Die ver­track­te Flucht der OMV nach Russ­land

Der Öl­preis­schock setzt dem Kon­zern zu. Russ­land als Man­tra des neu­en Chefs über­zeugt nicht al­le.

Die Presse am Sonntag - - Eco - VON MAT­THI­AS AU­ER

„Fit for 50“. Mit die­sem Spar­pro­gramm woll­te der da­ma­li­ge OMV-Chef Ger­hard Roiss den Mi­ne­ral­öl­kon­zern im heu­ri­gen Jahr so spar­sam und ef­fi­zi­ent auf­stel­len, dass auch ein Öl­preis von 50 Dol­lar je Fass das Un­ter­neh­men nicht ins Wan­ken brin­ge. Das Pro­blem: Ein Öl­preis von 50 Dol­lar ist mitt­ler­wei­le in wei­ter Fer­ne. In­ter­na­tio­na­le Be­ob­ach­ter hal­ten eher Prei­se von 20 bis 30 Dol­lar für denk­bar. Der Öl­preis­ver­fall lässt den Ge­winn des Un­ter­neh­mens dras­tisch ein­bre­chen. Und Rai­ner See­le, der den teil­staat­li­chen Kon­zern zur Jah­res­mit­te von Roiss über­nom­men hat, hat noch kei­ne wirk­lich über­zeu­gen­de Ant­wort auf das Di­lem­ma ge­ben kön­nen. Neue Lie­be zu Mos­kau. Der frü­he­re Win­ters­hall-Ma­na­ger setzt seit sei­nem Amts­an­tritt al­les auf ei­ne Kar­te: Russ­land. Ge­mein­sam mit der rus­si­schen Gaz­prom will die OMV nun den zwei­ten Strang der Ost­se­e­pipe­line Nord Stream bau­en. Ge­mein­sam wol­len sie das west­si­bi­ri­sche Gas­feld Uren­goy aus­beu­ten. Im Som­mer wur­de die ge­plan­te Be­tei­li­gung über 24,98 Pro­zent am im­mer­hin zweit­größ­ten Gas­feld der Welt noch be­ju­belt. Mitt­ler­wei­le hat sich al­ler­dings ei­ne ge­wis­se Er­nüch­te­rung breit­ge­macht.

Denn der Preis für die neue Nä­he zu den Rus­sen ist hoch: Po­li­tisch iso­liert sich das Un­ter­neh­men in­ner­halb Eu­ro­pas zu­se­hends. Erst vor we­ni­gen Ta­gen ver­län­ger­te Brüssel die Wirt­schafts­sank­tio­nen ge­gen Mos­kau auf­grund des Kon­flikts mit der Ukrai­ne für wei­te­re sechs Mo­na­te. Für Rai­ner See­le, ei­nen be­ken­nen­den Geg­ner der Sank­tio­nen ge­gen Russ­land, ist das kein Grund, auf die ge­plan­ten Pro­jek­te zu ver­zich­ten.

Auch öko­no­misch könn­te das Aben­teu­er Russ­land teu­rer wer­den als an­fangs ge­dacht. Denn an­ge­sichts der nied­ri­gen Öl- und Gas­prei­se ist ein der­art lang­fris­ti­ges Pro­jekt wie je­nes in Uren­goy nur schwer zu be­wer­ten. Und die Teil­nah­me an der po­li­tisch um­strit- te­nen Nord Stream II wird die ge­winn­schwa­che OMV eben­so Mil­li­ar­den kos­ten wie der Ein­stieg in West­si­bi­ri­en. Wi­der­stand pro­gram­miert. Wel­che Ver­mö­gens­wer­te das ös­ter­rei­chi­sche Un­ter­neh­men da­für an Mos­kau ab­tre­ten wird, ist ei­nes der best­ge­hü­te­ten Ge­heim­nis­se in der neu­en OMV. Ge­nannt wur­de bis­her et­wa ei­ne Be­tei­li­gung an den Raf­fi­ne­ri­en Burg­hau­sen und Schwe­chat oder das hei­mi­sche Gas­lei­tungs­netz der OMV-Toch­ter Gas Con­nect Aus­tria, von dem die OMV 49,9 Pro­zent ab­ge­ben möch­te. Egal, was die OMV an Russ­land ab­ge­ben wird, Wi­der­stand scheint pro­gram­miert.

Auch das muss­te Rai­ner See­le in sei­nen ers­ten Mo­na­ten in Ös­ter­reich ler­nen: Als Vor­stand ei­nes Kon­zerns, der zu ei­nem gro­ßen Teil der Re­pu­blik Ös­ter­reich ge­hört, wer­den nur we­ni­ge Ent­schei­dun­gen ganz oh­ne Zwi­schen­ruf von der Sei­te ge­fällt. Schon gar nicht, wenn es da­bei um gut be­zahl­te Vor­stands­jobs geht.

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