»Ich den­ke häu­fig an den Tod«

Schau­spie­ler Ian McKel­len spricht über sei­nen neu­en Film »Mr. Hol­mes«, sein frü­hes Co­m­ing-out und skur­ri­le Er­in­ne­run­gen an die Dreh­ar­bei­ten zu »Herr der Rin­ge«. Au­ßer­dem er­zählt er, wie er mit dem Äl­ter­wer­den um­geht.

Die Presse am Sonntag - - Menschen - VON RÜ­DI­GER STURM

Wer in jüngs­ter Zeit an Sher­lock Hol­mes denkt, der hat wo­mög­lich Be­ne­dict Cum­ber­batch und des­sen tem­po­rei­che In­ter­pre­ta­ti­on des gro­ßen Meis­ter­de­tek­tivs für die BBC vor Au­gen – oder viel­leicht noch Ro­bert Dow­ney jr. an der Sei­te von Ju­de Law. Jetzt ge­sellt sich ein Schau­spie­ler da­zu, den wohl die we­nigs­ten für die Rol­le auf dem Zet­tel ge­habt ha­ben dürf­ten: Ian „Gan­dalf“McKel­len. Der 76-Jäh­ri­ge, ver­kör­pert in „Mr. Hol­mes“(Ki­no­start: 25. De­zem­ber) von Re­gis­seur Bill Con­don ei­ne ziem­lich alt ge­wor­de­ne Ver­si­on von Sher­lock Hol­mes. Das Al­tern be­schäf­tigt auch ihn selbst. Auf­hö­ren zu ar­bei­ten kommt für McKel­lan den­noch nicht in­fra­ge. In Ih­rem neu­en Film will Sher­lock Hol­mes ge­gen En­de sei­nes Le­bens ein Ge­fühl von Ab­schluss und Voll­en­dung er­rei­chen. Den­ken Sie auch in sol­chen Ka­te­go­ri­en? Ian McKel­len: Nein, denn ich möch­te stän­dig wei­ter­ar­bei­ten. Das hält mich le­ben­dig. Ich su­che wei­ter­hin nach span­nen­den Film­rol­len. Je­des Mal, wenn ich ein Dreh­buch be­kom­me, bin ich ganz auf­ge­regt, weil ich hof­fe, dass es ei­ne gu­te Rol­le für mich ent­hält. Wor­an ich aber häu­fig den­ke, ist der Tod. Mit un­gu­tem Ge­fühl? Nein, ich weiß ein­fach, dass er auf mich war­tet. Denn ich se­he, wie Freun­de ster­ben – auch Leu­te, die jün­ger sind als ich. Nicht bei Un­fäl­len, son­dern durch na­tür­li­che Ur­sa­chen. Al­so bin ich mir stän­dig be­wusst: „Oh, ich le­be.“Und wenn ich mit Leu­ten mei­nes Al­ters zu­sam­men bin, spre­chen wir stän­dig über die­ses The­ma – und über un­se­re ge­sund­heit­li­chen Be­schwer­den: Au­gen, Oh­ren, Ver­dau­ung, Knie. Das klingt so, als sei­en Sie mit dem Äl­ter­wer­den nicht be­son­ders glück­lich. Ich ha­be mich da­mit ab­ge­fun­den. Es ist erst­mal ein Schock, wenn du in den

