JO­SEF DON­HAU­SER

Die Presse am Sonntag - - Eco -

Ei­gen­tü­mer der ös­ter­rei­chi­schen Ca­te­ring­fir­ma Don.

Zwar wa­ren Ge­schäfts­fel­der wie Tou­ris­mus und Gas­tro­no­mie von den Sank­tio­nen des Wes­tens nie di­rekt be­trof­fen. Auch Fir­men wie der Lift­bau­er Dop­pel­mayr oder Plas­ser & Theu­rer, im­mer­hin Welt­markt­füh­rer bei Gleis­bau­ma­schi­nen, wa­ren schon wäh­rend der Sank­tio­nen im Iran ver­tre­ten. Die Ex­por­te be­lie­fen sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auf rund 300 Mio. Dol­lar pro Jahr. Aber die Sank­tio­nen wa­ren all­ge­gen­wär­tig – vor al­lem bei Fi­nanz­din­gen. Wie kommt das Geld ins Land? „Auch wenn es für das Bahn­busi­ness kei­ne of­fi­zi­el­len Sank­tio­nen gab, das größ­te Pro­blem war der Geld­trans­fer“, er­zählt Jo­sef Don­hau­ser. Das Geld muss­te aus Du­bai oder der Tür­kei in den Iran über­wie­sen wer­den, wo ei­ne Bank es in ei­nem gro­ßen ge­mein­sa­men Topf „wie­der­fin­den“muss­te, wie Don­hau­ser es aus­drückt. Das war nicht il­le­gal, die Na­tio­nal­bank wuss­te im­mer Be­scheid. Aber es war müh­sam. „Ich muss­te für je­de Über­wei­sung nach Du­bai flie­gen“, so der Un­ter­neh­mer.

Und auch jetzt, da die Sank­tio­nen lang­sam auf­ge­ho­ben wer­den, ist die Si­tua­ti­on nicht plötz­lich per­fekt. Vie­le Ban­ken schre­cken da­vor zu­rück, wie­der ins Iran-Ge­schäft ein­zu­stei­gen – auch wenn die An­bin­dung des Lan­des an das in­ter­na­tio­na­le Zah­lungs­ver­kehrs­sys­tem Swift bald durch­ge­führt wer­den soll­te. Noch gibt es we­der ein In­ves­ti­ti­ons­schutz­ab­kom­men noch frei­en Geld­ver­kehr oder wirk­lich frei­en Per­so­nen- oder Wa­ren­ver­kehr zwi­schen Ös­ter­reich und dem Iran. Es gibt al­ler­dings et­was an­de­res: Ver­trau­en.

„Ös­ter­reich hat die kul­tu­rel­len Be­zie­hun­gen nie ein­ge­stellt“, er­zählt Don­hau­ser. Im Sep­tem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res, da war die Tin­te un­ter dem Atom-De­al noch nicht mal tro­cken, war so­fort ei­ne De­le­ga­ti­on un­ter Füh­rung des Bun­des­prä­si­den­ten, Heinz Fi­scher, in Te­he­ran. Da­mals wur­den De­als und Agree­ments in Hö­he von 80 Mil­lio­nen Euro ab­ge­schlos­sen – un­ter pe­ni­bler Ein­hal­tung der wei­ter be­ste­hen­den Sank­tio­nen. Auch auf zwi­schen­staat­li­cher Ebe­ne wur­de die Zu­sam­men­ar­beit in­ten­si­viert. Es gibt laut Au­ßen­mi­nis­te­ri­um Ab­kom­men in den Be­rei­chen Umwelt, Ener­gie, In­dus­trie­an­la­gen­bau, In­fra­struk­tur, In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie, Tou­ris­mus-Aus­bau, Me­di­zin und so­gar Ka­ta­stro­phen­hil­fe. Da­zu kom­men et­li­che Agree­ments zwi­schen Uni­ver­si­tä­ten und Fach­hoch­schu­len. Zu­dem ver­han­deln Ver­tre­ter bei­der Staa­ten ak­tu­ell ei­ne Road­map, die die Zu­sam­men­ar­beit in den Jah­ren 2016 bis 2020 skiz­zie­ren soll.

