An­ge­la Mer­kels Prin­zi­pi­en

Die Presse am Sonntag - - Die Seite Zwei - VIER

Wer hät­te ge­dacht, dass sich die einst so prag­ma­ti­sche An­ge­la Mer­kel, die über Nacht das En­de der Atom­kraft in Deutsch­land de­kre­tier­te, ein­mal noch so prin­zi­pi­en­fest zei­gen wür­de? Ihr Vi­ze­kanz­ler, SPD-Chef Sig­mar Ga­b­ri­el, fürch­tet näm­lich – von Sie­mens-Chef Joe Ka­e­ser an­ge­sta­chelt – im Wett­lauf für ira­ni­sche Mil­li­ar­den­auf­trä­ge ins Hin­ter­tref­fen zu ge­ra­ten. Vor der Sank­tio­nen­ära war Deutsch­land Han­dels­part­ner Num­mer eins für den Iran.

Im Ju­li war der deut­sche Wirt­schafts­mi­nis­ter der Ers­te, der nach dem Wie­ner Atom-De­al nach Te­he­ran reis­te, um die Na­se vorn zu ha­ben. Dann ga­ben sich die Au­ßen­mi­nis­ter Ita­li­ens und Frank­reichs die Klin­ke in die Hand, um beim dies­wö­chi­gen Be­such des ira­ni­schen Prä­si­den­ten, Hassan Ro­ha­ni, in Rom und Pa­ris den Lohn für ih­re Lob­by­ar­beit zu ern­ten.

Ga­b­ri­el drängt auf ei­ne Ro­ha­ni-Vi­si­te in Ber­lin, Mer­kel pran­gert in­des die an­ti­is­rae­li­schen Tö­ne und die Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen des Mul­lah-Re­gimes an. Den Auf­schrei der deut­schen Wirt­schaft nimmt sie in Kauf. Wie in der Flücht­lings­kri­se gilt der Pas­to­ren­toch­ter das Lu­ther-Cre­do als Leit­mo­tiv: „Hier ste­he ich, ich kann nicht an­ders.“

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