Cul­tu­re Clash

FRONTNACHRICHTEN AUS DEM KUL­TUR­KAMPF

Die Presse am Sonntag - - Geschichte - VO N MICHA­EL PRÜL­LER

Mobs aus dem Mor­gen­land? Köln hat ge­zeigt, dass man, wenn man den Zu­wan­de­rern ge­recht wer­den will, auch ih­ren ge­fähr­li­chen Rand in den Blick und ernst neh­men muss.

Die Köl­ner Sil­ves­ter­nacht und ih­re Au­f­ar­bei­tung zei­gen, wie schäd­lich es ist, auf Ze­hen­spit­zen um die Flücht­lings­pro­ble­ma­tik her­um­zu­tap­sen – schäd­lich gera­de auch für die Flücht­lin­ge. Die Blau­äu­gig­keit des Köl­ner (Ex-)Po­li­zei­chefs, der das Wort „Flücht­lin­ge“sorg­sam und ge­gen bes­se­res Wis­sen ver­mied, war eben­so da­ne­ben wie die vo­rei­li­gen Kom­men­ta­re je­ner, die die Her­kunft der Be­tei­lig­ten ge­ra­de­zu dog­ma­tisch für un­er­heb­lich er­klär­ten.

Na­tür­lich sind die Er­eig­nis­se in Köln nicht ty­pisch für die ara­bi­schen Flücht­lin­ge – mehr als 199.000 der 200.000 Flücht­lin­ge in Nord­rhein-West­fa­len wa­ren in der Sil­ves­ter­nacht fried­lich und freund­lich. Aber die klau­en­den und grap­schen­den Mobs könn­ten für Se­xu­al­tä­ter des ara­bi­schen Raums ty­pisch sein. Da­für sprä­che die Ähn­lich­keit der Ver­ge­wal­ti­gun­gen und Be­läs­ti­gun­gen et­wa auf dem Kai­ro­er Ta­hir-Platz.

Se­xu­el­le Ge­walt ist in sich auf­lö­sen­den Ord­nun­gen weit­ver­brei­tet – und es war von vorn­her­ein klar, dass un­ter den Flücht­lin­gen sol­cher Län­der nicht nur die Op­fer zu uns kom­men, son­dern auch die Tä­ter. Wer tut, als wä­re je­der Ein­zel­ne schon des­halb, weil er Flücht­ling ist, ein be­rei­chern­der Mus­ter­bür­ger, be­rei­tet ei­ne Ent­zau­be­rung vor, die der gro­ßen Mehr­heit der an­stän­di­gen Flücht­lin­ge auf den Kopf fal­len kann.

Au­ßer­dem ist das Mit­lau­fen in Mobs ty­pisch für schwa­che Men­schen, de­nen Schran­ken feh­len: Nest­wär­me in der Fa­mi­lie, so­zia­le Kon­trol­le in Schu­le und Be­rufs­le­ben, Halt im Glau­ben. Men­schen, die Angst und nichts zu ver­lie­ren ha­ben, macht­los sind und um sich her­um Recht­lo­sig­keit er­le­ben. Freund­li­ches Ne­gie­ren der An­fäl­lig­keit der Flücht­lings­mi­lieus für Mob-Bil­dung verschleiert die Dring­lich­keit von In­te­gra­ti­ons­maß­nah­men.

Und schließ­lich: Mob­bing ist im­mer die Fol­ge von Ord­nungs­ver­lust. Der Staat kann sei­ne Rol­le als Ord­nungs­macht mit ei­ner Po­li­zei wie je­ner in Nord­rhein-West­fa­len aber nicht über­neh­men, die, wie der „Spie­gel“schon 2014 schrieb, „als be­son­ders zu­rück­hal­tend, fast schon zag­haft im Um­gang mit Kra­wall­ma­chern“gilt und als de­ren „schärfs­te Waf­fen“die „Dee­s­ka­la­ti­on und Kom­mu­ni­ka­ti­on“zähl­ten. Schwä­che heißt an­ge­sichts ei­nes Mobs aber nicht, Öl auf die Wo­gen, son­dern ins Feu­er zu gie­ßen.

Mög­li­cher­wei­se woll­te die Be­reit­schafts­po­li­zei in der Sil­ves­ter­nacht auch kei­ne Ge­walt ein­set­zen, weil Schlag­stö­cke ge­gen Flücht­lin­ge schlech­te Pres­se brin­gen und die Be­völ­ke­rung ra­di­ka­li­sie­ren könn­ten. Aber wenn der Staat es zu­lässt, sich von 1000 Mi­gran­ten schwer de­mü­ti­gen zu las­sen, rich­tet sich die Stim­mung erst recht ge­gen die Mil­lio­nen Mi­gran­ten, die gar nichts da­für­kön­nen. Der Au­tor war stv. Chef­re­dak­teur der „Pres­se“und ist nun Kom­mu­ni­ka­ti­ons­chef der Erz­diö­ze­se Wi­en.

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