AUF­SCHLAG

Nach drei Tur­nier­sie­gen 2015 strebt Ten­nis­pro­fi Do­mi­nic Thiem 2016 nach grö­ße­ren Er­fol­gen. Trai­ner Günter Bres­nik sieht den Weg vor­ge­zeich­net: »Es ist nur ei­ne Fra­ge der Zeit.«

Die Presse am Sonntag - - Sport - VON CHRIS­TOPH GASTINGER

Die Ge­ne­ral­pro­be miss­lang. Just we­ni­ge Ta­ge vor den am Mon­tag be­gin­nen­den Aus­tra­li­an Open plag­te sich Do­mi­nic Thiem mit ei­ner schmerz­haf­ten Bla­se am rech­ten Fuß. Sein Auf­takt­spiel in Syd­ney ge­gen den Lu­xem­bur­ger Gil­les Mül­ler muss­te der 22-Jäh­ri­ge vor­zei­tig be­en­den. Nicht nur, aber auch ei­ne Vor­sichts­maß­nah­me, schließ­lich gilt es vor dem ers­ten gro­ßen Hö­he­punkt der Sai­son kei­ne un­nö­ti­gen Ris­ken ein­zu­ge­hen; Mel­bourne ist für die Welt­spit­ze von im­men­ser Be­deu­tung, ei­ne Stand­ort­be­stim­mung. Auch für Thiem.

Drei Wo­chen in­ten­si­ve Vor­be­rei­tung in Te­ne­rif­fa und Wi­en stim­men zu­ver­sicht­lich, we­der das Bundesheer noch ei­ne Ver­küh­lung stör­ten dies­mal. Trai­niert wur­de auf dem Ten­nis­platz und ab­seits da­von, zu ei­nem or­dent­li­chen Auf­bau ge­hö­ren Ein­hei­ten in der Kraft­kam­mer. Thiem ver­ach­tet we­der Han­teln noch Klimm­zü­ge, „ei­gent­lich mag ich das“, sagt er im Ge­spräch mit der „Pres­se am Sonn­tag“. Ver­zicht­bar bleibt das Lauf­band. „Ganz ehr­lich, ich has­se es. Lie­ber lau­fe ich un­ter frei­em Him­mel.“Wer wie Thiem im Vor­jahr 30 Tur­nie­re be­stritt und den gan­zen Erd­ball be­reis­te, der muss die not­wen­di­gen phy­si­schen Vor­aus­set­zun­gen mit­brin­gen. Trai­ner Günter Bres­nik sieht sei­nen Schütz­ling da­hin­ge­hend gut ent­wi­ckelt: „Er ist jetzt rich­tig dünn, so lang­sam de­fi­niert sich sein gan­zer Kör­per. Ich bin zu­frie­den.“

Bres­nik gilt als kri­ti­scher Geist, der in der Ver­gan­gen­heit ge­gen­über Thiem auch nie mit öf­fent­li­cher Kri­tik spar­te. Im neu­en Jahr aber schlägt der 54-jäh­ri­ge Wie­ner bis­lang un­be­kann­te Tö­ne an. Er sagt: „Mo­men­tan fehlt mir kein we­sent­li­ches Ele­ment in sei­nem Spiel.“Doch wor­auf ba­siert die­ser Wan­del? „Do­mi­nic“, führt Bres­nik aus, „hat mich ein­fach über­zeugt. Der ge­sam­te Ver­lauf der letz­ten Sai­son stimmt mich zu­ver­sicht­lich.“ Top 10, ei­ne Schall­mau­er. 2015 ge­lang Thiem der Durch­bruch auf der ATP Tour. Sein „bre­akth­rough ye­ar“war ge­pflas­tert von Tur­nier­sie­gen in Niz­za, Umag und Gstaad, al­le­samt Tur­nie­re der „250“-Ka­te­go­rie. „Auf die­sem Le­vel kann ich kaum bes­ser spie­len“, weiß die ak­tu­el­le Num­mer 20 der Welt­rang­lis­te. Für Schrit­te in noch hö­he­re Sphä­ren be­darf es gu­ter Er­geb­nis­se bei gro­ßen Tur­nie­ren. „Ge­lingt mir das, geht es auch im Ran­king au­to­ma­tisch berg­auf.“Die Schall­mau­er Top 10 zu durch­bre­chen, ist der­zeit noch Il­lu­si­on, es feh­len im­mer­hin über 1000 Welt­rang­lis­ten­punk­te – oder ei­ne End­spiel­teil­nah­me bei den Aus­tra­li­an Open.

Thiem hat für sich zwar die größt­mög­li­chen Zie­le de­fi­niert, ist aber kein Freund da­von, sie öf­fent­lich un­ent­wegt zu un­ter­mau­ern. „Ich wä­re glück­lich, das Jahr er­neut in den Top 20 ab­zu­schlie­ßen“, ver­si­chert der Nie­der­ös­ter­rei­cher, des­sen wei­te­rer Auf­stieg zwangs­läu­fig auch eng an ei­ne be­deu­tend bes­se­re Bi­lanz ge­gen die ab­so­lu­te Eli­te ge­knüpft ist.

