Tro­cken und heiß: Das Jahr des Gar­ten­schlauchs

2015. Das Jahr war von dau­ern­dem, stun­den­lan­gem Gar­ten­gie­ßen ge­prägt, was nie­mals wie­der vor­kom­men wird, wenn man sich von den durs­ti­gen un­ter den Gar­ten­pflan­zen ver­ab­schie­det.

Die Presse am Sonntag - - Österreich - VON UTE WOLTRON

Das nun­mehr alt ge­wor­de­ne Jahr wird in die Er­in­ne­rung ein­ge­hen. Aus vie­len Grün­den. Nicht zu­letzt wird es auch vor al­lem des­we­gen schau­er­lich gut im Ge­dächt­nis blei­ben, weil es ein lan­ger, nicht en­den wol­len­der Som­mer war. Das Jahr fand we­der zu Be­ginn noch zum Schluss in den Win­ter hin­ein, höchs­tens in ei­ne laue Über­gangs­pha­se. Da­für er­gab es sich zwi­schen­drin über zu vie­le Mo­na­te hin­weg ei­ner nie da ge­we­se­nen Hit­ze – und vor al­lem auch ei­ner grau­en­haf­ten Tro­cken­heit. Und je­der, der ein Stück Gar­ten lieb hat­te und un­ter die­ser Son­ne nicht ver­re­cken se­hen woll­te, fand sich ab Mai bis in den Ok­to­ber hin­ein von mor­gens bis abends mit le­bens­er­hal­ten­den Maß­nah­men recht gut be­schäf­tigt.

2015 war für uns Gärt­ner das Jahr des Gar­ten­schlauchs, und ich selbst will ein sol­ches Jahr nicht mehr in die­ser Art und Wei­se be­ge­hen. Be­wäs­sern Sie ein­mal ein paar tau­send dicht be­pflanz­te Qua­drat­me­ter Stau­den­gar­ten über vie­le Mo­na­te hin­weg. Viel ver­trot­tel­ter geht es gar nicht. Und es wird auch nicht mehr vor­kom­men. Die Schläu­che sind ein­ge­rollt. Die Sprink­ler weg­ge­räumt. Die Was­ser­rech­nung steht zwar noch aus. Doch sie ist zu ver­kraf­ten, im Ge­gen­satz zum An­blick da­hin­sie­chen­der Pflan­zen, die trotz sorg­fäl­ti­gen Mul­chens und täg­li­chen Gus­ses vor sich hin rö­cheln und gra­de so über­le­ben. Ihr könnt hier nicht blei­ben. Ich ver­ab­schie­de mich denn in Dank­bar­keit und Er­ge­ben­heit von all den durs­ti­gen un­ter mei­nen Gar­ten­pflan­zen, von den schö­nen Li­gu­la­ri­en, den Rod­ger­si­en, von En­gel­wurz und Astil­be, vom Ei­sen­hut, dem Mä­de­s­üß und der Ku­ckucksLicht­nel­ke. Adieu Blut­wei­de­rich und Gauk­ler­blu­me, Ja­kobs­lei­ter und Ra­nun­kel. Es war lang ein Ver­gnü­gen mit euch, doch hier kann eu­er Blei­ben nicht sein, denn Hit­ze und Dür­re wer­den uns auch künf­tig be­glei­ten.

Die­je­ni­gen, die über­leb­ten, wur­den aus­ge­gra­ben, ver­schenkt, in feuch­te­re Ge­gen­den aus­ge­sie­delt. Es er­setzt sie künf­tig aus­schließ­lich tro­cken­heits­re­sis­ten­tes Ge­sträuß. Das Are­al wird in ei­nen Pr­ä­rie­gar­ten um­ge­wan­delt, und das ist auch nicht schlecht. Denn vie­les hat sich in der Dür­re doch er­staun­lich gut be­währt, und das wird ver­mehrt. Al­len vor­an dür­fen die Strauch­ro­sen ge­prie­sen wer­den, die nie ge­gos­sen wur­den und den­noch präch­ti­ger ge­die­hen denn je. Sie müs­sen sehr tief wur­zeln, an­ders ist ih­re Vi­ta­li­tät nicht zu er­klä­ren. Her­vor­ra­gend hiel­ten sich auch di­ver­se schö­ne Zier­grä­ser wie Lam­pen­put­zer­grä­ser, Fe­der­grä­ser, Chi­naschilf, Reit­gras und Schwin­gel, die mäch­tig auf­ge­stockt und ver­mehrt wur­den. Da­zwi­schen füh­len sich Tro­cken­heits­künst­ler wie die un­ver­wüst­li­che und noch da­zu dau­er­blü­hen­de Sporn­blu­me in Ro­sa und in Weiß wohl, wie auch Step­pen-Wolfs­milch, Ko­kar­den­blu­me, Glo­cken­blu­me, Wit­wen­blu­me, Fa­ckel­li­lie, Phlo­mis, Licht­nel­ke und Agasta­chen mit ih­ren selbst im Win­ter noch blau, li­la und ro­sa ge­färb­ten Blü­ten. Es bleibt bunt, aber ge­nüg­sam. An Bee­trän­dern wu­chern Woll-Ziest und Ga­man­der, di­ver­se Thy­mia­ne, La­ven­del, Storch­schnä­bel und Tep­pichHorn­kraut, Schlei­fen­blu­me, Pols­terPhlox und Sei­fen­kraut. Nicht zu ver­ges­sen die her­vor­ra­gen­de Fa­mi­lie Se­dum in den zahl­lo­sen Spiel­ar­ten, von den klei­nen Mau­er­pfef­fern und der – ess­ba­ren – Trip­ma­dam bis zur hoch­ge­wach­se­nen präch­ti­gen Fett­hen­ne. Sie müs­sen über­haupt nie ge­gos­sen wer­den, ich ha­be mich mit Ab­le­gern und neu­en Ex­em­pla­ren in Mas­sen ein­ge­deckt. Es bleibt al­so bunt, doch ge­nüg­sam.

Was den Ge­mü­se­gar­ten an­be­langt, so bleibt die Sa­che eben­falls über­schau­bar. Ein­ge­fass­te Bee­te oder Hoch­bee­te trock­nen nicht so schnell aus. Ein paar stra­te­gisch ge­pflanz­te ho­he Strauch­ro­sen oder Grä­ser sor­gen dort, wo es not­wen­dig ist, für Schat­ten. Die Er­fin­dung des be­geh­ba­ren Kräu­ter­gar­tens be­währt sich seit Jah­ren bes­tens: Be­tont­ritt­plat­ten wur­den so ver­legt, dass wie bei ei­nem Schach­brett zwi­schen vier Plat­ten stets ei­ne Plat­ten­grö­ße Erd­bo­den frei bleibt. Dort kom­men die Kräu­ter hin­ein. Die Tritt­plat­ten ma­chen die An­ge­le­gen­heit be­geh­bar und er­spa­ren ei­nem das Un­kraut­zup­fen, auch be­wah­ren sie in hei­ßen Pha­sen ei­ne Rest­feuch­te im Bo­den. Auf den Plat­ten selbst kön­nen die nicht win­ter­har­ten Kräu­ter in Töp­fen auf­ge­stellt wer­den. In die­sem Sinn, egal, wie die Wit­te­rung sein wird, darf man sich auf die kom­men­de Sai­son freu­en und jetzt schon ein ge­seg­ne­tes neu­es Jahr in die Gärt­ner­run­de wün­schen.

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