1939

wur­de Ian McKel­len in der Kle­in­stadt Burn­ley in En­g­land ge­bo­ren. Sei­ne be­kann­tes­ten Rol­len sind die des Ma­gne­to in den „X-Men“-Fil­men und je­ne von Gan­dalf in der „Herr der Rin­ge“Tri­lo­gie. Sein neu­er Film, „Mr. Hol­mes“, läuft seit Frei­tag im Ki­no. Spie­gel schaust oder ein Foto von dir siehst und denkst: „Wer ist denn die­ser al­te Mann? Oh mein Gott, das bin ich.“Und du rea­li­siert, dass dei­ne Au­gen nie mehr so aus­se­hen wer­den wie frü­her. Und dass die­se Fal­te in dei­nem Ge­sicht nie mehr weg­ge­hen wird. Aber wie ge­sagt, ich zer­bre­che mir des­halb nicht mehr den Kopf. Ich möch­te bloß nicht ge­brech­lich wer­den. Tun Sie et­was da­ge­gen? Ich ma­che Fit­ness, pas­se auf, was ich es­se und wie viel Schlaf ich be­kom­me. Au­ßer­dem ach­te ich dar­auf, wie ich mit mei­ner Ener­gie um­ge­he. Wenn mir der Bus vor der Na­se weg­zu­fah­ren droht, dann lau­fe ich trotz­dem nicht. Das hat kei­nen Sinn. Dann war­te ich eben auf den nächs­ten. Aber ich wür­de nie mit der Schau­spie­le­rei auf­hö­ren. Das macht mir zu viel Spaß. Denn ich muss ak­tiv blei­ben. Sonst wür­de ich ein­fach nur sinn­los her­um­sit­zen. Gibt es An­ek­do­ten aus Ih­rer Kar­rie­re, die Sie nie ver­ges­sen? Sehr vie­le. Bei „Herr der Rin­ge“hat­te ich ein­mal ei­ne Sze­ne, in der ich durch den Schnee auf ei­nem Berg stap­fen soll­te. Mei­ne an­de­ren Kol­le­gen wa­ren nicht da­bei, sie wur­den ge­dou­belt, weil im Bild nur ich zu er­ken­nen war. Wir hat­ten auch ein Po­ny, aber das war nicht echt, son­dern wur­de von zwei Pan­to­mi­men dar­ge­stellt. Der He­li­ko­pter lud uns auf dem Schnee­feld ab, die Cr­ew hob ab, um uns von oben zu fil­men, und los ging es. Dann kam es zu dem Punkt, an dem ich mich um­dre­hen soll­te. Und als ich das tat, sah ich, wie zwei Men­schen, die ein Po­ny spiel­ten, im Schnee fest­steck­ten. Es war skur­ril. Und dann wur­de die­se Ein­stel­lung im Film nicht ein­mal ver­wen­det. Sie gel­ten als ei­ner der bes­ten Schau­spie­ler Ih­rer Ge­ne­ra­ti­on. Was sa­gen Sie ei­nem Re­gis­seur, der Ih­nen An­wei­sun­gen ge­ben will? Zeig mir, wie ich spie­len soll. Im Ernst? Si­cher. Ich seh­ne mich nach Hil­fe. Denn je­der Rat­schlag ist hilf­reich, wenn ich dre­he. Auch ein biss­chen Er­mun­te­rung kann nicht scha­den. Ha­ben Sie sich ei­gent­lich als Schau­spie­ler wei­ter­ent­wi­ckelt? Ich will im­mer noch bes­ser wer­den. Aber ich wür­de sa­gen, ich ha­be mehr Selbst­be­wusst­sein als frü­her. Das liegt zum ei­nen dar­an, dass ich jetzt viel mehr Er­fah­rung ha­be, und zum an­de­ren hat es da­mit zu tun, dass ich vor knapp 30 Jah­ren mein Co­m­ing-out hat­te. Und das Selbst­be­wusst­sein, das dir das als Schwu­ler gibt, ist ge­wal­tig. Sie hat­ten kei­ne Be­den­ken, dass das Ih­rer Kar­rie­re scha­den könn­te? Nein, denn ich leb­te im­mer schon of­fen schwul und hat­te des­halb nie Schwie­rig­kei­ten. Po­li­ti­ker sa­gen im­mer: „Ich kann das nicht ma­chen, weil mir das die Wäh­ler übel neh­men.“Fuß­bal­ler fürch­ten sich, dass sie von den Fans be­schimpft wer­den. Je­der macht sich Sor­gen, wie an­de­re Leu­te re­agie­ren. Aber was die Men­schen wirk­lich wol­len, ist Ehr­lich­keit. Und ge­nau­so ha­be ich das erlebt. Denn kaum hat­te ich mich ge­ou­tet, ist mei­ne Film­kar­rie­re durch die De­cke ge­gan­gen.

AFP

sehr Rol­len und möch­te noch Al­ter nach neu­en her­aus­for­dern­den Sucht auch im ho­hen

tä­tig sein: Ian McKel­len. lan­ge als Schau­spie­ler

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