PREIS­VER­GLEICH

Die Presse am Sonntag - - Werkstatt -

Schraub­ver­schluss aus

Alu­mi­ni­um:

vier bis fünf Cent pro Stück

Kork­ver­schluss aus

Mi­kro­gra­nu­lat:

zehn Cent pro Stück

Na­tur­kork­ver­schluss:

40 Cent bis ein Euro pro Stück – je nach Qua­li­tät und Grö­ße ver­sprach, wur­de bald luft­durch­läs­sig. 2004 trat mit dem Schraub­ver­schluss aber der wirk­lich ge­fähr­li­che Kon­kur­rent des Na­tur­kor­ken auf den Plan. Und der hält sich zum Leid Schies­sers vor al­lem bei jun­gen Weiß­wei­nen im deut­schen Raum hart­nä­ckig er­folg­reich.

Der Koh­len­was­ser­stoff TCA, ex­ak­ter Tri­chlo­ra­ni­sol, brach der Na­tur­kork­bran­che image­mä­ßig das Ge­nick. Er schafft den omi­nö­sen dumpf-muf­fi­gen Kork­ge­schmack. In Por­tu­gal zog man vor rund 15 Jah­ren die Reiß­lei­ne, ver­ab­schie­de­te sich von lieb ge­won­ne­nen tra­di­tio­nel­len Ar­beits­schrit­ten. Die Rin­de der Kork­ei­che, in den hei­ßes­ten Mo­na­ten des Jah­res in den por­tu­gie­si­schen Wäl­dern von den hun­dert­jäh­ri­gen Bäu­men ge­schält, ließ man nicht mehr mo­na­te­lang auf dem Wald­bo­den lie­gen. Das Was­ser, in dem die Rin­den ge­wa­schen wur­de, wech­sel­te man frü­her ein­mal die Wo­che. Heu­te wird un­ter ste­ti­gem Was­ser­druck ge­säu­bert. Schritt für Schritt sank so der TCA-Wert von zehn auf un­ter zwei Na­no­gramm pro Li­ter, ver­bes­ser­ten sich so wie­der Qua­li­tät und Image des Na­tur­kor­kens. Die üb­li­chen Ver­däch­ti­gen. Dann passierte et­was, was für die an­ge­schla­ge­ne Na­tur­kork­bran­che höchst be­frie­di­gend ge­we­sen sein muss. Wein aus Fla­schen mit Schraub­ver­schluss be­gann auf omi­nö­se Wei­se eben­falls zu kor­ken. Dies­mal war es Tri­bro­ma­ni­sol (TBA), che­misch eng ver­wandt mit TCA, das den Wein­ge­schmack ver­darb. Es stell­te sich her­aus, dass sich die­ser Stoff in feuch­ten Holz­pa­let­ten oder Wein­kar­tons bil­den und die ver­schraub­ten Fla­schen en­tern kann. „Oft wur­de dem Na­tur­kork ein Feh­ler zu­ge­schanzt, der gar nichts mit TCA zu tun hat­te“, so der Ge­schäfts­füh­rer. Heu­te weiß er sich mit­tels hoch­mo­der­ner Ana­ly­se­ver­fah­ren ge­gen Kun­den­be­schwer­den zu weh­ren. In ei­nem so­ge­nann­ten Ga­sch­ro­ma­to­gra­fen der Wein­bau­schu­le Ei­sen­stadt kann bei re­kla­mier­ter Wa­re ge­ge­be­nen­falls schnell der Be­weis er­bracht wer­den: Das TBA ist schuld.