Jo­sef Don­hau­ser und Mo­ham­med S. Khala­fi wa­ren da na­tür­lich da­bei – aber die ei­ge­ne Ko­ope­ra­ti­on war längst in tro­cke­nen Tü­chern. Es be­durf­te Ver­hand­lun­gen, die über ein hal­bes Jahr lie­fen – und zwar in ei­ner Zeit, in der noch nicht ab­seh­bar war, wann die Sank­tio­nen ge­lo­ckert wer­den. Als sie ih­ren Ver­trag dann An­fang März 2015 un­ter­schrie­ben, über­trug das Staats­fern­se­hen li­ve „in der ira­ni­schen Va­ri­an­te der ,Zeit im Bild‘“, sagt Don­hau­ser. Hin­ter den bei­den Ge­schäfts­leu­ten stan­den der stell­ver­tre­ten­de Ei­sen­bahn­chef und der Vi­ze-Prä­si­dent – und grins­ten in die Ka­me­ra. 40.000 Es­sen pro Tag. Ge­mein­sam pla­nen Don­hau­ser und Khala­fi jetzt be­reits den nächs­ten Schritt in der ira­ni­schen Tou­ris­mus­in­dus­trie, in der nach dem En­de der Sank­tio­nen ein Boom er­war­tet wird: ei­ne Schu­le, ähn­lich ei­ner ös­ter­rei­chi­schen Ho­tel­fach­schu­le. Aber der­zeit er­rich­ten sie erst ein­mal in Te­he­ran ei­ne Kü­che, die 6000 Qua­drat­me­ter groß sein soll. Es wird auch schon ge­kocht, na­tür­lich ha­l­al.

Drei Mil­lio­nen Euro ha­ben die Part­ner bis­her in das Jo­int Ven­ture in­ves­tiert. Bis zu 20 Mil­lio­nen könn­te das Pro­jekt in sei­ner letz­ten Aus­bau­stu­fe kos­ten. Dann soll die Kü­che ei­ne Ka­pa- zi­tät von 40.000 Es­sen pro Tag ha­ben. Aber noch ba­cken die Part­ner et­was klei­ne­re Bröt­chen. Rund 1200 Es­sen kom­men bis­her täg­lich aus der ge­mein­sa­men Kü­che, in der noch heu­er bis zu 120 Mit­ar­bei­ter ar­bei­ten sol­len – auch wenn das Ge­bäu­de noch gar nicht kom­plett fer­tig­ge­stellt ist.

Aus der Kü­che, die über ei­ne ei­ge­ne Bä­cke­rei so­wie ein Le­bens­mit­tel­la­bor ver­fü­gen soll, be­lie­fern die Part­ner ne­ben Khala­fis ei­ge­nem Bahn­un­ter­neh­men noch ein wei­te­res der ins­ge­samt acht pri­va­ten Ei­sen­bahn­ge­sell­schaf­ten. Die Rail Par­daz Seir Com­pa­ny nimmt dem Ca­te­ring jähr­lich drei Mil­lio­nen Por­tio­nen ab. Die schie­re Grö­ße des Lan­des macht das Ca­te­ring zu ei­nem Kern­f­ak­tor im Bahn­ser­vice, denn ei­ne durch­schnitt­li­che Bahn­rei­se dau­ert im Iran zwölf St­un­den – da spielt der Hun­ger ei­ne Rol­le.

Un­ter­neh­men, die wäh­rend der Sank­tio­nen in den Iran ge­kom­men sind, sind kost­bar.

Per­si­an Phoenix. Der Iran ist nach dem Atom-De­al frei­lich nicht über Nacht zum west­li­chen Land ge­wor­den. Die Zeit der Aus­gren­zung steckt al­len in den Kno­chen. Und nie­mand hat ver­ges­sen, wer auch in schwe­ren Zei­ten den Kon­takt ge­hal­ten hat. „Heu­te ist es na­tür­lich ein Rie­sen-As­set, schon wäh­rend der Sank­tio­nen im Iran ge­we­sen zu sein. Das wird dort sehr ge­schätzt – bis in die höchs­ten po­li­ti­schen Krei­se“, so Don­hau­ser. Khala­fi be­stä­tigt: „Je­der in der Re­gie­rung weiß, dass die Un­ter­neh­men, die wäh­rend der Sank­tio­nen in den Iran ge­kom­men sind, kost­bar sind. Die, die jetzt im Früh­ling plötz­lich auf­tau­chen, wer­den im nächs­ten Herbst wie­der ver­schwin­den.“

Wenn noch ein Un­ter­neh­men aus Ös­ter­reich in den ira­ni­schen Ei­sen­bahn­markt ein­stei­gen wol­le, soll­ten sie zu­erst Don­hau­ser kon­tak­tie­ren, sagt Khala­fi – und lacht. „Je­der soll­te über Jo­sef kom­men, er ist mein Bru­der. Er re­spek­tiert auch die Un­ter­schie­de zwi­schen un­se­ren Völ­kern, er weiß, dass wir un­se­re ei­ge­nen Bräu­che und un­se­re ei­ge­ne Kul­tur ha­ben.“

Ge­mein­sam mit Gott­fried Rieck, der sie ein­an­der vor­ge­stellt hat, wol­len die bei­den schon bald auch den Ori­ent-Ex­press „in den Schat­ten stel­len“. Per­si­an Phoenix heißt der Ho­tel­zug, den der Ira­ner und die bei­den Ös­ter­rei­cher 2017 auf die Schie­ne stel­len wol­len – um zah­lungs­kräf­ti­ge Kun­den ins Land zu ho­len. Ob es bis da­hin we­ni­ger, mehr oder gleich vie­le Sank­tio­nen gibt, ist ih­nen da­bei „ziem­lich egal“.

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