Der Fall des »Gu­rus« Bik­ram

Moããing, se­xu­el­le Bel´sti­gung: NŻch jŻh­relŻn­gen Vor­wür­fen wur©e Bi­krŻm Chou©hu­ry ver­ur­teilt. Der Hy­pe um Bi­krŻm Yo­gŻ ist (Żuch) ©es­we­gen vor­ãei.

Die Presse am Sonntag - - Leben - VON CHRIS­TI­NE IMLINGER

Er tritt vor­zugs­wei­se in knap­pen Ba­den­ho­sen oder glän­zen­den An­zü­gen auf – und in ers­te­ren po­siert er auf Fo­tos auch gern wie ein Bo­dy­buil­der. Er spricht (oder sprach, da­zu aber spä­ter) gern von sei­nem Reich­tum, un­ter an­de­rem von den vier­zig Lu­xus­au­tos, die er sei­nem Yo­gaIm­pe­ri­um ver­dankt, und von sei­nem prunk­vol­len Le­ben in Be­ver­ly Hills. Dem Bild vom in­di­schen Yo­gi, wie man es im Wes­ten pflegt, ent­spricht das al­les nicht. Den­noch, mit sei­nem Bik­ram Yo­ga hat Bik­ram Choudhu­ry ei­nen Hy­pe aus­ge­löst: 90 Mi­nu­ten in ei­nem hei­ßen, damp­fend-sti­cki­gen Raum, knapp 40 Grad heiß, 26 Kör­per­stel­lun­gen, so­ge­nann­te As­a­nas, die ex­akt nach sei­nen Vor­ga­ben ge­übt wer­den.

Mit die­ser Idee, ge­schick­tem Mar­ke­ting und stren­gem Fran­chisesys­tem ist Choudhu­ry zu ei­nem der be­rühm­tes­ten Yo­gis un­se­rer Zeit ge­wor­den. Nun aber scheint der Hy­pe vor­bei. Der Fall des Bik­ram Choudhu­ry hat vor we­ni­gen Ta­gen ei­nen neu­en Tief­punkt er­reicht: Er wur­de in Los An­ge­les zu ei­ner Mil­lio­nen­stra­fe ver­ur­teilt. Das Ge­richt gab der An­wäl­tin Minak­shi Ja­fa-Bod­den Recht, die für Choudhu­ry ge­ar­bei­tet hat­te. Im Pro­zess nann­te sie ihn ein „sehr ge­fähr­li­ches Raub­tier“. Choudhu­ry soll sie ge­mobbt und be­läs­tigt und ihr ge­kün­digt ha­ben, nach­dem sie sich für Frau­en, die Choudhu­ry Miss­brauch vor­war­fen, ein­ge­setzt hat­te. Un­ter an­de­rem soll sie dem Vor­wurf nach­ge­gan­gen sein, er ha­be ei­ne Prak­ti­kan­tin ver­ge­wal­tigt. Nun muss Choudhu­ry laut Ur­teil knapp sechs Mil­lio­nen Euro Schmer­zens­geld und Scha­den­er­satz zah­len. Und schon am Tag da­vor wur­de er zu ei­ner Ent­schä­di­gungs­zah­lung von knapp ei­ner Mil­li­on Euro ver­ur­teilt. Sein De­men­ti? »HŻ­be ich nicht nö­tig.« Es ist nicht das ein­zi­ge Ge­richts­ver­fah­ren ge­gen ihn: Sechs wei­te­re Frau­en ha­ben den ge­bür­ti­gen In­der in den USA we­gen se­xu­el­ler Be­läs­ti­gung ver­klagt, fünf da­von wer­fen ihm Ver­ge­wal­ti­gung vor. Der 69-Jäh­ri­ge de­men­tiert sol­che Vor­wür­fe stets. Zu­letzt vor Ge­richt un­ter an­de­rem mit der Aus­sa­ge, „das ha­be ich nicht nö­tig“. Schließ­lich ist der Yo­gal­eh­rer einst als „Ame­ri­can Yo­gi“, als Leh­rer der Stars in Hol­ly­wood be­kannt ge­wor­den.

Choudhu­ry hat schon als Te­enager in­di­sche Yo­ga-Meis­ter­schaf­ten ge­won­nen, emi­grier­te in den 1970er-Jah­ren in die USA und bau­te dort Stu­di­os auf, in de­nen sei­ne Me­tho­de der Pra­xis in er­hitz­ten Räu­men un­ter­rich­tet wur­de. Seit den 1990er-Jah­ren bie­tet er neun­wö­chi­ge Kur­se an, in de­nen er Bik­ramYo­gal­eh­rer aus­bil­det. Vor gut zehn Jah­ren ist der Hy­pe um die „Hot Rooms“in Wi­en an­ge­kom­men, als das ers­te Bik­ram-Stu­dio in der Lug­ner Ci­ty er­öff­net wur­de. Mitt­ler­wei­le prak­ti­ziert man hier­zu­lan­de in sechs of­fi­zi­el­len Bik­ramStu­di­os (und in ei­ni­gen in­of­fi­zi­el­len mehr).

