt sich im Wei­ßen Haus und im Bucking­ham Pa­lace ho­fie­ren.

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