Reich­tum im Mut­ter­land des Fuß­balls

Die Gel©schwem­me in ©er Pre­mier LeŻ­gue ãe­rei­tet ©em eu­rop´ischen Fu­ßãŻll Kopf­zerã­re­chen. Oã sie ©Żs Spiel­ni­veŻu heãt, ãleiãt frŻg­lich.

Die Presse am Sonntag - - Sport - VON GA­B­RI­EL RATH

Über­le­ge­ne Ta­bel­len­füh­rung, sou­ve­rä­ne Qua­li­fi­ka­ti­on für die zwei­te Pha­se der Cham­pi­ons Le­ague, Re­kord­ge­winn von 111 Mil­lio­nen Eu­ro vor Steu­ern – man kann sich ei­ne un­an­ge­neh­me­re Auf­ga­be vor­stel­len, als Prä­si­dent des FC Bay­ern München zu sein. Doch Karl-Heinz Rum­me­nig­ge ist zu­tiefst be­sorgt. „Es wird für uns auch in Zu­kunft nicht leich­ter wer­den“, sag­te er, als ihm eng­li­sche Fuß­ball­klubs fast um je­den Preis den Of­fen­siv­spie­ler Tho­mas Mül­ler ab­kau­fen woll­ten. „Wenn ich Bank­di­rek­tor wä­re, hät­ten wir das ma­chen müs­sen“, sag­te er da­mals. Im Som­mer ver­liert Rum­me­nig­ge Star­trai­ner Pep Guar­dio­la, höchst­wahr­schein­lich an Man­ches­ter Ci­ty.

Bei den Ci­ti­zens träumt man so­gar von ei­ner Wie­der­ver­ei­ni­gung Guar­dio­las mit sei­nem Lieb­lings­schü­ler, Lio­nel Mes­si. Ci­ty soll be­reits sa­gen­haf­te 265 Mil­lio­nen Pfund (365 Mil­lio­nen Eu­ro) da­für be­reit­ge­stellt ha­ben, dass die bei­den künf­tig den Re­gen Nord­west­eng­lands über sich er­ge­hen las­sen. Rum­me­nig­ge: „Es wird an­ge­sichts des eng­li­schen TV-Ver­tra­ges auch für den FC Bay­ern in Zu­kunft nicht leich­ter wer­den.“

Tat­säch­lich sind den (meis­ten) eng­li­schen Klubs fi­nan­zi­ell die­ser Ta­ge (schein­bar) kei­ne Gren­zen ge­setzt. Die Fern­seh­rech­te wur­den im Fe­bru­ar für ei­nen Re­kord­be­trag von 5,14 Mil­li­ar­den Pfund für die Pe­ri­ode 2016–2018 ver­kauft, das ist ein Zu­wachs um stol­ze 71 Pro­zent. Im Au­gust kam noch ein­mal ei­ne Mil­li­ar­de Pfund aus den Über­tra­gungs­rech­ten in die USA da­zu. Der Au­to­kon­zern Ge­ne­ral Mo­tors zahlt Man­ches­ter Uni­ted im Jahr 53 Mil­lio­nen Pfund, da­mit die Spie­ler der Red De­vils auf ih­ren Tri­kots für die Kon­zern­mar­ke Chev­ro­let wer­ben.

Die Pre­mier Le­ague ist ein Welt­un­ter­neh­men. Zu ei­nem Freund­schafts­spiel des FC Li­ver­pool in Mel­bourne ka­men im Som­mer 100.000 Zu­se­her. Die eng­li­sche Li­ga­ver­ei­ni­gung schätzt die Zahl der asia­ti­schen Fans auf über zwei Mil­li­ar­den. Man­ches­ter-Ci­ty-Ei­gen­tü­mer Scheich Man­sour ver­kauf­te so­eben ei­nen 13-Pro­zent-An­teil an sei­nem Ver­ein um 265 Mil­lio­nen Pfund an chi­ne­si­sche In­ves­to­ren.

Den Ein­nah­men ste­hen aber auch ho­he Aus­ga­ben ge­gen­über: Uni­te­dMa­na­ger Lou­is van Gaal durf­te seit Amts­an­tritt im Som­mer 2014 250 Mio. Pfund in­ves­tie­ren. Mit Way­ne Roo­ney, der pro Wo­che 300.000 Pfund (!) ver­die­nen soll, hat der Re­kord­meis­ter den best­be­zahl­ten Li­ga-Ki­cker un­ter Ver­trag. Selbst bei ei­nem be­tont so­li­de ge­führ­ten Ver­ein wie Ar­senal be­lau­fen sich die Per­so­nal­aus­ga­ben auf 55 Pro­zent des Ge­samt­um­sat­zes. Ver­kehr­te Welt. Ob die Geld­schwem­me das Leis­tungs­ni­veau in ver­gleich­ba­rem Aus­maß er­höht, ist frag­lich. Zwar schaff­ten im Herbst drei von vier eng­li­schen Klubs die Qua­li­fi­ka­ti­on für die K.-o.-Run­de der Cham­pi­ons Le­ague, in der Li­ga zeigt sich aber ein an­de­res Bild. Vor­jah­res­meis­ter Chel­sea, im Be­sitz des Olig­ar­chen Ro­man Abra­mo­witsch und an sich seit sei­nem Amts­an­tritt al­ler Geld­sor­gen le­dig, kratz­te an der Ab­stiegs­zo­ne – und Ma­na­ger Jo­se´ Mour­in­ho wur­de am 17. De­zem­ber ent­las­sen. Als Ab­fer­ti­gung wer­den 35 Mil­lio­nen Pfund ge­nannt. Man­ches­ter Ci­ty gab im Som­mer knapp 150 Mil­lio­nen Pfund aus und ver­tei­digt im­mer noch wie ei­ne Wirts­haus­mann­schaft.

Schlag­zei­len mach­ten in­des die Klei­nen. Ta­bel­len­füh­rer Leices­ter (mit Chris­ti­an Fuchs) galt vor Sai­son­be­ginn als Fix­ab­stei­ger. Fu­ro­re macht das Stür­mer­duo Var­dy/Mah­rez, von dem Ers­te­rer um ei­ne Mil­li­on Pfund aus der Ama­teur­li­ga, Zwei­te­rer für nur 400.000 Pfund in die East Mid­lands kam. Das­sel­be gilt für Auf­stei­ger Wat­ford (mit Se­bas­ti­an Prödl) und noch mehr für Sto­ke Ci­ty (2:0 ge­gen Ma­nU am Bo­xing Day, Van Gaal steht vor dem Aus).

Das Quar­tett Shaqi­ri, Kr­kic,´ Af­fel­ay und Arn­au­to­vic´ ge­hört am rich­ti­gen Tag zum Bes­ten, was in der Pre­mier Le­ague zu se­hen ist. Die Tref­fer ge­gen die Red De­vils steu­er­ten Arn­au­to­vic´ und Kr­kic´ bei. Das ist ein Ver­dienst der klu­gen Ein­kaufs­po­li­tik von Ma­na­ger Mark Hug­hes: „Es gibt so vie­le tol­le Spie­ler wie noch nie. Aber selbst die größ­ten Ver­ei­ne kön­nen nur mit elf Mann auf das Feld kom­men.“

Reu­ters

Mar­ko Arn­au­to­vi´c ist bei Sto­ke Ci­ty zum Le­a­der­typ ge­reift. Beim 2:0 ge­gen Man­ches­ter Uni­ted traf er in die­ser Sai­son zum sechs­ten Mal.

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