Auch wir­kungs­lo­se Arz­nei­mit­tel kön­nen hei­len

Noch im­mer wir© ©er Pla­ce­bo-Ef­fekt Żuch in Ärz­te­krei­sen un­tersch´tzt.

Die Presse am Sonntag - - Leben - VON CLAU­DIA RICH­TER

Der so­ge­nann­te Pla­ce­bo-Ef­fekt – al­so die An­nah­me, dass auch wir­kungs­lo­se Pil­len hel­fen kön­nen – ist in der Me­di­zin weit­hin be­kannt, viel­fach un­ter­sucht und um­strit­ten. Vie­le Ärz­te blei­ben da­bei, dass es sich beim Pla­ce­bo­Ef­fekt um Ein­bil­dung han­delt, dass ein­fach nicht sein kön­ne, was nicht sein darf, dass ein Schein­me­di­ka­ment oh­ne je­den phar­ma­ko­lo­gi­schen Wirk­stoff wirkt. So wird der Pla­ce­bo-Ef­fekt noch im­mer stark un­ter­schätzt, ob­wohl Pla­ce­bo-Wir­kun­gen im Hirn und in der Ana­to­mie nach­weis­bar sind.

Ei­nen der vie­len Er­klä­rungs­ver­su­che lie­fert Man­fred Po­ser in dem Buch „Der Pla­ce­bo-Ef­fekt. Wie die See­le den Kör­per heilt“(Cro­to­na-Ver­lag, 256 Sei­ten, 20,40 Euro). „Der Pla­ce­bo-Ef­fekt könn­te als Be­griff dann ver­schwin­den, wenn al­le wüss­ten, dass der Kör­per sich selbst heilt, dass die Pil­le über­schätzt wird“, schreibt er. Bei der Schmerz­be­kämp­fung sei der Pla­ce­bo-Ef­fekt ei­ne pro­ba­te Me­tho­de, um das ei­ge­ne Opiat­netz­werk zu ak­ti­vie­ren, so der Au­tor, der gro­ßes Au­gen­merk auf den Ein­fluss geis­tig-see­li­scher Fak­to­ren legt.

Den ver­blüf­fen­den Zu­sam­men­hän­gen zwi­schen der Psy­che und der Heil­kraft des Kör­pers wid­met sich auch Ant­je Ma­ly-Sa­mi­ra­low in ih­rem Buch „Das Prin­zip Pla­ce­bo. Wie po­si­ti­ve Er­war­tun­gen ge­sund ma­chen“(Knaur-Ver­lag, 256 Sei­ten, 18,50 Euro). Was heilt, sei un­ter an­de­rem die Zu­ver­sicht – wie sonst könn­ten bei­spiels­wei­se Schein­ope­ra­tio­nen am Knie mit­un­ter so wie ech­te chir­ur­gi­sche Ein­grif­fe wir­ken?

Auch wenn sich al­so Me­di­zi­ner und Wis­sen­schaft­ler über den Pla­ce­bo­Ef­fekt nicht wirk­lich ei­nig sind, bei der Zu­las­sung neu­er Me­di­ka­men­te spielt er ei­ne ent­schei­den­de Rol­le. Vor je­der Zu­las­sung wer­den Me­di­ka­men­te erst an Tie­ren und dann in Stu­di­en an Men­schen ge­tes­tet. Ins­ge­samt gibt es in Ös­ter­reich zwi­schen 300 und 500 kli- ni­sche Stu­di­en im Jahr. Rund 50 neue Wirk­stof­fe dürf­ten heu­er laut Ös­ter­rei­chi­scher Apo­the­ker­kam­mer die Zu­las­sung er­hal­ten. Schwar­zes Drei­eck für neue Arz­nei­en. Auch nach der Zu­las­sung wer­den neue Me­di­ka­men­te kon­ti­nu­ier­lich wei­ter über­wacht, be­wer­tet, eva­lu­iert – das ist die Phar­ma­ko­vi­gi­lanz. Ein schwar­zes Drei­eck mit der Spit­ze nach un­ten kenn­zeich­net seit Sep­tem­ber 2013 al­le neu­en Me­di­ka­men­te, die da­mit ei­ner zu­sätz­li­chen Über­wa­chung in der Phar­ma­ko­vi­gi­lanz un­ter­lie­gen. Das Drei­eck ist nicht auf der Pa­ckung selbst an­ge­bracht, son­dern auf der Ge­brauchs­in­for­ma­ti­on.

In Ös­ter­reich ist die Ages Me­di­zin­markt­auf­sicht für die Zu­las­sung und Über­wa­chung von Arz­nei­mit­teln und Me­di­zin­pro­duk­ten ver­ant­wort­lich.

In­fos zur Phar­ma­ko­vi­gi­lanz un­ter www.basg.gv.at/phar­ma­ko­vi­gi­lanz.

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