Es fährt ein Zug nach Te­he­ran

Der Ös­ter­rei­cher Jo­sef Don­hau­ser und der Ira­ner Mo­ham­med Khala­fi wol­len Mil­lio­nen Bahn­fah­rer im Iran ver­kös­ti­gen. Die Ge­schich­te ei­nes Ge­schäfts trotz Sank­tio­nen und ei­ner Freund­schaft, die Gott per­sön­lich ein­ge­fä­delt ha­ben soll.

Die Presse am Sonntag - - Eco - VON NI­KO­LAUS JILCH UND MAT­THI­AS AU­ER

Staats­be­su­che, Mil­li­ar­den­de­als, ver­hüll­te Sta­tu­en: Der Iran ist in der ver­gan­ge­nen Wo­che mit gro­ßem Tam­tam wie­der auf die Welt­büh­ne zu­rück­ge­kehrt, nach­dem ein in Wi­en ein­ge­fä­del­ter Atom-De­al die Sank­tio­nen ge­gen das Land lo­ckern konn­te. Aber die Me­ga-De­als, die der Prä­si­dent des Iran, Hassan Ro­ha­ni, zu­letzt in Rom und Pa­ris ein­fä­deln konn­te, sie er­zäh­len nur die hal­be Ge­schich­te. Denn der Iran mit sei­nen 80 Mil­lio­nen Ein­woh­nern hat­te ja wäh­rend der Zeit der Sank­tio­nen nicht ein­fach auf­ge­hört zu exis­tie­ren.

Wäh­rend sein Prä­si­dent in Pa­ris über Öl und Peu­geots re­det, sitzt Mo­ham­med S. Khala­fi im Wie­ner Lu­xus­ho­tel Kem­pin­ski, lacht und raucht sich ei­ne Zi­gar­re an. Es ist 8.30 Uhr am Mor­gen, und Khala­fi ist gut ge­launt. „Ge­nau hier ha­be ich vor an­dert­halb Jah­ren den Jo­sef ken­nen­ge­lernt“, er­zählt Khala­fi und klopft sei­nem Sitz­nach­barn, Jo­sef Don­hau­ser, auf die Schul­tern. Dunk­le Zeit der Sank­tio­nen. Die zwei Män­ner ver­bin­det auf den ers­ten Blick re­la­tiv we­nig. Der 34-jäh­ri­ge Khala­fi be­treibt im Iran ein pri­va­tes Ei­sen­bahn­un­ter­neh­men – an­ge­fan­gen hat er sei­ne Kar­rie­re aber als Elf­jäh­ri­ger im Tep­pich­ge­schäft sei­ner Fa­mi­lie in Zan­jan, ei­ner Stadt so groß wie Graz, 300 Ki­lo­me­ter nord­west­lich von Te­he­ran. Don­hau­ser kommt aus Kirch­berg am Wech­sel, ei­ner klei­nen Ge­mein­de im süd­li­chen Nie­der­ös­ter­reich, rund 4000 Ki­lo­me­ter west­lich von Te­he­ran. Sei­ne El­tern be­trie­ben dort ei­ne klei­ne Kon­di­to­rei. Don­hau­ser mach­te dar­aus ein Ca­te­ring-Un­ter­neh­men, das Don. Zu­sam­men ge­bracht hat sie Gott­fried Rieck, eben­falls ein Ei­sen­bahn­mann, im Ok­to­ber 2014. Khala­fi hat da­mals für sei­nen Traum, zum größ­ten Bahn­un­ter­neh­mer des Iran auf­zu­stei­gen, ei­nen Ca­te­rer ge­sucht.

„In den dunk­len Zei­ten der Sank­tio­nen hat­ten wir ein kur­zes Tref­fen hier in Wi­en“, er­zählt der 46-jäh­ri­ge Don­hau­ser. „Zwei Wo­chen spä­ter war ich in Te­he­ran, und wir ha­ben ein Me­mo­ran­dum of Un­der­stan­ding un­ter­schrie­ben. So hat al­les be­gon­nen.“Khala­fi ist gera­de da­bei, 200 ge­brauch­te Pas­sa­gier­wag­gons der Deut­schen Bahn im Iran re­no­vie­ren zu las­sen. Sei­ne Fir­ma Fa­dak Trains will den Gäs­ten vier Klas­sen bie­ten – ei­ne mehr als die ÖBB. Die Ver­sor­gung steht im Mit­tel­punkt. Aber das ist erst der An­fang. Brü­der und See­len­ver­wand­te. Im Iran fah­ren pro Jahr 29 Mil­lio­nen Men­schen mit dem Zug. Drei Mil­lio­nen da­von in Wag­gons von Khala­fi. Er ist im Ge­schäft, seit der Staat die gan­ze Ei­sen­bahn pri­va­ti­sie­ren ließ und die Wag­gons an Un­ter­neh­mer ver­kauft hat – nicht aber die In­fra­struk­tur, die beim Staat bleibt. „Das ist das bes­te Sys­tem“,

Mo­ham­med Khala­fi ist Un­ter­neh­mer, seit er elf Jah­re alt ist.

sagt Khala­fi. Das Po­ten­zi­al ist groß. 95 Pro­zent al­len Ver­kehrs ent­fal­len im Öl­staat Iran auf die Stra­ße. Nur fünf Pro­zent auf die Schie­ne – und fünf Pro­zent auf die Luft­fahrt, die Khala­fi oh­ne­hin als Kun­de für das neue, ge­mein­sa­me Ca­te­ring­ge­schäft ge­win­nen will.

Da­mit nicht ge­nug. „Wir wol­len das größ­te Ca­te­ring­un­ter­neh­men der Welt auf­bau­en“, sagt Khala­fi und blickt Don­hau­ser an. Er nennt den Nie­der­ös­ter­rei­cher sei­nen „Bru­der“, sei­nen „See­len­ver­wand­ten“– und be­steht gar dar­auf, dass nie­mand Ge­rin­ge­rer als Gott die bei­den Ge­schäfts­part­ner zu­sam­men­ge­bracht ha­be. Khala­fi ist ein be­geis­te­rungs­fä­hi­ger Mensch, ge­wiss. Aber im Sank­ti­ons­re­gime war das Ge­schäf­te­ma­chen schwie­rig, ein we­nig Eu­pho­rie ist durch­aus ver­ständ­lich.

Fa­dak

Der Zug im Iran, das Es­sen aus Ös­ter­reich.

Fa­b­ry

Ge­schäfts­part­ner Mo­ham­med S. Khala­fi und Jo­sef Don­hau­ser.

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