Der Steil­hang als Ar­beits­platz

Die Salz­bur­ge­rin Eva Walk­ner ist Welt­meis­te­rin im Free­dri­den. Schnee macht sie glück­lich, sagt sie. Dar­um reist sie ihm, wenn mög­lich, auch nach.

Die Presse am Sonntag - - Leben - VON CLAU­DIA LAGLER

Wenn im Herbst die ers­ten Schnee­flo­cken fal­len, ge­hen die Mund­win­kel von Eva Walk­ner nach oben. „Schnee ist für mich Glück pur“, sagt die 36-Jäh­ri­ge. Die ge­bür­ti­ge Salz­bur­ge­rin be­strei­tet ih­ren Le­bens­un­ter­halt als Free­ri­de­rin. Steil­hän­ge mit un­ver­spur­tem Pul­ver­schnee sind ihr Ar­beits­raum. Im ver­gan­ge­nen Jahr kehr­te sie nach ei­ner ver­let­zungs­be­ding­ten Pau­se in die Free­ri­de World Tour zu­rück – und ging als Welt­meis­te­rin nach Hau­se. Heu­er will sie den Ti­tel ver­tei­di­gen. Wenn sie auch nicht mehr ganz so ver­bis­sen an die Sa­che her­an­geht wie im letz­ten Win­ter. Es läuft gut. Bei der ers­ten Sta­ti­on in An­dor­ra stand sie auf dem Po­dest: Sie wur­de Zwei­te. Seit sie bei den ganz Gro­ßen der Free­ri­de-Sze­ne mit­mischt, kann die ehe­ma­li­ge ÖSV-Läu­fe­rin von ih­rem Be­ruf auch le­ben. Aber nur, weil sie Sport­le­rin, Ma­na­ge­rin und PR-Frau in ei­ge­ner Sa­che ist und viel mit ih­ren Spon­so­ren zu­sam­men­ar­bei­tet. Win­ter­mensch. „Ich bin ein ab­so­lu­ter Win­ter­mensch“, sagt Walk­ner über sich selbst. Schnee macht sie glück­lich. Wenn er im Früh­ling im Tal weg­schmilzt, zieht es sie auf die Glet­scher oder in an­de­re Welt­ge­gen­den. „Wenn es passt, dann rei­se ich dem Schnee auch nach“, er­zählt sie. Im Som­mer macht sie Hoch­tou­ren in den Ber­gen. „Län­ge­rer Schnee-Ent­zug schlägt sich bei mir auf die Stim­mung“, er­zählt die Salz­bur­ge­rin, die sich vor­stel­len kann, nach ih­rer Kar­rie­re als Pro­fi-Free­ri­de- rin im Be­reich Pu­b­lic Re­la­ti­ons, Jour­na­lis­mus oder De­sign zu ar­bei­ten. Schnee soll­te je­den­falls trotz­dem in der Nä­he sein.

Nur ein­mal hat­te sie ge­nug vom Schnee: Zwi­schen 1993 und 2003 fuhr die Salz­bur­ge­rin 51 Eu­ro­pa­cup-Ren­nen für den Ös­ter­rei­chi­schen Ski­ver­band. Es war ein Wech­sel­spiel von gro­ßen Er­fol­gen, schwe­ren Ver­let­zun­gen und har­ten Kämp­fen zu­rück. „Ir­gend­wann ist es nicht mehr ge­gan­gen, da ha­be ich das Ka­pi­tel zu­ge­macht“, er­in­nert sich Walk­ner. „Ich bin nach Wi­en ge­gan­gen, weil ich kei­ne Ber­ge und kei­nen Schnee mehr se­hen woll­te.“Die Salz­bur­ge­rin ar­bei­te­te als Sport­jour­na­lis­tin, kehr­te aber doch recht bald in die Ber­ge zu­rück und jobb­te als Ski­leh­re­rin. Und lern­te da­bei das Free­ri­den ken­nen. Seit­her ist Pis­tenski­lauf für sie lang­wei­lig.

Walk­ner ent­deck­te ei­ne neue Welt, de­ren Fas­zi­na­ti­on sie seit­her nie mehr los­ließ. „Der Schnee ist je­den Tag an­ders, je­der Hang hat über­ra­schen­de Her­aus­for­de­run­gen“, schwärmt sie. Sie weiß aber auch: Der Grat zwi­schen der Lust auf den un­ver­spur­ten Steil­hang und nicht mehr kal­ku­lier­ba­rer Ge­fahr ist schmal. Angst vor La­wi­nen hat sie nicht, gro­ßen Re­spekt schon. Sie in­for­miert sich, stu­diert den La­wi­nen­la­ge­be­richt, fragt ein­hei­mi­sche Ex­per­ten. Aus­schlag­ge­bend ist aber ihr Bauch. „Wenn er Nein sagt, dann fah­re ich nicht. Egal, was die an­de­ren mei­nen.“Sie ver­lässt sich auf ihr Ge­fühl für den Schnee.

Fa­b­ry

Hät­ten vor al­lem jetzt in den Se­mes­ter­fe­ri­en auch Freu­de mit mehr oder schon ein biss­chen Schnee. Die fünf­jäh­ri­gen Freun­de Eli­as (l.) und Jas­min.

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