Am Herd

BRANDHEISS UND HÖCHST PER­SÖN­LICH

Die Presse am Sonntag - - Leben - VON BET­TI­NA STEI­NER

Mei­ne äl­te­re Toch­ter liest nicht nur mei­ne Ko­lum­nen, son­dern sie liest auch die Kom­men­ta­re, und sie lässt aus­rich­ten: »Mei­ne Mut­ter kann Piz­za ba­cken.«

Ich has­se Ko­chen. Tut mir leid, wenn Sie der Ti­tel der Ko­lum­ne dies­be­züg­lich in die Ir­re ge­führt hat, aber tat­säch­lich gibt es nur ei­ne ein­zi­ge Tä­tig­keit im Haus­halt, die mir ge­nau­so zu­wi­der wie Ko­chen ist, und das ist Bü­geln: Ob ich jetzt die Är­mel plät­te oder Ka­rot­ten schnips­le, ob ich mich mit dem Kra­gen pla­ge oder mit dem Risot­to – in je­dem Fall be­gin­nen mir die Ze­hen zu krib­beln, es pocht in mei­nen Oh­ren, und ich wün­sche mich an ei­nen Strand in der Ka­ri­bik oder zu­min­dest in den grau­en Le­se­ses­sel im Schlaf­zim­mer. Da bei­des nicht klappt, wer­de ich sau­er.

Dass ich Ko­chen has­se, be­deu­tet al­ler­dings nicht, dass ich es nicht kann, ein paar Ge­rich­te ge­lin­gen mir so­gar vor­züg­lich, Buch­teln mit Va­nil­le­sau­ce et­wa, Kalbs­gu­lasch mit Ser­vi­et­ten­knö­deln oder ge­ba­cke­nes Ge­mü­se, wie es uns in dem klei­nen Lo­kal in Triest ser­viert wor­den ist. Und na­tür­lich Piz­za, hier kom­men wir zum ei­gent­li­chen An­lass die­ser Zei­len, denn neu­lich kam un­se­re Gro­ße zu mir und rief: „Da be­haup­tet ei­ner in den Kom­men­ta­ren, du kannst kei­ne Piz­za ba­cken!“Sie war nach­hal­tig em­pört, noch em­pör­ter als da­mals, als ein Pos­ter ver­mu­tet hat­te, mei­ne Kin­der sei­en wohl ein biss­chen schwer von Be­griff, sonst wür­den sie mir ob mei­ner In­kon­se­quenz viel mehr auf der Na­se her­um­tan­zen.

Mei­ne Töch­ter le­sen näm­lich nicht nur re­gel­mä­ßig mei­ne Ko­lum­nen, son­dern auch die Kom­men­ta­re da­zu.

In dem Fall hat je­mand in­fra­ge ge­stellt, dass das von mir er­wähn­te Abend­es­sen („Piz­za ist fer­tig!“) selbst fa­bri­ziert sei – für den Pos­ter of­fen­bar nur ein wei­te­rer Be­weis da­für, dass ich als Mut­ter bzw. Ehe­frau nichts tau­ge, was dann üb­ri­gens ei­ne mir freund­li­cher ge­sinn­te Le­se­rin auf den Plan rief, die dann ganz rich­tig fest­stell­te, dass es wohl auch ei­nen Mann in der Fa­mi­lie ge­be, der sich an den Herd stel­len könn­te.

Was er tat­säch­lich auch tut, dann be­rei­tet er zum Bei­spiel Wie­n­er­schnit­zel mit Kar­tof­fel­sa­lat oder Schweins­me­dail­lons mit Ka­rot­ten zu. Und auch die Kin­der be­herr­schen je­weils zwei, drei Ge­rich­te: Eier­speis und Ma­ril­len­pa­la­tschin­ken die ei­ne, Kar­tof­fel­puf­fer, Schin­ken­fle­ckerln und Nu­deln mit To­ma­ten­sau­ce die an­de­re, wo­bei sie dar­auf be­harrt, dass ih­re To­ma­ten­sau­ce viel bes­ser als mei­ne schmeckt, sie lässt sie näm­lich län­ger ko­chen und tut das Ba­si­li­kum erst zum Schluss hin­ein. Sagt sie.

Ge­schenkt, mir schmeckt so­wie­so al­les viel bes­ser, was an­de­re ko­chen, mein Ziel ist es, dass ich mich, wenn ich von der Ar­beit nach Hau­se kom­me, selbst­ver­ständ­lich an den ge­deck­ten Tisch set­zen und fra­gen kann: „Und? Was gibt’s heu­te zu es­sen?“

Und we­he, man ser­viert mir Tief­kühl­piz­za.

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