Kri­se auf dem Ar­beits­markt ver­schärft sich

Im Ge­gen­sŻtz zu Żn©eren L´n©ern steigt in Ös­ter­reich ©ie Ar­beits­lo­sig­keit. Schul© ©ŻrŻn sin© ©ie schwŻche Kon­junk­tur, ©ie stŻr­ke Zu­wŻn©erung un© ein un­ter­neh­mer­fein©li­ches KlimŻ. Die Aus­sich­ten für 2016 sin© ©üs­ter.

Die Presse am Sonntag - - Eco - VON CHRIS­TI­AN HÖL­LER

Zu­nächst Bau­max, dann Ziel­punkt: Die Plei­te­wel­le im ös­ter­rei­chi­schen Han­del er­reich­te heu­er ei­nen neu­en Hö­he­punkt. Vie­le Mit­ar­bei­ter müs­sen sich nach ei­nem neu­en Job um­se­hen. Doch das ist nicht ein­fach.

Denn die Ar­beits­lo­sig­keit ist so hoch wie nie zu­vor. Die ge­nau­en Zah­len für 2015 lie­gen noch nicht vor. Aber be­reits En­de No­vem­ber be­fan­den sich 430.107 Men­schen auf Job­su­che. Dra­ma­tisch ist die La­ge bei Lang­zeit­ar­beits­lo­sen. Die Zahl der Per­so­nen, die seit mehr als zwölf Mo­na­ten kei­nen Job ha­ben, hat sich auf 47.845 ver­drei­facht. Auf­fal­lend ist, dass Ös­ter­reich im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich im­mer schlech­ter ab­schnei­det. An­ders als bei uns ging in den meis­ten eu­ro­päi­schen Län­dern die Ar­beits­lo­sig­keit zu­rück.

Re­gie­rungs­ver­tre­ter wie So­zi­al­mi­nis­ter Ru­dolf Hund­stor­fer (SPÖ) ma­chen die schwa­che Kon­junk­tur für die Mi­se­re auf dem Job­markt ver­ant­wort­lich. Doch das stimmt nur teil­wei­se. Ein wich­ti­ger Fak­tor ist die Zu­wan­de­rung. Da­bei geht es nicht nur um die Flücht­lin­ge aus Sy­ri­en, Af­gha­nis­tan oder dem Irak – die meis­ten Zu­wan­de­rer ka­men in den ver­gan­ge­nen Jah­ren aus Ost­eu­ro­pa. Tau­sen­de Ru­mä­nen wol­len ei­nen Job. So öff­ne­te Ös­ter­reich An­fang 2014 den Ar­beits­markt für Per­so­nen aus Ru­mä­ni­en und Bul­ga­ri­en. Um der Be­völ­ke­rung die Ängs­te zu neh­men, wur­de im Auf­trag des So­zi­al­mi­nis­te­ri­ums ei­ne Stu­die er­stellt. Dar­in war von ei­nem re­la­tiv ge­rin­gen Zu­zug aus bei­den Län­dern die Re­de. Doch die Pro­gno­se stell­te sich als falsch her­aus.

Mitt­ler­wei­le sind die Ru­mä­nen nach den Deut­schen be­reits zur zweit­größ­ten Ein­wan­de­r­er­grup­pe aus der EU auf­ge­stie­gen. Laut Sta­tis­tik Aus­tria er­höh­te sich die Zahl der in Ös­ter­reich le­ben­den ru­mä­ni­schen Staats­bür­ger von 2014 bis 2015 von 59.702 auf 73.373. Bei den Bul­ga­ren gab es ein Plus von 3665 auf 19.607 Men­schen.

Doch das ist nicht al­les. So ist auch die Zahl der Ein­pend­ler in ei­nem Jahr um 24,2 Pro­zent auf 147.752 Men­schen ge­stie­gen. Bei Ein­pend­lern han­delt es sich um Per­so­nen, de­ren Haupt­wohn­sitz nicht in Ös­ter­reich liegt, die aber bei uns so­zi­al­ver­si­chert sind und ei­ner selbst­stän­di­gen oder un­selbst­stän­di­gen Be­schäf­ti­gung nach­ge­hen. Der star­ke Zustrom hält an. Die meis­ten Ein­pend­ler (37.793) stamm­ten zu­letzt aus Un­garn, ge­folgt von Slo­wa­ken (34.047). Auf Platz drei la­gen die Deut­schen (26.505), ge­folgt von Ru­mä­nen, Slo­we­nen und Tsche­chen.

Der star­ke Zustrom nach Ös­ter­reich wird auch in den nächs­ten Jah­ren an­hal­ten. So geht das Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tut Wi­fo da­von aus, dass die Zahl der aus­län­di­schen Be­schäf­tig­ten bis 2020 von 615.000 Men­schen heu­er auf 764.000 stei­gen wird. Al­ler­dings weist die­se Pro­gno­se vie­le Un­si­cher­heits­fak­to­ren auf. Denn es ist un­klar, wie vie­le Flücht­lin­ge in den nächs­ten Jah­ren tat­säch­lich nach Ös­ter­reich kom­men wer­den.