„Wir kom­men lang­sam zu­rück in Ös­ter­reich“, gibt sich Schies­ser op­ti­mis­tisch. Aber man merkt ihm an: Die Sie­ges­ge­wiss­heit, die die Bran­che frü­her ver­sprüh­te, ist da­hin. Den­noch: Schlecht ist die Markt­stel­lung der Mar­ke Schies­ser nicht. Seit der Über­nah­me des größ­ten ös­ter­rei­chi­schen Mit­be­wer­bers 2008 hat man hier­zu­lan­de ein Qua­si-Mo­no­pol in­ne. Ein jähr­li­cher Um­satz von 6,5 Mil­lio­nen, 950 Kun­den, dar­un­ter Groß­ka­li­ber wie die Win­ze­rei Knoll und der Sekt­her­stel­ler Schlum­ber­ger, und Ex­por­te in 14 eu­ro­päi­sche Län­der zei­gen, dass die Nach­fra­ge nach dem Na­tur­pro­dukt trotz al­ler lo­ka­len Weiß­weinaf­fi­ni­tät zu­min­dest für ei­nen gro­ßen Play­er auf dem Markt aus­reicht.

Und Schies­ser ist ein um­trie­bi­ger Mann: Die Zei­chen der Zeit er­ken­nend, bie­tet er seit Kur­zem „grü­ne“Kor­ken für bio­dy­na­mi­sche Wein­bau­ern an. Da­zu kom­men Sekt­kor­ken, Press­kor­ken, so­gar Schraub­ver­schlüs­se aus Kork (de­ren Pfer­de­fuß al­ler­dings ist, dass man für sie den Fla­schen­hals teu­er an die Kork­form an­pas­sen muss). 40 Mil­lio­nen Kor­ken für die Wein- und Spi­ri- tuo­sen­bran­che ver­las­sen jähr­lich den La­de­hof am Mar­ga­re­ten­gür­tel. Da­zu kom­men Kork­pro­duk­te für die In­dus­trie und so­gar – ob­wohl Schies­ser dar­über nicht gern spricht – Alu­mi­ni­um­schraub­ver­schlüs­se. „In ganz ge­rin­gem Aus­maß, um bei den Win­zern im Ge­spräch zu blei­ben“, er­klärt er.

In den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren kam dann der Durch­bruch für Amo­rim – und da­mit für die ös­ter­rei­chi­sche Toch­ter, Kor­ken Schies­ser. Bei Gra­nu­lat­kor­ken er­reich­te man mit neu­en Was­ser­druck­ver­fah­ren ei­ne lu­pen­rei­ne TCA–Frei­heit. Je­doch ha­ben die aus dem bil­li­ge­ren Kor­ka­brieb her­ge­stell­ten Mo­del­le das­sel­be Pro­blem wie Plas­tik­kor­ken: Auch hier dringt nach drei, vier Jah­ren Luft in die Fla­sche. „Das ist nichts für gu­te, al­te Trop­fen, nur für Jung­wei­ne“, so Schies­ser. Das dürf­te den Groß­teil der ös­ter­rei­chi­schen Wein­bau­ern bei ih­rem Grü­nen Velt­li­ner nicht wei­ter stö­ren. Schies­ser je­doch schon, sei­ne Haupt­ab­neh­mer sind die bur­gen­län­di­schen Rot­wein­bau­ern. Die nächs­te Re­vo­lu­ti­on brin­ge dann die wah­re Er­leich­te­rung, ist er über­zeugt. Und die ste­he kurz be­vor. Denn Amo­rim fand ein Ver­fah­ren, mit­tels des­sen man auch für den was­se­r­un­durch­läs­sigs­ten Na­tur­kor­ken ei­ne qua­si hun­dert­pro­zen­ti­ge TCA-Frei­heit wird ga­ran­tie­ren kön­nen. Das Pro­dukt wer­de noch die­sen Früh­ling prä­sen­tiert und den Kork­markt re­vo­lu­tio­nie­ren, ist Schies­ser über­zeugt. Und fügt in sei­nem un­er­schüt­ter­li­chen Grun­d­op­ti­mis­mus an: „Ich glau­be, dass wir uns mit Kork über Was­ser hal­ten kön­nen.“

»Oft wur©e ©em NŻ­tur­kork ein Feh­ler zu­ge­schŻnzt, ©er gŻr nichts mit TCA zu tun hŻt­te.«

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