Spiel­raum

EIN STEIL­PASS IN DIE TIE­FE DES SPORTS

Die Presse am Sonntag - - Sport -

ster­reichs Sport ist nur ein Spiel­zeug der Po­li­tik, das ist un­be­strit­te­nes Fak­tum. Es zeigt sich bei der Aus­wahl di­ver­ser Spon­so­ren, ist durch die Be­set­zung al­ler Äm­ter und Funk­tio­nen bei Klubs oder gro­ßen Ver­bän­den do­ku­men­tiert. Dass das Sport­ver­ständ­nis auch von hö­he­rer Stel­le ge­re­gelt sein dürf­te, spie­gelt sich im ab­surd bis skur­ril an­mu­ten­den Bun­des-Sport­för­de­rungs­fonds (BSFF) wi­der.

30 Sport­ver­bän­de wur­den be­wer­tet, aber nach den Wi­der­stän­den im Vor­jahr nicht ge­reiht, da­für in „Ka­te­go­ri­en“ge­parkt. In die­sem Sinn hat sich je­mand of­fen­bar tat­säch­lich den Kopf zer­bro­chen: Ver­bän­de mit olym­pi­schem Sport für So­lis­ten oder Zwei­er- teams (15), Ver­bän­de mit olym­pi­schem und nicht-olym­pi­schem Sport (5), rein nicht­olym­pi­sche Ver­bän­de (5) und Ver­bän­de mit olym­pi­schem und nicht-olym­pi­schem Mann­schafts­sport (5).

BSFF darf vier Mil­lio­nen Eu­ro ver­tei­len, das sind zehn Pro­zent der Spit­zen­sport­för­de­rung. Dass Bü­ro und Per­so­nal jähr­lich 900.000 Eu­ro Kos­ten ver­ur­sa­chen sol­len, stellt die Sinn­haf­tig­keit die­ser In­sti­tu­ti­on aber in­fra­ge. Auch ist die vor­ge­nom­me­ne Ka­te­go­ri­sie­rung der „Ex­per­ten“nur schwer nach­voll­zieh­bar. War­um be­kommt – bei al­lem Re­spekt – Eis­stock­sport 122.000 Eu­ro, aber die ÖHB-Hand­bal­ler – im­mer­hin im WM-Ach­tel­fi­na­le, nur 106.200 Eu­ro?

Es gibt nicht nur das BSFF, son­dern im hie­si­gen Spit­zen­sport auch noch das Pro­jekt Rio 2016, Top-Sport-Aus­tria, Sport­hil­fe, Hee­res­sport etc. – die­se Ad­mi­nis­tra­tio­nen ver­schlin­gen eben­so enor­me Bü­ro- und Per­so­nal­kos­ten. Geld, das dem ös­ter­rei­chi­schen Sport auf di­rek­tem We­ge, of­fen­bar der Po­li­tik und Freun­derl­wirt­schaft zu­lie­be, ver­lo­ren geht. Es er­klärt sich leicht, war­um der ver­nünf­ti­ge, un­wi­der­spro­chen kos­ten­güns­ti­ge­re An­satz, all die­se För­der­töp­fe und Geld­quel­len doch un­ter ei­nem Dach, un­ter Lei­tung ei­ner un­ab­hän­gi­gen Person mit tat­säch­li­cher sport­li­cher Fach­kom­pe­tenz, zu ver­ei­nen, nie­mals ge­lin­gen wird. Es fehlt schlicht­weg die Zu­stim­mung der Po­li­tik.

Das ve­r­al­te­te Gieß­kan­nen­prin­zip hat in Ös­ter­reich wei­ter Hoch­kon­junk­tur. In den Bun­des­län­dern lo­cken zu­dem noch wei­te­re Qu­el­len bei den Lan­des­vä­tern, und an­ge­sichts des­sen wirkt das ewi­ge Jam­mern und pe­ne­tran­te Weh­kla­gen über feh­len­de Mit­tel und In­fra­struk­tu­ren nach Nie­der­la­gen dann schon rich­tig ab­surd.

An der För­de­rung liegt es nicht, dass Ös­ter­reich nach Er­folg bei Groß­er­eig­nis­sen – ab­seits der Ski­fah­rer und Fuß­bal­ler –, lechzt. Es liegt an der Form der Ver­tei­lung und vor al­lem an de­nen, die nach mit­un­ter durch­aus ei­gen­wil­li­gen Kri­te­ri­en ver­tei­len.

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