Ein Kunst­jahr zum Ge­nie­ßen: Just

Aus­stel­lun­gen in Wi­en 2016: Gro­ße Na­men, am­bi­tio­nier­te klei­ne­re Schau­en, am En­de aber ge­sell­schafts­po­li­tisch un­be­denk­lich. So könn­te man’s zu­sam­men­fas­sen.

Die Presse am Sonntag - - Kultur - VON ALMUTH SPIEGLER

Na­tür­lich gibt es auch heu­er wie­der ei­ne Hand­voll span­nen­der Aus­stel­lun­gen in Wi­en. Geor­gia O’Kee­fe im BA-Kunst­fo­rum ist so ein Must-see. An­selm Kie­fer in der Al­ber­ti­na. Ai Wei­wei im 21er-Haus. Die afri­ka­ni­schen Mo­der­ne-Ein­flüs­se im Leo­pold Mu­se­um. Und am Jah­res­en­de na­tür­lich Ed­mund de Waals In­ter­pre­ta­ti­on der Samm­lung des Kunst­his­to­ri­schen Mu­se­ums.

An­sons­ten scheint das ein recht be­schau­li­ches Jähr­chen zu wer­den. Je­den­falls zeich­net sich, zu­min­dest in den gro­ßen Haupt­stadt-Häu­sern, nichts arg Pro­vo­kan­tes oder ge­sell­schafts­po­li­tisch Kon­tro­ver­ses ab. Wä­re das der Sta­tus der zeit­ge­nös­si­schen Kunst, wä­re es zum Heu­len. Ist es aber nicht, son­dern nur das in­sti­tu­tio­nel­le Num­mer-si­cherSpiel. Das Mu­se­um als es­ka­pis­ti­scher Rück­zugs­ort – im Jahr, be­vor Bi­en­na­le Ve­ne­dig und Do­cu­men­ta wie­der ein­mal zu­sam­men­fal­len und wohl flä­chen­de­ckend auf die ak­tu­el­len Um­brü­che wer­den re­agie­ren müs­sen, ist das ja viel­leicht so­gar ganz ent­span­nend. KHM fei­ert 125. Ge­burts­tag. Über­ra­schend ent­spannt be­geht das Kunst­his­to­ri­sche Mu­se­um selbst sein 125. Er­öff­nungs­jahr, mit ei­ner fröh­lich-bra­ven Grup­pen­aus­stel­lung über das Fei­ern an sich, „Fes­te Fei­ern“ab 8. März. Nun gut, das Ori­gi­nells­te an die­sem Ju­bi­lä­um ist noch, dass in die­sem Jahr je­der Be­su­cher an sei­nem ei­ge­nen Ge­burts­tag frei­en Ein­tritt ins KHM ge­nießt. Im­mer­hin! Pflicht­be­wusst wird auch der 100. Ge­burts­tag von Kai­ser Franz Jo­seph ab­ge­fei­ert, in Wa­gen­burg, Schön­brunn, Schloss Nie­der­wei­den etc., ab 16. März.

Das High­light des Jah­res aber dürf­te wie­der ein­mal die Zeit­ge­nos­sen-St­ab­stel­le des KHM ab­lie­fern: Der Ke­ra­mik­künst­ler und „Ha­se mit den Bern­stein­au­gen“-Au­tor Ed­mund de Waal stellt ab 11. Ok­to­ber sei­ne ganz per­sön­li­che Aus­wahl aus den KHM-Samm­lun­gen vor. Noch ein zwei­ter in­ter­na­tio­na­ler Star schaut vor­bei, Ron Mu­eck, Schöp­fer skur­ril ver­zerr­ter hy­per­rea­ler Skulp­tu- ren, be­spielt ab 20. April den The­seus­Tem­pel.

Ähn­lich vie­le Stand­or­te be­spielt Ag­nes Huss­lein im Bel­ve­de­re-Kon­zern – doch mit et­was mehr Ver­ve. Vor al­lem das 21er-Haus scheint heu­er im Fo­kus zu ste­hen, da rei­chen sich die Stars die Hän­de, von Ai Wei­wei (ab 14. 7.) über Ma­ria Lass­nig und Os­wald Ober­hu­ber bis Franz West. Mit Big Na­mes kennt sich nur ei­ner noch so gut aus, Klaus Al­brecht Schrö­der lässt in der Al­ber­ti­na heu­er im Früh­jahr an­tre­ten: Die rus­si­schen Avant­gar­den „Cha­gall bis Ma­le­witsch“(ab 26. 2.) und An­selm Kie­fer mit sei­nen rie­si­gen Holz­schnit­ten (ab 18. 3.). In die­ser Ka­te­go­rie tuscht heu­er auch das BA-Kunst­fo­rum or­dent­lich auf, mit der ers­ten ös­ter­rei­chi­schen Re­tro­spek­ti­ve auf den um­strit­te­nen Ma­ler ero­ti­scher Mäd­chen­bil­der Bal­t­hus (ab 24. 2.) und vor al­lem auf die klas­sisch­mo­der­ne US-Ma­le­rin Geor­gia O’Ke­ef­fe mit ih­ren iko­ni­schen ero­ti­schen Blu­men­bil­dern (ab 30. 11.).

Die zwei­te gro­ße Per­so­na­le ei­ner Frau ist heu­er im Leo­pold-Mu­se­um mit der dunk­len bel­gi­schen Bild­haue­rin Ber­lin­de de Bruy­cke­re zu fin­den (ab 8. 4.). Die „Frem­den Göt­ter“(Stam­mes­kunst und ihr Ein­fluss auf die Mo­der­ne) ab 23. 9. sorgt schon in­ter­na­tio­nal für Be­ach­tung auf ei­ni­gen Vor­schau­lis­ten.

Ei­ne Ko­ope­ra­ti­on mit dem Leo­pold-Mu­se­um hät­te

Parr/Ma­gnum

Der bri­ti­sche Fo­to­graf Mar­tin Parr gas­tiert heu­er im Kunst-Haus Wi­en. Fo­to: Bel­gi­en, 2000.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.