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Kann man Phi­lo­so­phie es­sen? Mit ei­nem neu­ar­ti­gen Ku­li­na­rik­kon­zept lässt Klaus Deutsch­bau­er auf­hor­chen. Der selbst­er­nann­te Ma­te­schitz hat Gro­ßes vor. Mit klei­nen Knö­deln.

Die Presse am Sonntag - - Mein Geld - VON LA­RA KRI­WAN

Knö­del“hört er ei­gent­lich nicht gern. Klaus Deutsch­bau­er be­schreibt sei­ne Mul­ti­cul­ties lie­ber als „run­de, knö­del­ar­ti­ge Le­bens­mit­tel mit Ge­schmacks­er­leb­nis“. Mit dem Nach­satz: „Mul­ti­cul­ties – a glo­bal idea“. Die Re­zep­te und Zu­ta­ten für die klei­nen ge­füll­ten Teig­lin­ge stam­men aus al­ler Welt. So gibt es ei­nen Chil­li-con-Car­ne-Cul­ti aus Me­xi­co, ei­nen Piz­za-Cul­ti aus Ita­li­en und ei­nen Ta­fel­spitz-Cul­ti aus Ös­ter­reich. Auch ve­ge­ta­ri­sche, ve­ga­ne und sü­ße Cul­ties oder sol­che mit Fisch ste­hen auf dem Spei­se­plan. Mit die­sen tief­ge­fro­re­nen Ku­geln möch­te der Un­ter­neh­mer Klaus Deutsch­bau­er buch­stäb­lich die Welt er­obern.

Aber zu­rück zum An­fang. Die Idee kam Klaus Deutsch­bau­er vor rund zwei Jah­ren prak­tisch über Nacht. „Ich hat­te die­se Vi­si­on, dann bin ich auf­ge­wacht und schmier­te ei­nen gan­zen A4-Block voll“, er­zählt der 46-Jäh­ri­ge. Zwei Mo­na­te da­vor ha­be er den ti­be­ti­schen Da­lai La­ma be­sucht, der ihm Gro­ßes vor­her­ge­sagt ha­be. „Er nahm mei­ne Hand, schau­te mich an und sag­te nur: ,Sie wer­den ein Rie­sen­pro­jekt im Be­reich Er­näh­rung in die Welt set­zen.‘“Da­mit war al­so Idee der Mul­ti­cul­ties ge­bo­ren. 3000 Stück zur Pro­be. Die ers­te Hür­de war es, sei­ne Le­bens­part­ne­rin von der Idee zu über­zeu­gen. Heu­te ist sie mit im Boot. Ans Auf­ge­ben dach­te Klaus Deutsch­bau­er nie: „Ich war frü­her Spit­zen­sport­ler, fuhr Bahn­r­ad­ren­nen, bin al­so Durch­bei­ßen ge­wohnt.“Die ers­ten Knö­del ent­stan­den in Deutsch­bau­ers ei­ge­ner Kü­che in Brei­ten­furt bei Wi­en. Sei­ne Part­ne­rin ex­pe­ri­men­tier­te mit der Re­zep­tur und der rich­ti­gen Run­dung. Im Lau­fe der Zeit form­ten die bei­den fast 3000 Stück. Deutsch­bau­er nennt sich das „Vi­sio­na­ry Brain“hin­ter dem Pro­jekt, sei­ne Part­ne­rin sei für den Ge­schmack ver­ant­wort­lich: „Sie ist wie ein Halb­gott in der Kü­che.“Mit den fer­ti­gen Cul­ties be­such­te Deutsch­bau­er Kö­che, In­ves­to­ren und Freun­de. Er ver­gleicht sich gern mit dem Red-Bull-Grün­der, Dietrich Ma­te­schitz, der am An­fang sei­ner Kar­rie­re al­le von sei­nen Do­sen über­zeu­gen muss­te. Nun geht es um die Welt­herr­schaft der Knö­del.

Heu­te be­steht das Team rund um die Mul­ti­cul­ties aus vier Leu­ten. Ne­ben Klaus Deutsch­bau­er und sei­ner Le­bens­ge­fähr­tin ge­hö­ren noch zwei Ge­schäfts­part­ner zum Team. „Man kann noch so ei­ne tol­le Vi­si­on oder ge­nug Geld ha­ben, oh­ne das rich­ti­ge Team wird das nie et­was“, sagt er. Pro­du­ziert wird bei ei­nem gro­ßen Her­stel­ler in Ober­ös­ter­reich. Für die Zu­ta­ten ha­be er „ein welt­wei­tes Netz an Part­nern“an der Hand, wie Deutsch­bau­er be­tont. Mit die­sem sol­len die Mul­ti­cul­ties auch leich­ter in al­le Welt rol­len.

