Ös­ter­reich will nicht zum Imp­fen zwin­gen

Die Dur­ch­imp­fungs­ra­te in Ös­ter­reich ist im in­ternŻ­ti­onŻ­len Ver­gleich sehr nie©rig.

Die Presse am Sonntag - - Leben - VON ERICH KOCINA

76 Pro­zent. Mit die­sem An­teil der ein­jäh­ri­gen Kin­der, die ge­gen Ma­sern ge­impft sind, liegt Ös­ter­reich im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich nicht gut. Zum Ver­gleich: OECD-weit sind es 94 Pro­zent, Deutsch­land hält bei 97, die USA lie­gen bei 91 Pro­zent. Was für Ös­ter­reich durch­aus ein Pro­blem ist, denn der Impf­schutz ist nur dann aus­rei­chend ge­ge­ben, wenn die Dur­ch­imp­fungs­ra­te ent­spre­chend hoch ist – nur da­durch ent­steht ei­ne so­ge­nann­te Her­den­im­mu­ni­tät, durch die auch je­ne Men­schen ge­schützt wer­den, die sich nicht imp­fen las­sen (kön­nen).

Kein Wun­der al­so, dass im Wind­schat­ten ei­ner deut­schen De­bat­te auch in Ös­ter­reich hef­tig über die Krank­heit und die Im­mu­ni­sie­rung da­ge­gen dis­ku­tiert wur­de. Dort wur­de näm­lich, nach­dem in Ber­lin ei­ne hef­ti­ge Ma­sern­wel­le gras­siert hat­te, über ei­ne Impf­pflicht de­bat­tiert. Mit ein paar Ta­gen Ver­spä­tung muss­te auch Ge­sund­heits­mi­nis­te- rin Sa­bi­ne Ober­hau­ser (SPÖ) über das The­ma spre­chen. Wo­bei sie gleich klar­stell­te, dass sie ei­ne Impf­pflicht nicht für sinn­voll er­ach­tet. Man set­ze dar­auf, dass Ärz­te die Men­schen dar­über auf­klä­ren, dass es klug sei, sich imp­fen zu las­sen. Al­lein, die Be­geis­te­rung für die Im­mu­ni­sie­rung hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eher nach­ge­las­sen. Ei­ner zwei Jah­re al­ten Stu­die der Karl-Land­stei­ner-Ge­sell­schaft zu­fol­ge se­hen so­gar 57 Pro­zent der be­frag­ten El­tern mit Kin­dern un­ter 13 Jah­ren die emp­foh­le­nen Imp­fun­gen kri­tisch. Vier Pro­zent leh­nen sie kom­plett ab. El­tern se­hen es lo­cker. Ein Pro­blem dürf­te dar­in be­ste­hen, dass die heu­ti­ge El­tern­ge­ne­ra­ti­on selbst kaum mit den Fol­gen schwe­rer In­fek­ti­ons­krank­hei­ten zu tun hat­te – eben des­we­gen, weil die Impf­pro­gram­me in ih­rer Kind­heit grif­fen. Und dar­in, dass sie ei­ne mög­li­che Er­kran­kung da­her lo­cker se­hen.

Ei­ne Impf­pflicht fin­det auch in der Po­li­tik kaum Für­spre­cher. Der Te­nor der Par­tei­en geht in Rich­tung Auf­klä­rung, auch um Skep­ti­ker von der Sinn­haf­tig­keit des Imp­fens zu über­zeu­gen. Ab­ge­se­hen da­von sieht man im Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um auch kaum ei­ne Chan­ce für ei­ne Ver­pflich­tung – weil das ei­ne Be­schnei­dung von Grund­rech­ten be­deu­ten wür­de. Und doch gab es im Lauf des Jah­res noch ei­nen Vor­stoß in die­se Rich­tung – al­ler­dings nur auf klei­ne­rer Ebe­ne.

So emp­fahl die Bio­ethik­kom­mis­si­on im Bun­des­kanz­ler­amt, dass sich Ärz­te und Pfle­ge­per­so­nal ge­gen ansteckende Krank­hei­ten imp­fen las­sen müs­sen. Un­ter an­de­rem, weil die­se Grup­pe be­son­ders oft mit ge­fähr­de­ten Men­schen zu tun hat. Aber es ge­he auch um ei­ne Vor­bild­wir­kung. Al­ler­dings: Die Stel­lung­nah­me des Ex­per­ten­gre­mi­ums hat nur emp­feh­len­den Cha­rak­ter.

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