Von der Kunst, sich über Was­ser zu hal­ten

Kork schwimmt oãenŻuf. Gün­ther Schies­ser hŻt ©ie Ei­gen­schŻft ©es NŻ­tur­pro©ukts in sei­nem Kor­ken­ver­ede­lungs­be­trieb zum Gesch´fts­mŻn­trŻ er­hoãen. Seit JŻh­ren wehrt er sich ge­gen ©en üãerm´ch­ti­gen Tren© hin zum SchrŻuã­ver­schluss.

Die Presse am Sonntag - - Werkstatt - VON AN­TO­NIA LÖFF­LER

Man­che Ur­lau­be blei­ben in Er­in­ne­rung. So wie der des acht­jäh­ri­gen Ger­hard Schies­ser im Jahr 1948. Mit ei­nem Ca­ri­tas-Kin­der­trans­port wur­de er da­mals aus dem vom Krieg ge­zeich­ne­ten Ös­ter­reich auf Ur­laub nach Por­tu­gal ver­sandt. Dort nahm sich der Kor­k­in­dus­tri­el­le Hen­ri­que Amo­rim des blon­den ös­ter­rei­chi­schen Bu­ben an. Der fa­mi­liä­re Kon­takt hielt über die Jah­re. Ei­nes Ta­ges läu­te­te das Te­le­fon des mitt­ler­wei­le er­wach­se­nen Ger­hard. Er, flie­ßend in Eng­lisch und Fran­zö­sisch, sol­le nach Por­tu­gal kom­men. Es ge­be Ar­beit für ihn.

Ein ver­schnei­ter Tag An­fang des Jah­res am Wie­ner Mar­ga­re­ten­gür­tel: Sohn Gün­ther emp­fängt im Fa­mi­li­en­be­trieb Kor­ken Schies­ser. Sein Va­ter, der ei­gent­lich Ma­the­ma­tik­pro­fes­sor wer­den woll­te, war dem Ruf nach Wes­ten da­mals tat­säch­lich ge­folgt. Die Fir­ma der Fa­mi­lie Amo­rim, heu­te mit vier Mil­li­ar­den der welt­weit jähr­lich zehn Mil­li­ar­den pro­du­zier­ten Na­tur­kork­ver­schlüs­se un­um­schränk­ter Markt­füh­rer, hat­te in den Sech­zi­gern bei Wei­tem nicht ih­re heu­ti­gen Di­men­sio­nen. Die Ex­pan­si­on lief gera­de erst an. Da konn­te ei­ne Zweig­stel­le in Ös­ter­reich nicht scha­den. Nach vier Ar­beits­jah­ren in Por­tu­gal grün­de­te Ger­hard Schies­ser 1967 ge­mein­sam mit dem Mut­ter­kon­zern sei­nen Wie­ner Kork­groß­han­del. Amo­rim öff­ne­te sich da­durch das Tor in den Os­ten, das der por­tu­gie­si­schen Fir­ma von der ehe­ma­li­gen UdSSR bis da­hin ver­wehrt ge­blie­ben war. Und Schies­ser wur­de un­ver­se­hens zu ei­nem der größ­ten Kor­k­lie­fe­ran­ten Mit­tel- und vor al­lem Ost­eu­ro­pas. Sät­ze, die man nicht hö­ren will. Seit 2004 steht Gün­ther Schies­ser an der Spit­ze des Fa­mi­li­en­be­triebs. Die­ser ist längst vom pu­ren Lie­fe­ran­ten zum Kor­ken­ver­ede­ler auf­ge­stie­gen. „Nä­her am Kun­den“, so lau­te­te die von der por­tu­gie­si­schen Mut­ter An­fang der Neun­zi­ger aus­ge­ge­be­ne Pa­ro­le. In Ös­ter­reich folg­te man, nahm ei­ne hal­be Mil­li­on Euro in die Hand, bau­te neu­es­te La­bo­ra­to­ri­en, in de­nen man den Roh­stoff von da an selbst wei­ter­ver­ar­bei­te­te – und hat­te un­ge­trüb­ten Er­folg.

Bis 2000. Die Jahr­hun­dert­wen­de bil­det in der Er­in­ne­rung des 51-jäh­ri­gen Ge­schäfts­füh­rers ei­ne Zä­sur in der Fir­men­ge­schich­te. Schuld war der Kork­ge­schmack. „Der Wein korkt“, ist wohl für ihn ei­ne ähn­li­che Hi­obs­bot­schaft wie Plus­gra­de für Ös­ter­reichs Ski­ge­bie­te. Er­schwe­rend kom­me der ös­ter­rei­chi­sche Weiß­wein­über­hang hin­zu, so Schies­ser. 70 Pro­zent der Wei­ne sind hier­zu­lan­de weiß und da­mit

»Der Wein korkt«, ist für ihn ei­ne ´hn­li­che Hi­oãsãot­schŻft wie Plus­grŻ©e für Ski­geãie­te.

an­fäl­li­ger für den Kork­ge­schmack. „Ein Ro­ter ver­trägt das eher“, sagt Schies­ser. Man merkt ihm an, dass er Ös­ter­reichs kli­ma­ti­sche Ver­hält­nis­se halb im Scherz als per­sön­li­che Be­lei­di­gung be­trach­tet. Wäh­rend welt­weit nach wie vor 75 Pro­zent der Wein- und Spi­ri­tus­fla­schen mit dem tra­di­tio­nel­len Na­tur­kork ver­stöp­selt wer­den, geht man in Ös­ter­reich seit ei­ni­gen Jah­ren den ent­ge­gen­ge­setz­ten Weg. 80 Pro­zent der 20 Mil­lio­nen hei­mi­schen Fla­schen be­kom­men heu­te ei­nen Schraub­ver­schluss auf­ge­setzt.

Ir­gend­wann sind dann auch die Mo­no­po­lis­ten in Por­tu­gal, von de­ren Lie­fe­run­gen die Schies­sers ab­hän­gen, auf­ge­wacht. Von der Prä­mis­se „Wir ha­ben das im­mer schon so ge­macht“ist man mit Er­star­ken des US-Kon­kur­ren­ten No­ma­corc, Her­stel­ler von Plas­tik­kork­ver­schlüs­sen, um die Jahr­tau­send­wen­de end­gül­tig ab­ge­rückt. Der Stern der syn­the­ti­schen Ver­schlüs­se war je­doch schnell wie­der im Sin­ken be­grif­fen, denn das Plas­tik hielt nicht, was es

KŻt­hŻ­rinŻ Roßãoth

Gün­ther Schies­ser lei­tet seit 2004 den Wie­ner Fa­mi­li­en­be­trieb Kor­ken Schies­ser, der Mit­tel- und Ost­eu­ro­pa jähr­lich mit 40 Mil­lio­nen Kor­ken ver­sorgt.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.