Vor der Be­geg­nung mit dem Da­lai La­ma und der Knö­del-Vi­si­on ver­lief Klaus Deutsch­bau­ers Le­ben ver­gleichs­wei­se alt­ba­cken: Er stu­dier­te Er­näh­rungs­wis­sen­schaf­ten und Bio- che­mie in Wi­en. Sei­ne Ab­schluss­ar­beit schrieb er ge­mein­sam mit der Fast­Food-Ket­te McDo­nald’s. Es folg­ten ei­ne Kar­rie­re beim Le­bens­mit­tel­kon­zern Uni­le­ver und Aus­lands­auf­ent­hal­te in Bra­si­li­en und Russ­land. Deutsch­bau­ers Me­tier: Pro­dukt­ma­nage­ment und Qua­li­täts­si­che­rung. Mit Nah­rungs­mit­teln kennt er sich al­so schon lan­ge aus, als Un­ter­neh­mer be­tritt er nun aber Neu­land. „Es bleibt ein stän­di­ges Durch­bo­xen“, er­zählt Deutsch­bau­er. „Als Vi­sio­när hat man es in Zei­ten wie die­sen nicht gera­de leicht.“

Was treibt ihn an, auf ei­nen gut be­zahl­ten Job zu ver­zich­ten und sich der Lei­den­schaft für Knö­del hin­zu­ge­ben? Das Be­son­de­re an den Cul­ties sei, dass sie Phi­lo­so­phie, Ku­li­na­rik und Kom­mu­ni­ka­ti­on ver­bän­den: „Ich möch­te Men­schen über den Ge­nuss zu­sam­men­brin­gen, Ak­zep­tanz und To­le­ranz ver­mit­teln. So­zu­sa­gen par­al­lel zur Di­plo­ma­tie.“

Klaus Deutsch­bau­er lebt sei­ne Phi­lo­so­phie: In sei­ner Woh­nung, die gleich­zei­tig auch sein Bü­ro ist, sta­peln sich ti­be­ta­ni­sche Koch­bü­cher und gol­de­ne Bud­dha­sta­tu­en. Er sei zum Bud­dhis­mus kon­ver­tiert, er­zählt er. Mehr­mals im Jahr rei­se er nach Asi­en, wo er sich zu neu­en Cul­ties in­spi­rie­ren las­se. Wenn er in ei­nem Land ei­nen Markt auf­baue, ler­ne er erst ein­mal die Spra­che: „In Chi­na ha­be ich mei­ne Er­öff­nungs­re­de auf Man­da­rin ge­hal­ten. Als Zei­chen von Re­spekt ge­gen­über der Be­völ­ke­rung.“Sei­ne Knö­del sei­en wie Kin­der für ihn. Viel­leicht hat er auch dar­um kei­nen ei­ge­nen Lieb­lings-Cul­ti. Die Ster­ne ste­hen gut. Mo­men­tan gibt es 20 Sor­ten von Knö­deln, die ku­li­na­risch aus 13 Län­dern stam­men. Aber auch hier will Klaus Deutsch­bau­er glo­bal er­wei­tern. Des­we­gen stu­die­re er bei sei­nen vie­len Rei­sen die ku­li­na­ri­schen und kul­tu­rel­len Ei­gen­hei­ten. Ak­tu­ell ist et­wa ein US-Cul­ti am Kö­cheln. Ist ein neu­er Cul­ti ge­bo­ren, wird er zu­al­ler­erst ein­mal von ein­hei­mi­schen Kö­chen und Le­bens­mit­te­l­ex­per­ten ver­kos­tet. „In den Tür­kei-Cul­ties be­fin­det sich zum Bei­spiel kein nor­ma­ler Speck, son­dern Beef­ba­con. Ich muss mich ja an die Glau­bens­rich­tun­gen an­pas­sen.“

Mitt­ler­wei­le ent­wirft er sei­ne Cul­ties nicht nur für die Kü­che, son­dern auch fürs Kin­der­zim­mer. In Form ei­nes Spiels „rund um die Cul­ties-Phi­lo­so­phie“. Und da­bei ge­he es nicht nur um Er­näh­rung, son­dern vor al­lem auch um den Um­gang mit frem­den Kul­tu­ren.

Und über­haupt: 2016 wird für ihn ein groß­ar­ti­ges Jahr wer­den, ist Deutsch­bau­er über­zeugt. Spä­tes­tens ab Som­mer wer­de er durch­star­ten. Das ha­be ihm schließ­lich nie­mand Ge­rin­ge­rer als die Ra­dio-Astro­lo­gin Ger­da Ro­gers pro­phe­zeit.

Der Da­lai La­ma und Ger­da Ro­gers ha­ben den Cul­ties be­reits Er­folg vor­her­ge­sagt.

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