Von elf bis­he­ri­gen Du­el­len ge­gen Top-10-Spie­ler ver­lor Thiem zehn, die Aus­nah­me bil­de­te ein Er­folg über Stan Wa­wrin­ka in Ma­drid 2014. Vor zwei Wo­chen er­wies sich in Bris­bane Ro­ger Fe­de­rer beim erst­ma­li­gen Ver­gleich als zu stark. Bres­nik las­sen der­ar­ti­ge Rück­schlä­ge (noch) nicht am gro­ßen Gan­zen zwei­feln: „Ro­ger hat ge­gen Do­mi­nic ge­nau das ge­macht, was ein Rou­ti­nier mit ei­nem Roo­kie macht.“

Do­mi­nic Thiem

nimmt die Sai­son 2016 als Num­mer 20 der Welt­rang­lis­te in An­griff, nach­dem er im Vor­jahr gleich drei Tur­nier­sie­ge fei­ern konn­te. Bei den

(li­ve auf Eu­ro­sport) trifft Thiem in der Nacht auf Mon­tag auf den Ar­gen­ti­ni­er Leo­nar­do May­er. Ta­mi­ra Pas­zek meis­ter­te die Qua­li­fi­ka­ti­on und misst sich eben­falls am Mon­tag mit der Ita­lie­ne­rin Ro­ber­ta Vin­ci, Num­mer 15 der Welt­rang­lis­te.

Open

Aus­tra­li­an

Nach den Aus­tra­li­an Open be­strei­tet Thiem im Fe­bru­ar erst­mals die Sand­platz­tour in Süd­ame­ri­ka, ehe er An­fang März für den Da­vis­cup in Por­tu­gal nach Eu­ro­pa zu­rück­kehrt.

Es gin­ge im­mer noch dar­um, der­ar­ti­ge Er­fah­run­gen zu sam­meln, aus teils emp­find­li­chen Nie­der­la­gen die rich­ti­gen Schlüs­se zu zie­hen. Denn die Zeit spielt für Thiem, dies ist nicht bloß

Mit dem Deut­schen Alex Sto­ber be­schäf­tigt Thiem ei­nen ei­ge­nen Phy­sio­the­ra­peu­ten. Elf Spie­le, zehn Nie­der­la­gen: Die Bi­lanz ge­gen Spie­ler aus den Top 10 muss sich bes­sern.

ei­ne Ver­mu­tung – das Durch­schnitts­al­ter in den Top 10 be­trägt 29,7 Jah­re.

Ös­ter­reichs bes­ter Ten­nis­spie­ler fühlt sich ge­rüs­tet für ei­ne lan­ge Sai­son, voll­ge­packt mit gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen und lan­gen Rei­sen. Er kennt sei­ne Auf­ga­be, sei­ne Rol­le, „ich bin jetzt nicht mehr ganz neu auf der Tour“. Thiem hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren vie­les ge­lernt, als Ten­nis­spie­ler und als Mensch. So ist et­wa die Un­ge­duld nicht län­ger sein be­schwer­li­cher Be­glei­ter. „Nein, ich zu­cke nach ein paar schlech­ten Tur­nie­ren nicht gleich aus.“In Mel­bourne möch­te das ÖTVAss ein kräf­ti­ges Zei­chen set­zen, zum Auf­takt war­tet der star­ke Ar­gen­ti­ni­er Leo­nar­do May­er, die Num­mer 35 der Welt­rang­lis­te. Thiem träumt vom Wie­der­se­hen mit Fe­de­rer im Ach­tel­fi­na­le.

Als ers­ter Ti­tel­an­wär­ter gilt No­vak Djo­ko­vic.´ Der Ser­be ist im Mel­bour­nePark Ti­tel­ver­tei­di­ger, die Sai­son be­gann er mit der Fi­nal­de­mon­ta­ge von Ra­fa­el Na­dal in Do­ha. Ähn­li­ches wür­de in Mel­bourne nicht über­ra­schen. „Auf Grand-Slam-Ebe­ne kön­nen Djo­ko­vic´ nur ganz we­ni­ge Leu­te schla­gen“, weiß Thiem, der vor­erst kein En­de der ser­bi­schen Re­gent­schaft er­war­tet. „Ich den­ke, er wird noch ein, zwei Jah­re do­mi­nie­ren.“Spä­tes­tens dann hofft Thiem An­schluss an die ab­so­lu­te Spit­ze ge­fun­den zu ha­ben. Bres­nik: „Es ist nur ei­ne Fra­ge der Zeit, bis sich al­les in den Re­sul­ta­ten nie­der­schlägt.“

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