Wort der Wo­che

BE­GRIF­FE DER WIS­SEN­SCHAFT

Die Presse am Sonntag - - Wissen - VO N MAR­TIN KUG­LER

Die Zei­chen meh­ren sich, dass Trink­was­ser knapp wird. Ein in­ter­na­tio­na­les Kon­sor­ti­um un­ter ös­ter­rei­chi­scher Lei­tung will nun erst­mals ge­naue Da­ten auf den Tisch le­gen. ster­reich ist mit Was­ser ge­seg­net: Selbst im Re­kord­som­mer 2015 reich­ten Grund­und Qu­ell­was­ser lo­cker aus, um den im­men­sen Be­darf zu de­cken; dass auch die Ver­tei­lung ge­klappt hat, ist den Mil­li­ar­den­in­ves­ti­tio­nen der rund 5500 hei­mi­schen Was­ser­ver­sor­ger seit dem Dür­re­jahr 2003 zu ver­dan­ken.

Welt­weit ist die Si­tua­ti­on nicht so ro­sig: Der glo­ba­le Was­ser­ver­brauch hat sich in den ver­gan­ge­nen 100 Jah­ren auf jähr­lich 4000 Ku­bik­ki­lo­me­ter glatt ver­acht­facht. Von ei­nem „Peak Aqua“– al­so ei­nem ab­seh­ba­ren Ma­xi­mum der Was­ser­ent­nah­me (ana­log zum „Peak Oil“für die Öl­för­de­rung) – re­det der­zeit noch kaum je­mand. Doch of­fen­sicht­lich ist, dass man sich in im­mer mehr Re­gio­nen ei­ner Nut­zungs­gren­ze an­nä­hert. Rund acht Pro­zent des welt­weit ver­brauch­ten Was­sers stam­men schon heu­te aus fos­si­len Grund­was­ser­schich­ten (die nicht durch Nie­der­schlä­ge auf­ge­frischt wer­den). Zu­dem gibt es ein Qua­li­täts­pro­blem: Rund ei­ne Mil­li­ar­de Men­schen hat kei­nen Zu­gang zu sau­be­rem Trink­was­ser. Die ein­zi­ge Al­ter­na­ti­ve dort ist Was­ser in Fla­schen – und man­cher­orts, et­wa in Tei­len In­di­ens, ist ein Li­ter Fla­schenwas­ser schon teu­rer als ein Li­ter Erd­öl!

Die Erd­be­völ­ke­rung wächst wei­ter, gleich­zei­tig stei­gen auch der Le­bens­stan­dard und die An­sprü­che an Le­bens­mit­tel (de­ren Pro­duk­ti­on 70 Pro­zent des Was­sers ver­schlingt). Die un­aus­weich­li­che Fol­ge: Der Was­ser­ver­brauch wird wei­ter zu­neh­men. Es gibt zwar glo­ba­le Schät­zun­gen (plus 60 bis 100 Pro­zent bis 2050), doch nie­mand kann der­zeit se­ri­ös sa­gen, wie sich der Be­darf in den ver­schie­de­nen Re­gio­nen ent­wi­ckeln wird. Ei­ne Ant­wort will die 2012 ge­star­te­te „Wa­ter Fu­tures and So­lu­ti­ons“-Initia­ti­ve (WFaS) ge­ben, ein rie­si­ges in­ter­na­tio­na­les For­scher­kon­sor­ti­um un­ter Lei­tung des In­sti­tuts für An­ge­wand­te Sys­tem­ana­ly­se (IIASA) in La­xen­burg. Die­se Wo­che wur­de in der Fach­zeit­schrift Geo­sci­en­ti­fic Mo­del De­ve­lop­ment ein ers­ter Mei­len­stein ver­öf­fent­licht, näm­lich Mo­del­le, mit de­nen die Was­ser­zu­kunft be­re­chen­bar wer­den soll. Un­ab­hän­gig von den ge­nau­en Er­geb­nis­sen sei si­cher, dass „je­der Trop­fen Was­ser zu­neh­mend wert­voll wird und ef­fi­zi­en­ter und in­ten­si­ver ge­ma­nagt wer­den muss“, so die IIASA-For­scher.

Denn der­zeit wird ge­prasst, wie auch der Inns­bru­cker Öko­nom Jo­sef Nuss­bau­mer in sei­nem neu­en Buch „Lei­dens­we­ge der Öko­no­mie“meint: Es sei er­staun­lich, dass „der Ho­mo oe­co­no­mi­cus die­se Res­sour­ce so we­nig ach­tet und groß­teils so un­ver­ant­wort­lich mit die­sem be­son­de­ren Gut um­geht“. Der Au­tor lei­te­te das For­schungs­res­sort der „Pres­se“und ist Chef­re­dak­teur des „Uni­ver­sum Ma­ga­zins“.

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