In­ter­es­sant ist in die­sem Zu­sam­men­hang ein Ver­gleich mit Deutsch­land. Denn Deutsch­land hat ei­nen we­sent­lich grö­ße­ren Zustrom von Asyl­wer­bern und ost­eu­ro­päi­schen Job­su­chen­den zu ver­kraf­ten. Trotz­dem sank dort die Ar­beits­lo­sig­keit auf den nied­rigs­ten Stand seit 24 Jah­ren. Laut der deut­schen Bun­des­agen­tur für Ar­beit klet­ter­te die Zahl der of­fe­nen Stel­len im Ver­gleich zum Vor­jahr um 96.000 auf 610.000. Ös­ter­reich hat zehn­mal we­ni­ger Ein­woh­ner als Deutsch­land. Dem­nach soll­te es bei uns ei­gent­lich 61.000 of­fe­ne Stel­len ge­ben. Doch tat­säch­lich wa­ren es nach An­ga­ben des Ar­beits­markt­ser­vice zu­letzt nur 31.021.

Was macht Deutsch­land bes­ser? „Wir ha­ben in Ös­ter­reich mas­si­ve struk­tu­rel­le Pro­ble­me“, meint Pro­fes­sor Wolf­gang Ma­zal vom In­sti­tut für Ar­beits- und So­zi­al­recht der Uni­ver­si­tät Wi­en. „Bei uns gibt es kein be­schäf­ti­gungs­freund­li­ches Kli­ma.“

Ne­ben den ho­hen Lohn­ne­ben­kos­ten kämp­fen die Fir­men auch im­mer mehr mit Vor­schrif­ten und Auf­la­gen, die ei­nen im­men­sen ad­mi­nis­tra­ti­ven Auf­wand ver­ur­sa­chen.

Das un­ter­neh­mer­feind­li­che Kli­ma in Ös­ter­reich zeig­te sich zu­letzt bei Ziel­punkt. Nach der Plei­te schos­sen sich Ar­bei­ter­kam­mer, Ge­werk­schaft und So­zi­al­mi­nis­ter Ru­dolf Hund­stor­fer auf den frü­he­ren Ziel­punkt-Ei­gen­tü­mer Pfeif­fer ein. Die­se An­fein­dun­gen sei­en „un­fass­bar“, kri­ti­siert Jo­han­nes Ne­jed­lik, Chef vom Kre­dit­schutz­ver­band KSV 1870.

Die Aus­sich­ten für den Job­markt sind düs­ter. Al­le Ex­per­ten er­war­ten ei­ne Ver­schlech­te­rung. 2014 lag in Ös­ter­reich die Ar­beits­lo­sen­quo­te bei 8,4 Pro­zent, heu­er klet­ter­te sie auf 9,1 Pro­zent. Das In­sti­tut für Hö­he­re Stu­di­en pro­gnos­ti­ziert für 2016 ei­nen An­stieg auf 9,5 Pro­zent, das Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tut (Wi­fo) auf 9,7 Pro­zent. Das Ar­beits­markt­ser­vice geht so­gar von ei­ner Quo­te von zehn Pro­zent aus. In­dus­trie 4.0 als Her­aus­for­de­rung. An­statt den Kopf in den Sand zu ste­cken, for­dern Ex­per­ten von den So­zi­al­part-

Ar­beits­lo­se und Schu­lungs­teil­neh­mer ar­beits­los in Schu­lung Ziel­punkt hat kei­ne Zu­kunft: Die Fi­lia­len wer­den zu Jah­res­en­de ge­schlos­sen oder von Kon­kur­ren­ten über­nom­men. nern und der Re­gie­rung ei­nen Mas­ter­plan zur Be­wäl­ti­gung der Job­kri­se.

Denn die bis­he­ri­gen Re­for­men wie die Ein­füh­rung ei­ner Bo­nus-Ma­lus-Re­ge­lung, die An­rei­ze für die Be­schäf­ti­gung äl­te­rer Ar­beit­neh­mer schaf­fen soll, rei­chen nicht aus. Schließ­lich steht mit der In­dus­trie 4.0 und spä­ter In­dus­trie 5.0 schon die nächs­te in­dus­tri­el­le Re­vo­lu­ti­on vor der Tür. Die zu­neh­men­de Di­gi­ta­li­sie­rung und der tech­no­lo­gi­sche Wan­del wer­den den Ar­beits­markt um­wäl­zen.

Ers­te Vor­bo­ten zei­gen sich in der Fi­nanz­bran­che. Weil im­mer mehr Men­schen ih­re Bank­ge­schäf­te di­gi­tal er­le­di­gen, sind vie­le Fi­lia­len über­flüs­sig. In Ös­ter­reich gibt es der­zeit noch 75.000 Bank­mit­ar­bei­ter. Da­von könn­te in den nächs­ten vier bis fünf Jah­ren ein Drit­tel ver­lo­ren ge­hen, schätzt die Na­tio­nal­bank.

Um Her­aus­for­de­run­gen wie die In­dus­trie 4.0 zu be­wäl­ti­gen, be­darf es ei­ner na­tio­na­len Bil­dungs­of­fen­si­ve. Denn ei­ne fun­dier­te schu­li­sche und be­ruf­li­che Aus­bil­dung wird noch wich­ti­ger. Zu­gleich ver­langt die Wirt­schaft fle­xi­ble­re Ar­beits­zeit­mo­del­le. Zur Stär­kung des Wirt­schafts- und In­dus­trie­stand­orts sind auch we­ni­ger Re­gu­lie­run­gen und ei­ne Sen­kung der Lohn­ne­ben­kos­ten not­wen­dig.

Auf HerŻus­for©erun­gen wie ©ie In©us­trie 4.0 ist Ös­ter­reich zu we­nig vor­ãe­rei­tet.

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