In­ter­na­tio­nal, be­son­ders in den USA, strei­chen aber im­mer mehr das „Bik­ram“aus ih­rem Na­men, lö­sen die Fran­chise­part­ner­schaft mit dem Un­ter­neh­men. Ob­wohl sich Choudhu­ry die­sen Na­men teu­er mit ei­ge­nem Te­acher Trai­ning, Se­mi­n­ar­ge­büh­ren und Li­zenz­ab­ga­ben be­zah­len hat las­sen. Auch „sei­ner“Ab­fol­ge aus tra­di­tio­nel­len As­a­nas, die schon lan­ge vor Bik­rams Zei­ten so prak­ti­ziert wur­de, woll­te Bik­ram ei­nen Co­py­right-Stem­pel auf­drü­cken. Ein wei­te­rer Punkt, mit dem sich Choudhu­ry je­de Men­ge Kri­tik – und den Bei­na­men „McDo­nald’s des Yo­ga“– ein­ge­han­delt hat.

Schließ­lich ist Yo­ga ein Teil der al­ten in­di­schen Phi­lo­so­phie, die der Tra­di­ti­on nach nicht als west­li­che Mar­ke zu Geld ge­macht wer­den soll. Und schließ­lich ent­schied auch die USCo­py­right-Be­hör­de, dass nie­mand ei­ne As­a­na-Ab­fol­ge für sich be­an­spru­chen kön­ne. Auch die schweiß­trei­ben­de Pra­xis an sich ist nicht un­um­strit­ten, Kri­ti­ker se­hen es vor al­lem als Pro- blem, dass der Kör­per durch das star­ke Schwit­zen zu vie­le Mi­ne­ra­li­en ver­lie­re und de­hy­drie­re, oder dass Mus­keln und Seh­nen – durch die Wär­me na­tür­lich fle­xib­ler – über­dehnt wür­den.

Trotz­dem hat die­se Art der Pra­xis hier­zu­lan­de nach wie vor zahl­rei­che An­hän­ger. Tam­my Gos­wa­mi Rauch vom Bik­ram-Yo­ga-Stu­dio Schot­ten­ring be­rich­tet von der hei­len­den Wir­kung der Hit­ze. Die An­schul­di­gun­gen ge­gen­über Bik­ram Choudhu­ry be­trä­fen sie eher we­nig: „Wir un­ter­rich­ten sein Yo­ga. Ich glau­be an die Me­tho­de, ich se­he an den Schü­lern, wie ef­fek­tiv es ist. Bik­ram Choudhu­rys pri­va­te The­men ha­ben da­mit für mich nichts zu tun. Auch in der per­sön­li­chen Be­zie­hung zu ihm als Leh­rer war so et­was nie The­ma.“Erst vo­ri­gen Sep­tem­ber war Choudhu­ry auf Ein­la­dung ih­res Stu­di­os in Wi­en und hat in ei­nem Ho­tel ei­nes sei­ner ein­tä­gi­gen Events (Ta­ges­preis: 225 Euro) ab­ge­hal­ten. Ih­re Schü­ler, sagt Tam­my Gos­wa­mi Rauch, wür­den we­gen Bik­rams Yo­ga kom­men. Die Miss­brauchs­vor­wür­fe sei­en nie The­ma.

Aber auch in Wi­en hat schon ein Bik­ram-Stu­dio die Part­ner­schaft ge­löst,

Er sei ein »sehr gef´hr­li­ches RŻuã­tier«, sŻg­te ei­ne Ex-MitŻrãei­te­rin vor Ge­richt. Einst teu­er er­kŻuft, le­gen Yo­gŻs­tu©ios ©en NŻ­men ©es Er­fin©ers wie©er Żã.

ver­zich­tet auf den Na­men. Gos­wa­mi Rauch sagt, das lie­ge eher an den Fran­chise­re­geln. In of­fi­zi­el­len Bik­ram-Stu­di­os darf nur streng nach den Vor­ga­ben des Er­fin­ders ge­übt wer­den. Der Yo­gaBoom in Wi­en und die Viel­zahl neu­er Stu­di­os führ­ten aber da­zu, dass bis­he­ri­ge Bik­ram-Schu­len meh­re­re Sti­le an­bie­ten wol­len, da­mit sie kon­kur­renz­fä­hig blei­ben. Die St­un­den in er­hitz­ten Räu­men hei­ßen dann „Hot Yo­ga“. Der gro­ße Prunk wŻr ein­mŻl. In­ter­na­tio­nal geht der Trend oh­ne­hin schon län­ger eher weg von Bik­ram. Das „Yo­ga Jour­nal“hat be­reits 2013 in An­spie­lung auf die Miss­brauchs­vor­wür­fe die Fra­ge ge­stellt: „Wird Bik­ram Yo­ga über­le­ben?“Glaubt man dem „Gu­ru“, lau­tet die Ant­wort wohl eher Nein. Schließ­lich wür­den die Ge­schäf­te so schlecht lau­fen, dass er fast mit­tel­los und auf ge­borg­tes Geld an­ge­wie­sen sei, ar­gu­men­tier­te Choudhu­ry jüngst vor Ge­richt, war­um er die Mil­lio­nen­stra­fe nicht zah­len kön­ne. Das Ge­richt blieb beim an­ge­setz­ten Straf­maß.

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